Hast du schon mal ein Genie kennengelernt? – Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer

Hast du schon mal ein Genie kennengelernt?

Klappentext:
Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als „Wunderjunge von Harvard“ gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat seinen Sohn von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Dank der „Sidis-Methode“ könne jedes Kind zum Genie erzogen werden, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, weigert er sich, die Erwartungen zu erfüllen, die seine Eltern und die Gesellschaft in ihn gesetzt haben. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten – mit aller Konsequenz.

Inhalt:
Das Buch beginnt viele Jahre vor Williams Geburt. Wir lernen als erstes seinen Vater Boris Sidis kennen und die Geschichte beginnt, wie er seinen Fuß auf amerikanischem Boden setzt und seinen zwei Freunden, die er auf dem Schiff kennengelernt hat, die Freundschaft kündigt.
Boris Sidis wurde in eine jüdisch-russische Familie geboren und emigrierte 1887 nach Amerika.
Er wurde als 17-jähriger in damals Russland, heute Ukraine inhaftiert, da er sich für die Schulbildungen russischer Bauern einsetzte. Nach fünf Jahren gelang es ihm ein Philosophiestudium an der Harvard University aufzunehmen.
1894 Heiratete er Sarah Mandelbaum. Das was er für sie empfand, scheint keine Liebe zu sein. Denn Liebe war eines der Sachen, mit dem sich Boris nicht auskannte. Er sah in Sarah das Potential, eine geeignete Mutter für seine Kinder zu sein. Er unterstützte sie in der Lehre. Somit wird aus Sarah eine Akademikerin und sie studiert Medizin.

1898 wird William James Sidis als erstes Kind aus dieser Ehe geboren. Boris Sidis und seine Frau Sarah erziehen William vom ersten Tage an nach der Sidis-Methode und somit wird aus dem kleinen William ein Genie.
Mit 18 Monaten kann er lesen. Einige Spiele die für andere Kinder in ihrer Entwicklung wichtig sind, sind für ihn absurd und langweilig.
Er wird vorzeitig eingeschult und überspringt Klasse für Klasse. Mit 11 Jahren wird er an der Harvard University als Wunderkind angenommen und beginnt sein Studium und schließt ihn mit dem Bachelor ab.
Danach lehrt er an der Harvard University. Von seinen Schülern, die älter waren als er, wurde er nicht ernst genommen und bedroht. Nach dieser Bedrohung sicherten seine Eltern ihm eine seine Eltern einen Job als Assistent.
Ab diesem Moment begann ein Abbruch zu seinen Eltern. Er distanzierte sich von ihnen. Er meldete sich lediglich bei seiner Schwester, und das auch nur wenn er Geld benötigte. Er arbeitete als Schaffner und sammelte Straßenbahntickets. Er war definitiv ein Neurotiker.
Die Medien berichteten über ihn. Gegen den damaligen The New Yorker erstatte er Anzeige. Dabei ging es um einen Artikel, von dem William behauptete, dass er sich in seiner Privatsphäre gekränkt fühle und viele Qualen durch den Artikel erleiden musste.
Er gewann.
Im Jahre von 46 verstarb William James Sidis an einer Gehirnblutung.

Meine Meinung:
Ich hatte den Namen William James Sidis vorher noch nie gehört. Im Buchhandel schaute mich der Junge auf dem Buchcover an. Es war eine Trauer in seinen Augen zu sehen. Ich habe mich als erstes nicht an das Buch herangetraut, da es mit seinen 656 Seiten schon abschreckt.
Danach habe ich einige Instagram-Beiträge über das Genie gesehen und habe das Buch letztendlich bei Diogenes angefragt. Ich danke an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar.
Ich lese sehr gerne Autobiographien/Biographien. Doch ein Roman über ein Genie, war diesmal viel interessanter, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte.
Dass das Buch 656 Seiten hatte, hat mich am Ende dann überhaupt nicht mehr gestört, denn Zehrer hat diesen Roman so toll geschrieben, dass ich auch noch weiter gelesen hätte.
William James Sidis war ein Genie. Seine Eltern haben etwas sehr großes vergessen, als sie ihn zu einem Genie herangezogen haben. Sozialkompetenz und Liebe. Die letzten Seiten des Buches haben mich sehr traurig gestimmt.

Klaus Cäsar Zehrer habe ich auf der Frankfurter Buchmesse dann getroffen und mein Exemplar signieren lassen. Bis dahin hatte ich die ersten paar Seiten des Buches und einige Artikel über William James Sidis gelesen. Ich habe mich auf diesen Wunderling vorbereitet.

Er sah auch nicht ein, aus welchem Grund man ein Studium aufnehmen sollte. Sich jahrelang einen vorgekauten, vorverdauten Wissensbrei einzuverleiben, dachte er, ist gewiss nicht der geeignetste Weg, ein originell denkender Mensch zu werden. Der brauch in erster Linie eine gut ausgestattete Bibliothek. Außerdem viel Zeit und Muße zum Nachdenken. Das ist alles.

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