Hast du schon mal ein Genie kennengelernt? – Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer

Hast du schon mal ein Genie kennengelernt?

Klappentext:
Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als „Wunderjunge von Harvard“ gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat seinen Sohn von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Dank der „Sidis-Methode“ könne jedes Kind zum Genie erzogen werden, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, weigert er sich, die Erwartungen zu erfüllen, die seine Eltern und die Gesellschaft in ihn gesetzt haben. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten – mit aller Konsequenz.

Inhalt:
Das Buch beginnt viele Jahre vor Williams Geburt. Wir lernen als erstes seinen Vater Boris Sidis kennen und die Geschichte beginnt, wie er seinen Fuß auf amerikanischem Boden setzt und seinen zwei Freunden, die er auf dem Schiff kennengelernt hat, die Freundschaft kündigt.
Boris Sidis wurde in eine jüdisch-russische Familie geboren und emigrierte 1887 nach Amerika.
Er wurde als 17-jähriger in damals Russland, heute Ukraine inhaftiert, da er sich für die Schulbildungen russischer Bauern einsetzte. Nach fünf Jahren gelang es ihm ein Philosophiestudium an der Harvard University aufzunehmen.
1894 Heiratete er Sarah Mandelbaum. Das was er für sie empfand, scheint keine Liebe zu sein. Denn Liebe war eines der Sachen, mit dem sich Boris nicht auskannte. Er sah in Sarah das Potential, eine geeignete Mutter für seine Kinder zu sein. Er unterstützte sie in der Lehre. Somit wird aus Sarah eine Akademikerin und sie studiert Medizin.

1898 wird William James Sidis als erstes Kind aus dieser Ehe geboren. Boris Sidis und seine Frau Sarah erziehen William vom ersten Tage an nach der Sidis-Methode und somit wird aus dem kleinen William ein Genie.
Mit 18 Monaten kann er lesen. Einige Spiele die für andere Kinder in ihrer Entwicklung wichtig sind, sind für ihn absurd und langweilig.
Er wird vorzeitig eingeschult und überspringt Klasse für Klasse. Mit 11 Jahren wird er an der Harvard University als Wunderkind angenommen und beginnt sein Studium und schließt ihn mit dem Bachelor ab.
Danach lehrt er an der Harvard University. Von seinen Schülern, die älter waren als er, wurde er nicht ernst genommen und bedroht. Nach dieser Bedrohung sicherten seine Eltern ihm eine seine Eltern einen Job als Assistent.
Ab diesem Moment begann ein Abbruch zu seinen Eltern. Er distanzierte sich von ihnen. Er meldete sich lediglich bei seiner Schwester, und das auch nur wenn er Geld benötigte. Er arbeitete als Schaffner und sammelte Straßenbahntickets. Er war definitiv ein Neurotiker.
Die Medien berichteten über ihn. Gegen den damaligen The New Yorker erstatte er Anzeige. Dabei ging es um einen Artikel, von dem William behauptete, dass er sich in seiner Privatsphäre gekränkt fühle und viele Qualen durch den Artikel erleiden musste.
Er gewann.
Im Jahre von 46 verstarb William James Sidis an einer Gehirnblutung.

Meine Meinung:
Ich hatte den Namen William James Sidis vorher noch nie gehört. Im Buchhandel schaute mich der Junge auf dem Buchcover an. Es war eine Trauer in seinen Augen zu sehen. Ich habe mich als erstes nicht an das Buch herangetraut, da es mit seinen 656 Seiten schon abschreckt.
Danach habe ich einige Instagram-Beiträge über das Genie gesehen und habe das Buch letztendlich bei Diogenes angefragt. Ich danke an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar.
Ich lese sehr gerne Autobiographien/Biographien. Doch ein Roman über ein Genie, war diesmal viel interessanter, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte.
Dass das Buch 656 Seiten hatte, hat mich am Ende dann überhaupt nicht mehr gestört, denn Zehrer hat diesen Roman so toll geschrieben, dass ich auch noch weiter gelesen hätte.
William James Sidis war ein Genie. Seine Eltern haben etwas sehr großes vergessen, als sie ihn zu einem Genie herangezogen haben. Sozialkompetenz und Liebe. Die letzten Seiten des Buches haben mich sehr traurig gestimmt.

