Quarter Life Poetry | Samantha Jayne

Quarter Life Poetry | Taschenbuch | 176 Seiten | btb

Info:

Samantha Jayne weiß, dass das Leben nach der Uni alles andere als glamourös ist. Während alle anderen Kinder kriegen, den Traumjob ergattern und den Studienkredit abbezahlen, spricht ihre Poetry mit kongenialen Illustrationen für alle, die verstanden haben, dass das hier nicht »die besten Jahre deines Lebens« sind. Quarter Life Poetry zeigt die Struggles einer Generation zwischen Dating-Apps, ziemlich mittelmäßigem Sex und schlecht bezahlten Jobs. Einer Generation, die so witzig, cool und selbstironisch an sich zweifelt, wie es noch keine vor ihr getan hat.

Inhalt:

Ein sehr witziges Buch über das Leben nach dem Studium und die Generation „Andere bekommen Kinder. Bei mir überlebt nicht mal ein Kaktus.“
Samantha Jayne beschreibt in vier zeiligen Gedichten wie das Leben ab 25 sich entwickelt.

Sie schreibt von der Schwierigkeit den Studienkredit abzubezahlen, den richtigen Mann kennenzulernen, einen anständigen Job zu finden, den Bügeleisen zu bedienen und wie sich die Einladungen zu Hochzeiten von Freunden auf der Kühlschranktür häufen.

Jede Seite ist mit einer Karikatur bedruckt. Somit ist auch das Buchcover einer dieser Karikaturen. Das Buch ist untergliedert in Kapitel mit Themen wie, Alltag, Geld, Essen, Social Life, Sex, Liebe, Hochzeiten, Fashion, Arbeitslosigkeit und Job, welche sie Sturggles nennt.

In der Einleitung beschreibt die Schriftstellerin, dass man ihr sagte, dass dies ein Buch werden soll, welches auf dem Klo gelesen wird. Sie ist zwar der Meinung, dass man es durchaus auch woanders lesen kann, aber sei es drum, dann lachen wir halt alle gemeinsam irgendwo auf unseren Klos …

Fazit:

Ein witziges und zu gleich poetisches Buch, welches wirklich im Badezimmer neben dem Klo griffbereit für die Gäste zur Verfügung gestellt werden kann.

Wenn ihre Gäste dann längere Zeit nicht mehr heraus kommen, wissen sie bescheid. 🙂

 

 

 

Mädchen aus Papier | Sina Flammang

Erscheinungstermin: 20. März 2017

Hardcover | 352 Seiten | cbt

Mari ist drei, als ihre Schwester in einem Kaufhaus spurlos verschwindet. Seit Mari sich erinnern kann, schwebt der Schatten der verlorenen Tochter über der Familie und lässt die Verschwundene beinahe realer scheinen als sie selbst. Als Annika nach zwölf Jahren wie aus dem Nichts wieder auftaucht, sind alle überfordert von diesem Geistermädchen, das verschlossen, unzugänglich und geheimnisvoll ist. Während die Eltern krampfhaft heile Welt spielen, fühlt Mari sich mehr und mehr verdrängt. Bis ihr irgendwann nichts anderes übrig bleibt, als selbst zu verschwinden. Zusammen mit ihren Freunden Clementine und Ole macht sie sich auf einen irrwitzigen Trip nach Italien – um am Ende doch zurückzufinden.


Inhalt:
Maris Schwester Annika ist mit fünf Jahren verschwunden. Mittlerweile sind 12 Jahre vergangen. Mari ist für ihre Eltern ein Vorzeige-Kind. Sie versuchen nach außen hin ihren Anschein von einer tollen Familie, die den Verlust von Annika verkraftet hat, zu bewahren.
Mari nimmt an einer Selbsthilfegruppe teil. In dieser Gruppe befinden sich weitere Kinder, deren Geschwister ebenfalls verschwunden sind. Mari lernt in dieser Gruppe Clementine und Ole kennen.
Clementine leidet offensichtlich an Magersucht und Oles Bruder ist während einem Urlaub in Italien verschwunden.
Ole ist der absoluten Überzeugung, dass er seinen Bruder finden wird und betreibt deshalb einen Blog.

Nach 12 Jahren stehen auf einmal zwei Polizisten an der Tür zur Maris Elternhaus und berichten, dass sie Annika gefunden haben. Ein DNA-Test wird durchgeführt und somit steht fest, dass Annika wirklich die verschwundene Tochter ist.
Mit einem Therapeuten wird Annika als erstes immer wieder zum Kuchen essen, zu Ausflügen mit der Familie eingeladen und zieht dann bei ihrer Familie ein.

Maris Mutter ist sichtlich überfordert und sie und ihr Vater tun alles Erdenkliche, damit sich Annika wohl fühlt. Doch Mari kommt es so vor, als würden sie sie vernachlässigen und sie erkennt ihre Schwester Annika einfach nicht mehr.
Annika behauptet zuhause gewesen zu sein, obwohl Clementine, Ole und Mari sie in der Stadt gesehen haben. Es ist sehr offensichtlich, dass Annika etwas verheimlicht. Aber was?

