Spinner | Benedict Wells

Vom Autor überarbeitete Fassung

»Ich habe keine Angst vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart.«
Jesper Lier, 20, weiß nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch Berlin. Ein tragikomischer Roman über Freundschaft, das Ringen um seine Träume und über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Taschenbuch
320 Seiten
erschienen am 24. August 2016

978-3-257-24384-0
€ (D) 12.00 / sFr 16.00* / € (A) 12.40

Alle hatten Angst vor Lücken in ihrem Lebenslauf. Aber niemand schien Angst davor zu haben, seine Träume zu verraten.

 

Jesper Lier ist 20 Jahre alt und ist vor genau einem Jahr von München nach Berlin gezogen. Zu seinem kaum vorhandenen Freundeskreis gehört der schwule Gustav, der an einer Filmhochschule studieren möchte und sein Jugendfreund Frank, den er mit Hilfe von Gustav von seiner schrägen Familie entführt hat.

Jesper absolviert ein Praktikum beim Berliner Merkur und ist offensichtlich mit nichts zufrieden. Gut gelaunte Menschen regen ihn auf. Er hasst alles, was es überhaupt gibt.

Nebenbei versucht er sein Buch „Der Leidensgenosse“, welches über 1000 Seiten hat an einen Verlag abzugeben, der das Buch auch noch druckt.  Dieser Traum scheint hoffnungslos, da er das Buch im besoffenen Zustand und unter Drogen nachts zusammenschreibt.

Der Tod seines Vaters hat ihn sichtlich mitgenommen. Er erwähnt immer wieder, dass sein Vater ihn in Stich gelassen hat. Das Buch „Spinner“ beginnt am Bahnhof in Berlin. Jesper hat seine Koffer gepackt um nach München zu fahren, da er seiner Mutter helfen möchte, die Wohnung zu räumen. Sie kann sie sich nach dem Tod seines Vaters nicht mehr leisten.

Er schafft es nicht in diesen Zug einzusteigen und fährt wieder in seine Wohnung in Berlin, welches immer noch das Namensschild des Vormieters an der Klingel hat. Sogar das hat er nicht geändert.

Seine Nummer hat kaum jemand. Die Mutter ruft er von einer Telefonzelle an und kann dann behaupten, dass das Geld ausgegangen ist und dass er auflegen muss.

Wir begleiten Jesper durch eine komplette Woche in Berlin. Er ist depressiv. Hat immer wieder mal Abstürze. Isst kaum etwas und lügt sich selbst und alle in seiner Umgebung an. Somit erfindet er gegenüber seiner Mutter sogar eine fiktive Freundin Sandra, die er auf jeden Fall mal mit nach München bringen wird.

Immer wieder tauchen seine Charaktere aus seinem Buch auf und bescheren ihm unglückliche Vorfälle. Er lebt zwischen Fiktion und Realem. An manchen Stellen im Buch ist der Übergang zu seinen Halluzinationen so gut dargestellt, dass man als Leser kurz überlegen muss, ob das nun zu Jespers Leben gehört, oder ob die Personen aus „Der Leidensgenosse“ wieder mal auferstanden sind.

Gegen Ende des Buches hat Jesper einen Zusammenbruch, welches dazu führt, dass er in ein Krankenhaus kommt. Dieser Zusammenbruch führt dazu, dass er sich über seine Lebensweise Gedanken macht. Genauso wird er sich darüber klar, dass er in dem letzten Jahr in Berlin nichts erreicht hat.

Wenn ich schlecht drauf war, tauchten auf einmal von irgendwoher so scheißfröhliche Menschen auf.

 

Fazit:

Ein sehr interessantes Buch über die Angst vor dem Erwachsen werden. Jeder der sein Abitur gemacht hat, steht vor der gleichen Situation wie Jesper. Was studieren? Oder überhaupt studieren?

Soll ich mich in eine von der Gesellschaft vorgekaute Kategorie hinein quetschen lassen, oder doch meinem Traum hinterherlaufen und am Ende eventuell eine Niederlage erleiden?

Danke Diogenes für das schöne Buch.

  • so many books, so little time.

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