Klaus Cäsar Zehrer habe ich auf der Frankfurter Buchmesse dann getroffen und mein Exemplar signieren lassen. Bis dahin hatte ich die ersten paar Seiten des Buches und einige Artikel über William James Sidis gelesen. Ich habe mich auf diesen Wunderling vorbereitet.

Er sah auch nicht ein, aus welchem Grund man ein Studium aufnehmen sollte. Sich jahrelang einen vorgekauten, vorverdauten Wissensbrei einzuverleiben, dachte er, ist gewiss nicht der geeignetste Weg, ein originell denkender Mensch zu werden. Der brauch in erster Linie eine gut ausgestattete Bibliothek. Außerdem viel Zeit und Muße zum Nachdenken. Das ist alles.

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Info: Eine traumhafte Liebesgeschichte und eine Reise durch das menschliche Gehirn als rasantes zamonisches Abenteuer

Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich.


Prinzessin Dylia leidet an einer sehr schlimmen Krankheit im ganzen Königreich. Sie kann tagelang, manchmal sogar wochenlang nicht schlafen. Somit hat sie sehr viel Zeit sich außerordentliche Sachen zusammenzudenken. Pfauenwörter die sie Tag für Tag abhakt, und immer wenn sie sie benutzt hat, kommt die riesige Spinne und nimmt die Pfauenwörter mit.

Sie besteigt die Turmtreppen, die mit wunderschönen Zeichnungen im Buch dargestellt sind.

Eines Tages erscheint aufeinmal der alptraumfarbene Nachtmahr Opal im Gemach der Prinzessin. Prinzessin Dylia denkt natürlich, dass das ein Hirngespinst ist, das sie übermüdet ist.

Doch Opal ist wahrhaftig wahr und kündet der Prinzessin an, dass er da ist um sie in den Wahnsinn zu treiben. Doch vorerst möchte er eine interessante Reise mit ihr vornehmen. In die dunkelsten Ecken ihres Gehirns. Ab sofort beginnt eine skurrile, absurde Reise im Gehirn von der Prinzessin.

 

Meine Meinung:

Ich habe vorher noch kein einziges Buch von Walter Moers gelesen und Freunde, die seine Bücher kennen, sagten mir, dass dies vielleicht das falsche Buch ist, um mit Moers zu beginnen und dass er auf seine Art eigenartig ist und dass man seine Bücher entweder mag oder nicht mag.

Ich muss sagen, ich habe das Buch gemocht. An einigen Stellen fand ich es zwar langatmig, aber die Phantasie, die Moers beim Schreiben benutzt, genauso wie die wundervollen Zeichnungen, die in dem Buch vorhanden sind, haben dazu gefüht, dass ich dem Buch 4 Sterne gegeben habe.

Es wird definitiv nicht mein letztes Moers Buch sein.

 

 

 

Freiheit

Am vorletzten Tag  des Jahres möchte ich über den Buch-Kalender 2018 Freiheit von Paulo Coelho erschienen im Diogenes Verlag erzählen.

Der Buch-Kalender von Paulo Coelho im Jahr 2018 hat sich als Thema die Freiheit ausgewählt.

Wie üblich hat die kolumbianische Künstlerin Catalina Estrada die Zeichnungen für den Kalender angefertigt.

Eingeleitet wird der Kalender mit einem Zitat aus „Die Spionin“.

Aufrichtigkeit nimmt der Lüge den Wind aus den Segeln.

Danach sind auf zwei Seiten die Jahresüberblicke für 2018 und 2019 zu sehen.