Fazit:

Ich weiß nicht wirklich was ich über dieses Buch denken soll. Ich habe es mir ausgesucht, weil der Klappentext sich so spannend angehört hat. Entführung von Kindern ist ein schwieriges Thema und kann meiner Meinung nach mehr ausgebaut werden. Dass Mari sich ein wenig vernachlässigt vorkommt konnte ich verstehen, doch habe ich mich über sie aufgeregt, da sie definitiv nicht versucht hat, ihre Schwester zu verstehen.

Die Italien-Reise, die im Klappentext für Neugier sorgt, kommt definitiv zu spät im Buch vor.

Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen.

Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge | Matteo Corradini

Ein Roman über die Kinder von Theresienstadt
Erscheinungstermin: 10. April 2017

Taschenbuch | 288 Seiten | cbj

Theresienstadt 1942: Die Nazis haben ein Lager für Juden errichtet, das zeitweise als Vorzeigelager dient. Doch es ist nur eine Station auf dem Weg in die Vernichtungslager. Inmitten dieser Hoffnungslosigkeit gründen Kinder eine Zeitschrift, um gegen das Grauen anzuschreiben. Sie treffen sich heimlich und verfassen Berichte über das Lager. Aber sie zeichnen auch Bilder, führen Interviews oder schreiben Gedichte.

Matteo Corradini bringt dem Leser auf berührende Weise das Schicksal dieser Kinder nahe.

Der Autor

Matteo Corradini, geboren 1975, ist Hebraist und Schriftsteller. Er beschäftigt sich mich Didaktik der Schoah und arbeitet an verschiedenen Kunstprojekten. Er forscht in den Niederlanden und in Theresienstadt, wo er Geschichten und Gegenstände, vor allem Musikinstrumente, wieder zum Leben erweckt. Matteo Corradini ist außerdem der Kurator der neuen italienischen Ausgabe von Anne Franks Tagebuch.

„Hab ich doch schon gesagt. Als der erste Wachmann das Blut gesehen hat, musste er sich übergeben.“

„Der muss neu sein.“ Seite 32

Inhalt:

Am Anfang im Vorwort erklärt der Autor, dass er im Jahre 2002 zum ersten mal in Theresienstadt gewesen ist. Er schreibt davon, dass in den Augen der Nazis Theresienstadt der ideale Ort war, an den sie die tschechischen Juden deportierten.

Die Nazis schafften nach Außen hin eine Idylle in Theresienstadt und wollten damit beweisen, dass den Juden gar nichts Schlimmes passierte.

Das Buch handelt von 8 Knaben, die in Theresienstadt im Heim Nr. 1 (L 471) untergebracht waren und heimlich eine Zeitung Namens Vedem herausbrachten.

Dazu schrieben sie Gedichte, erzählten von den Umständen und Geschehnissen im Lager.

Sie sammelten von den Kindern im Lager Zeichnungen, Gedichte und führten Interviews. Egal welche Neuigkeiten im Lager passierten, die sie manchmal nachts heimlich mitbekamen, kam in ihre Zeitschrift. Einmal in der Woche versammelte sich die Redaktion, so nannten sie sich, und sprach darüber, was in die nächste Ausgabe kommt.

Der Autor lässt immer den selben Jungen als Protagonisten reden und dieser Junge hat immer wieder Alpträume. Der Übergang zu den Alpträumen ist nicht erkennbar und führt beim Leser zur einer kurzen Orientierungslosigkeit. Somit musste ich ein paar mal zurückblättern um den Faden wieder zu erwischen.

Das Ende der Geschichte ist klar. Man muss es wohl nicht erwähnen, dass die Jungs alle zusammen nach Auschwitz gebracht worden sind.

Vedem 

Diese Zeitschrift war ausschließlich die Sache der Jungen. Ihre Lehrer schrieben nur hie und da Beiträge. Jeden Freitagabend setzten sie sich zusammen und jeder, der in dieser Woche etwas geschrieben hatte, stand auf und las seinen Beitrag vor.

Die Zeitschrift wurde jeweils nur in einem Exemplar aufgelegt und wanderte von einem Leser zum anderen. Die erste Nummer ist mit dem 18. Dezember 1942 datiert, die letzte erschien wahrscheinlich am 30. Juli 1944. Insgesamt – mit den Abbildungen – liegen 800 Seiten Text vor, von denen die ersten 190 in Maschinenschrift, die übrigen in Handschrift auf DIN-A-4-Blättern geschrieben sind. Es war jedes Exemplar also ein Original und ein Unikat, und selbstverständlich war es vor den deutschen Bewachern zu verstecken. Die meisten Exemplare der Zeitschrift VEDEM sind in einem guten Zustand erhalten geblieben und werden im Archiv der Gedenkstätte Theresienstadt aufbewahrt. (Quelle: Theresienstadt Lexikon)

Fazit:

Dadurch dass das Buch auf wahren Begebenheiten beruht und ich immer wieder gerne Literatur zu dieser Zeit und deren Schicksalen lese, habe ich mir dieses Buch ausgesucht und es keineswegs bereut. Die Geschichte von damals ist und bleibt eine Geschichte der Zeit, über die sich jeder Gedanken machen sollte und darüber lesen sollte.