Gefolgt auf weiteren Seiten hat man dann einen Jahresüberblick für das ganze Jahr 2018, welches sehr nützlich sein kann.

Und danach beginnt ein wunderschöner Kalender, ein persönliches Buch mit sehr schönen Zeichnungen jeweils zwischen den Übergängen der Monate. Jeder Monatsbeginn hat eine Seite für Gedanken frei gelassen, die mit Ideen, Inspirationen, Terminen direkt am Anfang einen Vorschau auf das kommende Monat geben.

Jede Kalenderwoche besitzt ein Zitat aus den bekannten Büchern von Coelho als Fußzeile.

Mit den gewählten bunten Farben der Zeichnungen bereitet dieser Kalender durch und durch eine Vorfreude um Termine und Gedanken niederzuschreiben.

Ich danke Diogenes für das Rezensionsexemplar.

Am liebsten sind mir die Problemzonen, die ich noch gar nicht kenne

Jede Frau ist schön – sie soll es nur nicht wissen
Ob in der Stadt, in Zeitschriften oder auf Instagram: Überall begegnen uns Fotos von trügerisch perfekten Frauenkörpern, die für schöne Achseln, Diäten und weißere Zähne werben. Bilder, die uns Unsicherheiten einreden, um uns die Lösungen gleich mitzuverkaufen. Man kann daran verzweifeln – oder man kann sich vom Optimierungswahn befreien, am besten mit Humor! Corinne Luca erzählt in ihrem Buch ehrlich und mit einem Augenzwinkern, was es heutzutage heißt, eine Frau zu sein. Und kommt zu dem Schluss: Wir müssen uns nicht täglich eine neue Problemzone einreden lassen!

Die Autorin: Corinne Luca

Corinne Luca ist Bloggerin und schreibt für Edition F und bento. 2016 gewann sie für ihr Blogmagazin makellosmag den renommierten Grimme Online Award. Ihre Parodie auf Ronja von Rönne nannte Ijoma Mangold (Die ZEIT) „brillant“. Corinne Luca lebt mit Mann und zwei Töchtern in Berlin.

Inhalt:

Mit den Worten, jede Frau ist schön, sie soll es nur nicht wissen, nimmt Corinne Luca sämtliche Frauenzeitschriften, Instagram und co. auseinander.
Ihr witziges und zum Nachdenken bringendes Buch fängt sie damit an zu erklären, wie sie angefangen hat Zeitschriften zu lesen, und was ihr nach und nach klar geworden ist. Nämlich, dass heutzutage der Frau, ja nur der Frau vorgeschrieben wird, wie sie sich zu kleiden hat, welche Farbe zu ihren Lippen passt und mit welchem Shampoo ihre Haare mehr Glanz etc. bekommen.

Eine Werbebranche durch und durch, die der Meinung ist, dass sie das beste für dich als Frau zu wissen weiß. So ist es überhaupt kein Zufall, dass auf der einen Seite von einem neuen Lippenstift erzählt wird, die deine Lippen dicker zeigen sollen und siehe da, wie nett sie doch sind, du hast ein Pröbchen dazu bekommen. 🙂

Schöne Achseln, gewachst oder mit Behaarung, Diäten die dich in 2.4 Tagen 3 Kilo abnehmen lassen, Bilder die auf Instagram dir einreden, dass du zu dick bist – dies sind alles Themen dieses Buches.

Meine Gedanken:

Ich habe mir noch nie eine Frauenzeitschrift gekauft. Ich habe sie lediglich durchgeblättert, wenn ich beim Arzt im Wartezimmer saß. Mein Gedanke beim Lesen dieser Zeitschriften ist nämlich diese – “ja, ja, als wüsstest du, welche Probleme ich wirklich habe.”

Als eine 35-jährige Frau mit Lipödem im Stadium zwei weiß ich sehr gut, was die Gesellschaft so denkt, wenn sie mich sieht. “Boah ist die fett.”

Nein ich bin nicht fett, ich bin nur krank und mache genug um dieser Krankheit entgegen zu wirken. Da brauche ich keine Zeitschriften, die mir weitere Probleme zureden.

Ich empfand das Buch als lesenswert. Danke an Heyne für das Rezensionsexemplar.

 

Der Weg des Bogens von Paulo Coelho

Tsetsuya ist der beste Bogenschütze des Landes in einem abgelegenen Tal in Japan. Als ein ehrgeiziger anderer Bogenschütze ihn aufspürt und sich mit ihm messen will, stellt er sich der Herausforderung. Doch seine Lehren gibt er nicht an ihn weiter, sondern an einen unerfahrenen Jungen in seinem Dorf.

Wie oben beschrieben, beginnt Tsetsuya seine Lehren an den Jungen im Dorf zu geben und danach beginnt ein sehr schönes kleines Buch, mit wunderschönen Zeichnungen mit einzelnen Kapiteln über die Techniken des Bogenschießens.

Während das Buch uns das Bogenschießen näher bringt, gibt es uns eher Weisheiten mit auf den Weg, die wir in unseren Leben anwenden können.

Im allerersten Kapitel, in dem es um die Verbündeten beim Bogenschießen geht, geht es meiner Meinung nach, wie wir Menschen miteinander umgehen. So ist doch der Satz „Die Menschen beurteilen andere immer nach sich selbst – und manchmal ist ihre Meinung von Vorurteilen und Ängsten geprägt“, ein Volltreffer über uns Menschen.

Des weiteren schreibt Coelho sich das Ziel des Bogenschießens als Metapher nehmend folgenden Satz: „An einem Tag, an dem dir die Liebe zum Leben fehlt, wird dein Schuss ungeordnet und unnötig kompliziert sein.“

Ist das nicht wirklich so? Wer kennt sie nicht- die Momente in denen wir nach dem Sinn des Lebens fragen und sie erfragen. Machen wir uns in dieser Zeit, das Leben nicht unnötig schwer?

Ich hätte niemals gedacht, dass ein Thema, nämlich das Bogenschießen, was eigentlich nicht in meinem Interessengebiet liegt, mich so sehr bewegen und zum Nachdenken bringen würde.

Ich danke Diogenes für das Rezensionsexemplar. Ganz sicherlich werde ich ein Exemplar kaufen und an Weihnachten verschenken.

Kleine Schwester von Barbara Gowdy

Kleine Schwester erschien im Kunstmann Verlag im August 2017.

Das Buch erzählt die Geschichte von Rose. Rose lebt mit ihrer Mutter Fiona zusammen, die an Demenz leidet. Rose hat ihren Vater verloren und sein Kino übernommen.

Obwohl es Sommer ist ziehen ein Gewitter nach dem anderen über die Stadt und Rose verliert bedingt durch diese Gewitter ihr Bewusstsein und landet in einem interessanten Traum. Nach dem ersten mal ist es klar, dass es keine Träume sind, sondern dass sich Rose im Körper einer anderen Frau befindet und das Leben dieser Frau, die gerade in Schwierigkeiten zu stecken scheint, durch und durch lebt.

Rose versucht diese junge Frau ausfindig zu machen und ihr zu helfen. Doch es scheint schwierig zu sein, an die junge Frau heranzukommen. Als die demenzkranke Fiona dann auch noch über ein von Rose verdrängtes Thema, nämlich ihrer verstorbenen Schwester, zu reden beginnt, findet Rose eine Verbindung zwischen ihrer verstorbenen Schwester und der Frau, in der sie steckt.

Rose jagt dem Gewitter hinterher, damit sie ihr Bewusstsein verliert und die Episoden, wie sie es betitelt durchlebt. Sie kommt raus aus dem kleinen Kino und dem Kinoprogramm und begegnet ihren Ängsten und warum diese Ängste enstanden sind, wird am Ende des Buches klar.