Dadurch dass ich vorher noch nie von der Zeitschrift Vedem gehört hatte, war dieses Buch umso spannender und wichtig für mich. Es ist auf jeden Fall lesenswert. Ich kann es nur empfehlen. Das einzige was mir gefehlt hat, waren ein paar Seiten der Zeitschrift im Buch, welche ich mir dann mit einer kleinen Internetrecherche selbst herausgesucht habe.

Zum Schluss noch paar Stellen aus dem Buch, die mich bewegt haben:

In den meisten Fällen hat ein Krimineller das Recht, weiterzuleben. Ein Jude nicht. das ist der Unterschied. Seite 26

Ich war der Meinung, dass man für den Widerstand zumindest ein Gewehr braucht, aber wir schreiben seit zwanzig Wochen unsere Vedem und sind immer noch am Leben, außer Jiri natürlich, aber daran war nicht die Zeitung schuld, man hat ihn umgebracht, einfach so, wir alle waren dabei. Seite 63

Wir können die Wunden nicht heilen, aber wir können von ihnen berichten. Unsere Bleistifte sind wie Skalpelle und wie Nadeln, um die Wunden zu nähen. Seite 71

Danke an cbj für das Rezensionsexemplar.

 

 

 

 

 

Spinner | Benedict Wells

Vom Autor überarbeitete Fassung

»Ich habe keine Angst vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart.«
Jesper Lier, 20, weiß nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch Berlin. Ein tragikomischer Roman über Freundschaft, das Ringen um seine Träume und über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Taschenbuch
320 Seiten
erschienen am 24. August 2016

978-3-257-24384-0
€ (D) 12.00 / sFr 16.00* / € (A) 12.40

Alle hatten Angst vor Lücken in ihrem Lebenslauf. Aber niemand schien Angst davor zu haben, seine Träume zu verraten.

 

Jesper Lier ist 20 Jahre alt und ist vor genau einem Jahr von München nach Berlin gezogen. Zu seinem kaum vorhandenen Freundeskreis gehört der schwule Gustav, der an einer Filmhochschule studieren möchte und sein Jugendfreund Frank, den er mit Hilfe von Gustav von seiner schrägen Familie entführt hat.

Jesper absolviert ein Praktikum beim Berliner Merkur und ist offensichtlich mit nichts zufrieden. Gut gelaunte Menschen regen ihn auf. Er hasst alles, was es überhaupt gibt.

Nebenbei versucht er sein Buch „Der Leidensgenosse“, welches über 1000 Seiten hat an einen Verlag abzugeben, der das Buch auch noch druckt.  Dieser Traum scheint hoffnungslos, da er das Buch im besoffenen Zustand und unter Drogen nachts zusammenschreibt.

Der Tod seines Vaters hat ihn sichtlich mitgenommen. Er erwähnt immer wieder, dass sein Vater ihn in Stich gelassen hat. Das Buch „Spinner“ beginnt am Bahnhof in Berlin. Jesper hat seine Koffer gepackt um nach München zu fahren, da er seiner Mutter helfen möchte, die Wohnung zu räumen. Sie kann sie sich nach dem Tod seines Vaters nicht mehr leisten.

Er schafft es nicht in diesen Zug einzusteigen und fährt wieder in seine Wohnung in Berlin, welches immer noch das Namensschild des Vormieters an der Klingel hat. Sogar das hat er nicht geändert.

Seine Nummer hat kaum jemand. Die Mutter ruft er von einer Telefonzelle an und kann dann behaupten, dass das Geld ausgegangen ist und dass er auflegen muss.

Wir begleiten Jesper durch eine komplette Woche in Berlin. Er ist depressiv. Hat immer wieder mal Abstürze. Isst kaum etwas und lügt sich selbst und alle in seiner Umgebung an. Somit erfindet er gegenüber seiner Mutter sogar eine fiktive Freundin Sandra, die er auf jeden Fall mal mit nach München bringen wird.

Immer wieder tauchen seine Charaktere aus seinem Buch auf und bescheren ihm unglückliche Vorfälle. Er lebt zwischen Fiktion und Realem. An manchen Stellen im Buch ist der Übergang zu seinen Halluzinationen so gut dargestellt, dass man als Leser kurz überlegen muss, ob das nun zu Jespers Leben gehört, oder ob die Personen aus „Der Leidensgenosse“ wieder mal auferstanden sind.

Gegen Ende des Buches hat Jesper einen Zusammenbruch, welches dazu führt, dass er in ein Krankenhaus kommt. Dieser Zusammenbruch führt dazu, dass er sich über seine Lebensweise Gedanken macht. Genauso wird er sich darüber klar, dass er in dem letzten Jahr in Berlin nichts erreicht hat.

Wenn ich schlecht drauf war, tauchten auf einmal von irgendwoher so scheißfröhliche Menschen auf.

 

Fazit:

Ein sehr interessantes Buch über die Angst vor dem Erwachsen werden. Jeder der sein Abitur gemacht hat, steht vor der gleichen Situation wie Jesper. Was studieren? Oder überhaupt studieren?

Soll ich mich in eine von der Gesellschaft vorgekaute Kategorie hinein quetschen lassen, oder doch meinem Traum hinterherlaufen und am Ende eventuell eine Niederlage erleiden?