Ich fand das Buch sehr interessant und es war sehr gut zu lesen. Die Episoden, die Rose durchlebt hat waren sehr aufregend und noch aufregender war es, darauf zu warten, ob sie endlich mit der Frau in der sie steckte, gegenüber stehen wird. Das war mein erstes Gowdy Buch und ich werde weitere Bücher von ihr lesen.

Ich danke für das Rezensionsexemplar.

 

The Hate u Give

 

Die Autorin Angie Thomas

Angie Thomas ist in Jackson, Mississippi, aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Als Teenager tat sie sich als Rapperin hervor; ihr ganzer Stolz war ein Artikel im Right-On! Magazine. Thomas hat einen Bachelor-Abschluss im Fach Kreatives Schreiben an der Belhaven Universität. Ihr Debüt The Hate U Give erntete ein überschwängliches Presse- und Leserecho und schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste.

 

Das Buch

Die Protagonistin Starr ist 16 Jahre alt und wächst in Garden Heights auf, dass durch und durch ein Armenviertel ist, an der Drogen, Gewalt, Eskalationen, Gangs zum Alltag gehören.

Nebenbei besucht sie eine Privatschule, in der sie fast die einzige Schwarze ist und mit einem weißen Jungen Namens Chris ausgeht.

Das Buch beginnt mit einer Party an, auf der Starr ihren besten Freund Khalil sieht. Es kommt zu einer Schießerei auf der Party und Starr verlässt gemeinsam mit Khalil die Party um nach Hause zu fahren.

Khalil wird von einem Polizisten angehalten und nach ein paar Minuten in denen Missverständnisse vorkommen, erschießt der Polizist Khalil. Khalil stirbt am Tatort vor Starrs Ausgen.

Ab sofort beginnt für Starr eine schwierige Zeit. Sie ist die einzige Zeugin und versucht sich geheim zu halten. Der Tod von Khalil wird in den Medien verharmlost. Die Lage wird so dargestellt, dass er ein gefährlicher Drogendealer war, der es – kaum zu glauben – fast schon verdient hat, zu sterben.

Während die Schwarzen für Khalil auf die Straßen gehen versucht Starr das Geschehen zu verarbeiten. Sie kämpft mit sich selbst. Einerseits versucht sie sich geheim zu halten und andererseits ist sie die einzige, die etwas zu der Sache sagen kann. Durch ihren Onkel, der ein Polizist ist und für Starr die Vaterrolle übernommen hat, als Starrs wirklicher Vater im Gefängnis war, entschließt sie sich unter Geheimhaltung ihrer Person bei der Polizei auszusagen.

Meine Eltern legen großen Wert darauf. Meine Brüder oder ich sollen immer unserem Gegenüber in die Augen schauen, wenn wir mit ihm reden. Sie behaupten, die Augen würden mehr verraten als der Mund – und dass es in beide Richtungen funktioniert.

Die Entscheidung der Grand Jury – ob sie den Polizisten für schuldig aussprechen bleibt bis zum Ende des Buches offen.

Und währenddessen lesen wir über den alltäglichen Wahnsinn in Garden Heights. Über die Kämpfe zwischen den beiden großen Gangs. Erfahren die Geschichte für Khalils Entwicklung und sein Motiv, warum er so war, wie er war.

Das Thema Rassismus – in diesem Falle an Schwarzen – wird in Buch sehr gut beschrieben. Angie Thomas lässt durch Starr eine starke Persönlichkeit in den Vordergrund treten, die nicht weiter die Augen vor schlechten Taten schließen wird.

Starr redet zuhause mit ihren Eltern, ihren Geschwistern und Freunden von Garden Heights in einem Slang, der meiner Meinung nach sehr gut übersetzt wurde. Und an der Privatschule ist sie eine ganz andere. Dies führt vor Augen, dass sie zwei verschiedene Welten hat. Die Welt der Schwarzen und der Weißen.

Mit hat das Buch sehr gefallen. Das Buch ist unter dem Genre Jugendbuch aufgeführt und ist ab 14 Jahren freigegeben. Doch es kann durch die Thematik sicherlich auch von Erwachsenen gelesen werden.

 

 

One-Night-Stand, Knips, Fingernagel und dann ist sie weg – Lola

Julie Estève

Julie Estève wurde 1979 in Paris geboren, wo sie auch lebt. Sie studierte Jura und Kunstgeschichte, spezialisierte sich auf moderne Kunst und arbeitet für verschiedene Museen und Magazine. „Lola“ ist ihr erster Roman. (Quelle: Rowohlt)

Sie stellt sich die jungen Leute vor, die schüchtern zum ersten Mal “Ich liebe dich” sagen, mit schamgeröteten Gesicht. Die jugendliche Liebe ist die reinste, die gewaltigste.

Lola hat offensichtlich einen großen Liebesschmerz erlitten. So lebt und läuft sie durch die Straßen von Paris und wie sie sich kleidet und mit Männern umgeht, ist ihre eigene Art mit diesem Schmerz klar zu kommen und ihren Wut auszulassen.

Mit knapp bemessenen Röcken, Netzstrümpfen und rotem Lippenstift hurt sie durch die Stadt. Kein Mann ist vor ihr sicher und sie besorgt es jedem.

Alles ist nur noch Sex. Alles. Sie treibt dahin. So wie andere Leute sich mit der Rasierklinge ritzen, spreizt Lola die Beine.

Mal ist es ein Klempner, dann ein verheirateter Mann. Die Gedanken werden ausgeschaltet und es geht los mit dem Sex. Danach knipst sie den Männern einen Fingernagel ab und läuft nach Hause, wo sie die gesammelten Fingernägel in einem Glas sammelt.

An ihre verstorbene Mutter möchte sie nicht denken und an ihren Vater, der Alkoholiker ist hat sie seit langem keinen Kontakt, obwohl der sich bei ihr meldet und sich ein Wiedersehen erwünscht.

Ihr Nachbar Dove – der absolut das Gegenteil von Lola ist – häuslich, fokussiert auf die Zukunft – mag Lola und bringt ihr Schokolade von einer Reise mit.

Lola geht auf Dove ein und reist mit ihm nach Griechenland, obwohl sie Angst vor dem Fliegen hat.

Ein Neuanfang scheint in Sicht zu sein. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Lola ihre krankhafte Einstellung zu Männern und ihren Wut, den sie an sich selbst ausübt – in dem sie sich als Frau so sehr erniedrigt – losbekommen wird, wenn das Glas mit den Fingernägeln voll ist. Durch Dove schien es so, dass das nicht mehr von Nöten war.

Lola könnte zurück in den Supermarkt gehen, sich ein paar Rasierklingen kaufen und sich unter der heißen Dusche die Pulsadern öffnen. Verrecken ist billig. Bloß drei Euro. Drei Euro, und schon ist das ganze Gezeter, sind all die Minuten, Tage, Monate und Jahre vorbei. Die Fesseln sprengen, der Einsamkeit entfliehen und eintauchen in ewiges Vergessen. Für drei Euro. Wie kann ein Mensch nur so allein sein?

Das Buch wird unter dem Genre Erotik aufgeführt, doch es ist viel mehr als dies. Zwar sind die beschriebenen Sexszenen detailliert und erotisch, aber mich hat eher die Geschichte der jungen Frau interessiert. Ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie allein sich eine Frau fühlen kann und was einem zustößen müsste, dass man sich selbst nur noch als Sexobjekt ansieht. Das Buch ist lesenswert.

Ich danke Rowohlt für das Rezensionsexemplar.