Danke Diogenes für das schöne Buch.

  • so many books, so little time.

Mein Wildgarten | Meir Shalev

Hardcover Leinen
352 Seiten
erschienen am 22. März 2017

978-3-257-06990-7
€ (D) 24.00

Klappentext

Um sein Haus im Norden Israels hat Meir Shalev einen Garten angelegt – mit lauter wilden Blumen, Sträuchern und Bäumen, die er liebevoll hegt und pflegt. Jede Pflanze, die heranwächst, jedes Tier, das ihm im Garten begegnet, löst Gedanken, Erinnerungen, Geschichten über Natur und Kulinarik, Geschichte und Gegenwart, Mensch und Kreatur, Liebe und Literatur aus. Ein Selbstporträt des Künstlers als Gärtner, voller Lebensweisheit und Humor.

Meir Shalev schreibt in seinem Buch „Mein Wildgarten“ von seinem Garten, den er seit Jahren hegt und pflegt. Dieses Buch ist in keinem Sinne ein Sachbuch über das Gärtnern, sondern eher ein Buch, in dem Notizen, Geschichten, Rezepte vorzufinden sind.
Meir Shalev benutzt eine humorvolle Sprache. Er erklärt hebräische Wörter und gibt bestimmte Stellen in der Bibel an und macht somit klar, warum zum Beispiel die Meerzwiebel wichtig ist und warum er sie deshalb sehr gerne in seinem Garten hat.
In einem Kapitel beschreibt er sogar die Werkzeuge, die er nutzt.

In der Geschichte Die Blindmaus kommt sein Humor wieder zum Vorschein. Er beschreibt, dass es drei Methoden gibt, um die Blindmaus in einem Garten zu bekämpfen und erklärt, warum er der Meinung ist, dass die dritte Methode von Juden nicht angewendet werden sollte.

[…] Man steckt den Schlauch eines Luftkissen-Wagenhebers auf den Auspuff des Autos, führt das andere Ende in den Blindmausbau ein und startet den Motor. >>Klingt schrecklich<<, sagte ich zu dem Freund der mir die Methode empfahl. >>Keine Sorge, sie sterben nicht daran<<, erwiderte er. […] Er versicherte mir, in seinem Garten habe das hervorragend geklappt. Zugegeben – es klang überzeugend, sogar verlockend, trotzdem entschied ich, dass es Dinge gibt, die Juden nicht tun sollten.

Dieses Buch ist kein Roman, den man an einem Stück lesen sollte. Deshalb habe ich jeden Abend bevor ich zu Bett gegangen bin ein paar Geschichten aus diesem schönen Buch gelesen.

Das Buch ist mit schönen Zeichnungen von Shalevs Schwester ausgestattet.

Danke an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

  • so many books, so little time.

Elefant – Ein Miniatur-Wesen schleicht sich in unsere Herzen

Hardcover Leinen
352 Seiten
erschienen am 18. Januar 2017

978-3-257-06970-9
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70

Klappentext:
Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdach­losen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte daraus eine weltweite Sensation machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, ist der Meinung, etwas so Besonderes müsse versteckt und beschützt werden.

Inhalt:
Die Geschichte startet im Jahre 2013 und endet am 18. Dezember 2018.
Der Genforscher Roux möchte einen rosaroten Elefant, der Nachts leuchtet zeugen. Dafür landet sein Weg in Zirkus Pellegrini, in dem er die Elefantenkuh Asha als Leihmutter aussucht.
Asha wird mit dem Embryo befruchtet.
Der burmesische Elefantenflüsterer Kaung begleitet Asha durch ihre Schwangerschaft. Dr. Reber der in einem bestimmten Ryhtmus Ultraschallaufnahmen von Asha macht, bemerkt, dass das Baby-Elefant im Bauch nicht wächst. Er ist der Meinung, dass es nicht überleben wird, auch wenn es geboren wird.
Roux ist es egal. Denn er ist davon entzückt, dass das Elefanten-Baby klein bleibt. Denn nun kann er, neben der Sensation, den er mit einem rosaroten Elefanten erwartet, das Miniatur-Wesen auch noch als Spielzeug verkaufen.

Kaung der absolut davon überzeugt ist, dass der rosarote Elefant heilig ist, überredet Dr. Reber dazu, ihn vom Zirkus wegzubringen und Roux zu entwenden.
Dr. Reber passt als erstes auf den Elefanten bei sich auf. Kaung lässt heimlich Milch für den kleinen Elefanten, der gerade mal 40 cm hoch, und 30 cm breit ist, bringen.
Währenddessen gibt Roux keine Ruhe. Er möchte das Experiment erneut starten und sucht erneut Asha dafür aus.
Irgendwann wird der Zirkusdirektor Pellegrini von einem seiner Mitarbeiter darauf aufmerksam gemacht, dass Kaung heimlich Milch an einen anderen Mann übergibt. Somit fallen Dr. Reber und Kaung auf und dann beginnt eine wahnsinnige Verfolgungsjagd nach dem Elefanten.
Dr. Reber bringt den Elefanten in die städtische Obdachlosenszene und setzt ihn dort in einer Höhle ab.
Dr. Reber ertrinkt nach dieser Verfolgungsjagd, jedoch ist Sabu (so wird der Elefant später heißen) von Roux nicht mehr auffindbar. Somit, gerettet.

Schoch findet einen rosaroten Elefanten in seiner Höhle …

Fritz Schoch ist ein Investmentbanker, der nach seiner Trennung von seiner Frau schon seit zehn Jahren auf der Straße lebt und Alkoholiker ist. Somit ist es überhaupt nicht wunderlich, dass er denkt, dass er mal wieder zuviel getrunken hat, als er auf einmal einen rosaroten Elefanten in seiner Höhle entdeckt.
Nach ein paar Stunden wird Schoch klar, dass er nicht halluziniert. Er denkt, dass irgendetwas mit dem Elefanten nicht stimmt und bringt ihn in die „Gassenklinik“, in der Dr. Valerie Sommer ehrenamtlich sich um die Tiere der Obdachlosen kümmert.

Sabu im Villenviertel von Zürich …

Valeries Eltern waren wohlhabend und besitzen eine Villa im Zürichberg. Sie bringt Schoch und Sabu zu dieser Villa. Sie selbst lebt seit 22 Jahren nicht mehr dort und kann noch nicht mal eine Nacht dort übernachten.
Sie kündigt ihren Job im Hospital und geht nur noch zu der Gassenklinik, damit sie jeden Tag Schoch und dem Elefanten Nahrung bringen kann. Viele Tage halten sie sich dort versteckt. Schoch begeht den Fehler nach seinem Verschwinden, an einem Tag der Sehnsucht zu den Obdachlosen zu gehen. Dort wird er von Bolle gesehen. Dass Schoch mit einem rosaroten Elefantenspielzeug gesehen wurde, spricht sich sehr schnell rum und somit geht die Verfolgung weiter. Mit Kaungs Hilfe, der mittlerweile Valerie in der Gassenklinik als Hundeflüsterer hilft, arbeitet, werden sie den Elefanten nach Myanmar bringen. In dieser Stadt wird Sabu Barisha gehuldigt.

Meine Meinung
Ich fand das Buch sehr spannend. Von Anfang an war klar, wer der Böse und der Gute in dieser Geschichte ist. Dass das Buch, welches aus drei Teilen besteht, zwischen den verschiedenen Szenen und Orten hin und her springt, verleiht dem ganzen eine spannende Entwicklung, welches dazu führte, dass ich das Buch nicht aus der Hand lassen wollte. Am Ende des zweiten Teiles, stirbt Doktor Reber, was mich schon ein wenig traurig gemacht hat.
Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich vorher noch nie ein Buch von Suter gelesen habe. Es hat sich nicht ergeben. Somit steht fest, dass das nicht mein letztes Suter-Buch wird.

Ich bedanke mich an dieser Stelle beim Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

– so many books, so little time.

Freud ist an allem schuld

 

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Italienischen von Franziska Kristen
Originaltitel: Tutta colpa di Freud
Originalverlag: Mondadori

Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71470-4
€ 9,99 [D] |
Verlag: btb
Erschienen: 13.03.2017

Der Autor Paolo Genovese wurde 1966 in Rom geboren und ist Drehbuchautor und Regisseur. Er hat Wirtschaft studiert und war jahrelang in der Werbebranche tätig.
Freud ist an allem schuld ist sein erster Roman, welchen er mit prominenter Besatzung für das italienische Kino verfilmt hat.

Klappentext:
»Die am weitesten verbreitete Krankheit der Welt ist die Liebe.« 
Sagt ein mann, der es wissen muss: Francesco, alleinerziehender Vater von drei Töchtern, ist Paartherapeut. Gefühlschaos ist also an der Tagesordnung. Sorgen bereittet ihm vor allem Tochter Emma – noch Schülerin, aber liiert mit einem 50-jährigen verheirateten Architekten. Francescos verzweifelter Plan: Die Ehe des Architekten wieder kitten. Doch leider durchkreuzt genau das seine eigenen Liebespläne …

Meine Meinung
Das Buch beginnt mit Saras Geschichte, die homosexuell ist und ihrer Freundin Jodie einen Heiratsantrag macht und daraufhin von Jodie verlassen wird, die für eine Heirat nicht bereit ist.
Sara verlässt somit New York und kehrt zu ihrer Familie nach Italien zurück um diese Phase mit ihrer Hilfe und Liebe zu überstehen. Sie entscheidet sich heterosexuell zu werden und trifft Freunde von ihrer Schwester Marta, die sich alle für Flops erweisen.

Marta ist Saras Schwester und hat einen Bücherladen, den sie gerade so einmal über die Runden hält. Sie verkauft nicht viele Bücher, denn sie ist sehr wählerisch was sie verkauft und wenn die Kunden mal daraufhin deuten, dass sie aktuelle Bücher verkaufen sollte, sagt sie zu ihnen „Wer ein kommerzielles Buch haben will, soll in den Supermarkt gehen, ich verkaufe an wahre Leser.“ (Seite 9) Mit diesen Worten hat Marta sich in mein Herz geschlichen.
Immer wieder werden Bücher aus Martas Laden geklaut. Sie entdeckt den Dieb, der ihr die geklauten Bücher zurück gibt. Ausgerechnet der Kunde, den Marta gerne kennenlernen möchte und dann bemerkt sie auch noch, dass er taubstumm ist.