Flucht von Hakan Günday

Hakan Günday

Hakan Günday, geboren 1976, studierte Französisch in der Türkei und in Brüssel, anschließend Politikwissenschaften in Ankara. Diplomatensohn, Bestsellerautor, Drehbuchautor, Provokateur, Enfant terrible der jungen türkischen Literatur. Seine Romane sind gleichermaßen Bestseller wie Kultbücher. Seine vielen Fans feiern ihn für seine politischen Kolumnen, seine öffentlichen Debatten und dafür, dass alles, was er tut, aus dem Rahmen fällt.

“Wäre mein Vater kein Mörder gewesen, hätte ich nie das Licht der Welt erblickt.” – Mit diesen erschütternden Worten fängt das Buch von Hakan Günday an. Der Protagonist Gâza ist erst neun Jahre alt, als er erfährt, dass sein Vater Ahad ein Schleuser ist und Menschen in einem Depot im Garten versteckt um sie danach mit dem LKW zu transportieren.

Das Buch besteht aus jeweils vier großen Kapiteln, die mit Maltechnicken der Renaissance eingeleitet werden und somit ein Hinweis auf Gâza, der sich in der Geschichte drastischen Änderungen unterziehen wird, geben. Als kleiner Junge ist er noch unwissend und versucht Antworten auf Fragen wie, “wollte meine Mutter mich direkt nach meiner Geburt umbringen?” zu finden.

Im ersten Kapitel entwickelt sich Gâza zu einem Charakter, den man einfach nicht mögen kann. Er sieht die Menschen im Depot als Waren an und macht mit ihnen Versuche, die er in einer wissenschaftlichen Ausarbeitung versucht, festzuhalten. Er installiert Kameras im Depot und schaut den Menschen darin zu. Geilt sich an ihnen auf. Erkennt von Tag zu Tag seine Macht über ihnen. Es reicht schon aus, dass er das Licht an und ausschaltet.

Im weiteren Alter scheut er sich nicht davor, sich die schönen Mädchen auszusuchen und sie zu vergewaltigen. Im zweiten Kapitel passiert ein Unfall, der Gâzas Leben einen entscheidenden Wandel gibt. Als er mit seinem Vater die Menschen transportiert, fährt sein Vater den LKW, nachdem Gâza ihm Fragen über seine Mutter gestellt hat, in den Abgrund. Es ist mehr ein Selbstmord als ein Unfall. Gâza verbringt 300 Stunden inmitten der Leichen aus dem LKW und ist der einzige überlebende. Die Stunden die er dort verbringt sind dermaßen detailliert erklärt, dass Gâza ab diesem Moment für den Leser nur noch wie ein Raubtier erscheint. Ein krankhafter Charakter, der sich sogar an einer Leichenbrust aufgeilen kann. – Ich hatte mit dieser Stelle zu kämpfen. Danach musste ich das Buch beiseite legen und das Gelesene verarbeiten.

Nachdem Unfall ist Gâza nicht mehr zurechnungsfähig. Er wird zwar von einigen gefördert und darf sogar studieren, da er immer sehr gut in der Schule war, doch seine Haltung gegenüber Menschen führen ihn in eine Nervenklinik. Er wird dort behandelt und nachdem er entlassen wird, kann er nicht unter Menschen sein. Kann mit ihnen nicht reden, weder noch einem die Hand schütteln. Im weiteren Verlauf des Buches kehrt er zurück zum Depot. An dieser Stelle musste ich an das Sprichwort – ein Mörder kehrt immer zum Tatort zurück – denken.