Emma ist die jüngste im Bunde. Sie ist gerade mal 18 und muss eigentlich sich auf ihre Abschlussprüfungen konzentrieren. Emma ist mit einem 50-Jährigen Architekten namens Alessandro zusammen, der bei IKEA arbeitet und auch noch verheiratet ist. Wie jeder Mann in seinen fünfzigern, der sich eine junge Frau zur Freundin nimmt, ist Alessandro der Meinung, das seine Ehe zur seiner Frau Claudia schon vor Jahren beendet ist, sie aber getrennt in einem Haus leben.

Und mit diesen drei jungen Frauen schlägt sich ihr Vater Francesco rum. Francesco ist Paartherapeut und für einen italienischen Vater sehr offen, was die Beziehungen seiner Töchter angeht. Er hat sie allein aufgezogen und ist der Typ Vater der zugleich ein Freund für die drei Frauen ist.
Als er jedoch von Emma erfährt, dass sie mit einem 50-Jährigen Mann zusammen ist, möchte er da eingreifen und überredet Alessandro zu einer Therapie, von der Emma nichts wissen soll.
Sein Plan ist es, die Ehe von Alessandro wieder  zu kitten, doch dann begegnet er per Zufall Alessandro mit seiner Frau in einem Supermarkt, zu der er immer geht, um die schöne Frau mit dem Hund zu sehen. Ja genau, diese hübsche Frau, der Francesco schon Monate nachgeht ist Alessandros Frau.

Das Buch ist in kurzen Kapiteln geschrieben. Jedes Kapitel bezieht sich auf einen dieser Charaktere und als Überschrift steht jeweils der Name.
Das Buch hat mich sehr amüsiert. Es ist eine lustige Geschichte aus dem warmen Italien. Ein Buch für zwischendurch.

Ich bedanke mich bei btb Verlag für das Rezensionsexemplar.

-so many books, so little time.

Charlotte – Als würde mein ein Gedicht lesen

 

Der Autor

David Foenkinos, geboren am 28. Oktober 1974 ist ein französischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur.
Sein Buch Charlotte, erschienen 2014 in Frankfreich wurde mit Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet.
Seine Bücher werden in rund 40 Sprachen übersetzt und Charlotte verkaufte sich schon allein nur in Frankfreich rung eine halbe Million Mal.

Zur Charlotte Salomon 
Charlotte Salomon war eine jüdische Malerin, die in Auschwitz mit 26 Jahren umgebracht wurde.
Ihre Lebenswerk Leben? Oder Theater entstand binnen 18 Monaten. In diesen 18 Monaten zeichnete sie über 1000 Gouachen, von denen sie 769 Bilder aussuchte und an einen Freund gab, der es für sie aufbewahren sollte. Nach ihrem Tod und dem Krieg überreichte man ihr Werk ihren Eltern. Sie hatte ihr komplettes Leben wie ein Theaterstück aufgezeichnet. Ausgestellt wird dieses Werk im Joods Historisch Museum in Amsterdam.

Klappentext
Berlin in den 1930ern: Bei der großbürgerlichen Familie Salomon verkehren gefeierte Sänger, Literaten und berühmte Wissenschaftler. Bis die Nazis dem illustren Treiben ein Ende bereiten, und damit auch dem Traum der begabten Tochter Charlotte, als Künstlerin Karriere zu machen.
Verzweifelt flieht die junge Frau zu den Großeltern nach Südfrankreich, um zu leben und zu lieben – und wie im Rausch Hunderte von Bildern zu malen, die ihre eigene bewegte Geschichte erzählen.

Das Buch
David Foenkinos führt uns mit kurzen Sätzen, die auf dem ersten Blick einem Gedicht ähneln durch das Leben Charlottes.
Die Heirat ihrer Eltern, ihre Geburt. Wie sich die Mutter Franziska das Leben nimmt. Mit wirklich ziemlich knappen Sätzen, die einen doch erschüttern.
Charlottes Vater heiratet ein zweites mal die Opernsängerin Paula Lindberg. Paula Lindberg spielt eine große Rolle in Charlottes Leben. Sie mag sie sehr.
Der nächste wichtige Mensch für Charlotte ist Alfred Wolfsohn, der Gesangspädagoge von Paula Lindberg. Nachdem er mehrmals im Hause Salomons ist, verliebt sich Charlotte in ihn und sie treffen sich heimlich.
Als der Krieg unerträglich wird, zwingen die Eltern Charlotte wegzugehen. Somit emigriert sie zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Villefranche. Albert verabschiedet sie am Bahnsteig mit den Worten 

Mögest du nie vergessen, dass ich an dich glaube 

, an denen sie ihr ganzes Leben lang fest hält.
Nach der Emigration nach Frankreich erlebt Charlotte noch den Tod ihrer Großmutter. Sie wirft sich vor ihren Augen aus dem Fenster. Dort erfährt sie auch zum ersten Mal, dass ihre eigene Mutter nicht an einer Krankheit gestorben ist. Genauso wenig ihre Tante Charlotte, nach der sie benannt ist.
Charlotte Salomon macht nach dem Tod ihrer Großmutter viel mit ihrem Großvater durch. Es geht soweit, dass der Großvater bei einer Übernachtung in einer Pension möchte, dass sie sich zu ihm legt. In Tagen von Krieg wäre das ja nicht schlimm.
Charlotte geht weg und schließt sich für 18 Monate in einer Pension ein und zeichnet in dieser Phase wie eine Wahnsinnige über 1000 Gouachen und somit ensteht Leben? Oder Theater?
Nachdem sie die ausgesuchten Gouachen ihrem Arzt Dr. Moridis gibt, kehrt sie zurück, um auf ihren Großvater aufzupassen. Nach dem Tod des Großvaters heiratet sie Alexander Nagler. Als sie im fünften Monat schwanger ist, werden sie und ihr Mann verraten. Charlotte Salomon wird nach Auschwitz gebracht und nach 10 Tagen ihrer Ankunft dort vergast.

Meine Gedanken
Ich finde dass das Buch gut gelungen ist. Sonst hätte es auch nicht zwei Auszeichnungen bekommen. Sehr interessant fand ich die Stellen, an dem der Autor seien Recherchen erzählt. Mitten im Leben von Charlotte können wir dann solche Sätze lesen wie:

In Villefranche-sur-Mer erinnert man sich lebhaft an sie. 1968 wurde ihr großartiges Landhaus abgerissen. Um einer Luxusvilla Platz zu machen. Im Garten wurde ein riesiger Swimmingpool gebaut. […] Wie komme ich da hinein? Gar nicht. Das einst so gastliche Haus ist heute abgeriegelt.

Wie schon am Anfang bemerkt liest man dieses Buch runter, wie als würde man ein Gedicht lesen. Der Autor zeigt mir, dass kurze knappe Sätze sehr wichtig sein können und dass es nicht immer langen Erklärungen braucht.

An dieser Stelle möchte ich mich beim Penguin Verlag bedanken, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

– so many books, so little time.

Charlotte Salomon „Es ist mein ganzes Leben“

Margret Greiner 
Charlotte Salomon. „Es ist mein ganzes Leben“
Biografie 
328 Seiten 
Mit zahlreichen Farbabbildungen aus Salomons Werk 
19,99 € 
KNAUS VERLAG, München 

Margret Greiner studierte Germanistik und Geschichte in Freiburg i.Br. und München. Viele Jahre arbeitete sie als Lehrerin und Journalistin. Sie hat sich immer wieder mit außergewöhnlichen Frauenleben beschäftigt, zuletzt erschienen die erzählten Biografien „Auf Freiheit zugeschnitten. Emilie Flöge: Modeschöpferin und Gefährtin Gustav Klimts“ und „Charlotte Berend-Corinth und Lovis Corinth: Ich will mir selbst gehören.“ Margret Greiner lebt in München.

Zum 100. Geburtstag von Charlotte Salomon – eine Biografie entlang ihres wichtigsten Werks

Wer ist die junge Frau, die sich ihr Leben durch das Malen mit so beeindruckender Kraft angeeignet und auf diese Weise dem Tod getrotzt hat?
Die Malerin Charlotte Salomon – als 26-Jährige in Auschwitz ermordet – hinterließ über tausend autobiografische Bilder.
Margret Greiner hat die historischen Tatsachen recherchiert und erzählt atmosphärisch und mit großer Nähe zu Salomons Werk vom kurzen tragischen Leben der Künstlerin.
Das Buch
 

Das Buch beginnt mit einem Prolog, in der Albert Salomon (Charlottes Vater) und Paula Lindberg (Charlottes Stiefmutter und Opernsängerin) nach Villefranche reisen um Charlottes Freundin Ottilie zu besuchen. Als sie das Haus Ottilies betreten, sehen sie einige Gemälde an der Wand, von denen klar ist, dass sie aus den Händen Charlottes entstanden sind.
Paula Lindberg traut sich danach zu fragen, ob sie die Bilder bekämen und wird von Ottilie mit den Worten

„Das schminken Sie sich mal ab … Die Bilder sind mein Eigentum, kein einziges davon gebe ich her“

, sehr hart angegangen.

Daraufhin holt sie aus dem Keller drei Kartons und überreicht es den Eltern. Und genau an dieser Stelle beginnt unsere Reise mit Charlotte. Denn was Ottilie zu diesem Zeitpunkt nicht wusste war, dass sich in diesen Kartons das Werk Leben? Oder Theater? befand, welches Charlotte in 18 Monaten gezeichnet hatte. Sie zeichnete 1385 Gouachen und davon bündelte sie 769 Blätter und gab diese zur Aufbewahrung an Dr. Moridis mit den Worten

„Es ist mein ganzes Leben.“


Nachdem Prolog führ Margret Greiner uns durch die einzelnen Stationen im Leben Charlottes.
Charlotte wurde am 16.04.1917 in Berlin geboren. Als sie 8 Jahre alt war begann ihre Mutter Franziska Salomon Selbstmord. Dass ihre Mutter sich umgebracht hat, blieb ihr jahrelang verborgen. Nach Franziskas Tod  war das Haus Salomons durch Dienstmädchen geprägt.