Meine Meinung:

Dieses Buch von Hakan Günday habe ich vor Monaten in türkisch angefangen und es nicht weiter gelesen, weil es mir sehr extrem und hart vor kam. Die deutsche Sprache empfinde ich in einigen Zusammenhängen nicht so emotional und hart wie meine Muttersprache. Deshalb habe ich das Buch nochmal auf deutsch angefangen und ich muss sagen, dieses Buch ist nichts für Leute, die zart betucht sind. Es spielt mit den Nerven, mit den Gefühlen und provoziert durch und durch. Doch das ist die Art Gündays. Wer andere Bücher von ihm gelesen hat, weiß, dass er keinen Blatt vor den Mund nimmt. Er hat mit Gâza einen Charakter geschaffen, der einen kurz inne halten lässt und an die Geschehnisse an den Grenzen denken lässt. Menschen werden als Ware angesehen und von Schleusern, mit der Hoffnung nach Europa zu kommen, reingelegt. Es ist noch nicht lange her, dass die Leiche eines kleinen Jungen an die Ägäisküste der Türkei gestrandet ist.

Notizen:

Wie oft beichtet man ein und dieselbe Sünde ein und demselben Menschen? (Seite 13)

Kaum hielt ich in jenem Sommer men Schulzeugnis in der Hand, wurde ich zum Menschenhändler. (Seite 15)

Alles war Mathematik. Eine bloße Subtraktionsaufgabe. Wüsste ich, was übrig blieb, wenn ich meinen Hass von der Welt subtrahierte, wäre die ganze Geschichte zu Ende. (Seite 100)

Es gibt so Nächte … Nächte wie Sägemehl … Nächte, die jede Schuld aufsaugen und jeden Schuldigen unschuldig in den Morgen entlassen … (Seite 220)

 

 

 

Unsere Seelen bei Nacht – Kent Haruf

Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf ist im März 2017 im Diogenes Verlag erschienen.

Klappentext:

Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.

 

Inhalt:

Der Klappentext sagt schon vieles von diesem Buch voraus. Addie ist verwitwet und klingelt eines Abends bei ihrem Nachbarn Louis und fragt ihn, ob er nicht bei ihr schlafen möchte. Louis ist ihr seit Jahren bekannt und auch er ist einsam.

Sie will ihre Einsamkeit teilen. Abends im Bett liegen und neben sich einen Menschen haben, den sie kennt und dem sie nach und nach vertrauen kann.

Auch wenn es Louis als erstes komisch vorkommt, willigt er ein und geht Abends, wenn ihn keiner sehen kann zu Addie. Die ersten paar Male ist es für beide komisch, doch mit der Zeit gewöhnen sie sich aneinander. Sie reden von ihren Partnern, ihren Kindern, ihren Schicksalen.

Wer sie sind, wer sie einmal waren und was sie zu dem gemacht hat, was sie heute sind.

Es geht in diesem Buch nicht um Sex. Es geht durch und durch um die Einsamkeit.

In einem kleinen Ort wie Colorado spricht sich so etwas schnell herum. Die Menschen schauen sie komisch an und es ist klar, dass sich schnell Gerüchte herumsprechen werden.

So kommt es auch, dass Louis’ Tochter und Addies Sohn davon erfahren und versuchen ihre Elternteile zurechtzuweisen. Sie wollen nicht, dass sie sich treffen, gar beieinander übernachten.

Addie ist es von Anfang an egal, was die Menschen denken werden. Sie ist einfach zu Erwachsen und alt um sich Gedanken darüber zu machen, was andere Menschen reden werden und sie erlaubt es keinem, sich in ihr Leben einzumischen.

 

Meine Meinung:

Das Buch ist sehr tiefgründig. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie schlimm es sein kann, wenn man einen Menschen verliert, den man über Jahre hinweg an seiner Seite wusste.

Man ist daran gewöhnt nach Hause zu kommen, diese Person um sich zu haben, für diesen Menschen zu sorgen, zu lieben und geliebt zu werden. Und eines Tages ist einer der Parteien verstorben und der andere steht da und ist alleine.

Einsam sein möchte niemand. Und das ist Addies einziger Wunsch. Nicht einsam zu sein. Sie beweisst Stärke und traut sich Louis zu fragen. Könntest du es? Wärest du dazu bereit deine Einsamkeit gegen Zweisamkeit zu tauschen, wenn du wüsstest, dass du zum Redestoff der ganzen Stadt wirst?