Im Kapitel Fenster zum Leben erklärt Greiner mit bildreichen Worten, wie Charlotte ihre Mutter zeichnet, die am Fenster steht und sich danach hinunterwerfen wird.

1930 heiratet Albert Salomon die Sängerin Paula Lindberg. Charlotte ist von Anfang an von Paula angetan. In ihren Zeichnung über diese Ehe und über Paulas Opern-Karriere gibt sie ihr den Namen Paulinka Bimbam.

Nachdem im Jahre 1933 Adolf Hitler als Reichskanzler ernannt wird, verlässt Charlotte ein Jahr vor ihrem Abitur freiwillig das Gymnasium um antisemitistischer Diskriminierungen aus dem Weg zu gehen.

1936 wird Charlotte an der Kunsthochschule in Berlin immatrikuliert und verlässt die Kunsthochschule ein Jahr später, da ihr ein Preis aberkannt wird, weil sie Jüdin ist. Dass auch noch ausgerechnet ihre damalige Freundin Barbara an ihrer Stelle den Preis bekommt, verkraftet Charlotte nicht und ist auch sehr traurig darüber, dass Barbara aus Angst ihren Mund nicht aufmacht.

Währenddessen kommt Alfred Wolfsohn als Gesangspädagoge ins Haus Salomon. Er gibt Paula Gesangsstunden. Dieser Mann ist in Charlottes Leben sehr wichtig. Sie verliebt sich in ihn. Hunderte von ihren Zeichnungen zeigen Alfred Wolfsohn.

Im Januar 1939 emigriert Charlotte Salomon zu ihren Großeltern nach Villefranche.
Ein Jahr später nimmt sich die Großmutter Marianne Grunwald vor Charlottes Augen ihr leben. Ab diesem Moment spürt Charlotte, dass der Selbstmord in ihren Genen liegt und betet zu Gott um nicht den Verstand zu verlieren.

Ab dem Jahre 1940 zieht sich Charlotte in eine Pension zurück und fängt dort mit ihrem Werk Leben? oder Theater? an. Sie zeichnet 18 Monate lang wie eine Irre ihr ganzes Leben. Wie am Anfang schon gesagt bündelt sie von diesen Zeichnungen 769 Blätter und überreicht sie Dr. Moridis, der immer Charlotte zum Malen verleitet hat.

„Ich habe Ihnen viel zu verdanken, Dr. Moridis. Nein, ich möchte nicht stören, nur etwas abgeben.“

Damit reichte sie dem Arzt die Pakete.

„Heben Sie das gut auf, Dr. Moridis, es ist mein ganzes Leben.“ (Seite 282)


Er hielt viel von ihrer Kunst.

1943 heiratet Charlotte Alexander Nagler, nachdem sie bemerkt, dass sie schwanger ist. Obwohl Charlotte mit dem Gedanken spielt, das Kind abzutreiben, kann sie sich nicht dazu überwinden.

„Das Risiko ist viel zu hoch. Und wenn ich erwischt würde, erwarten mich zwanzig Jahre Zwangsarbeit. Abtreibung ist fast noch schlimmer, als Jude zu sein.“ (Seite 289)


Kurz nach ihrer Hochzeit werden Alexander Nagler und Charlotte verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Nach zehn Tagen wird Charlotte, schwanger im 5. Monat, umgebracht. Alexander Nagler stirbt an den Folgen der Zwangsarbeit.
Jemand musste sie verraten haben.

Jemand musste sich die tausend Francs, die für eine Denunziation gezahlt wurden, oder andere Vorteile davon versprochen haben, Charlotte und Alexander Nagler an die Scherben Alois Brunners auszuliefern. (Seite 304)


Meine Gedanken:
Ich muss sagen, dass ich das Buch sehr spannend fand. Mich interessieren die Schicksale damaliger Zeit und Margret Greiner benutzt eine sehr verständliche Sprache. Sie schreibt das Buch wie einen Roman und man empfindet es so, wie als würde man sich einen Film über Charlottes Leben ansehen. An vielen Stellen wird dann mit kursiver Schrift darauf aufmerksam gemacht, um welches Bild es sich nun handelt und in Klammern steht die Zahl des Bildes, da Charlotte ihr komplettes Werk durchnummeriert hat.
Es sind insgesamt 24 Zeichnungen von Charlotte im Buch vorhanden. Das einzige was mich an diesem Buch gestört hat war, dass die Zeichnungen alle am Anfang zusammen sind. So musste ich immer wieder an der passenden Stelle an den Anfang blättern um mir die Zeichnung zu dem so eben beschriebenen Lebensabschnitt anzusehen.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich dieses Buch, welches zum 100. Geburtstag von Charlotte Salomon erschienen ist,, für sehr gut empfand. So gut, dass ich mich im Internet darüber informiert habe, wann denn eine Ausstellung der Zeichnungen in Deutschland stattfindet.

Die Zeichnungen von Charlotte Salomon befinden sich im Joods Historisch Museum in Amsterdam.
Außerdem gibt es eine Webseite http://www.charlotte-salomon.nl/collection/specials/charlotte-salomon/leben-oder-theater auf der man sich die Zeichnungen angucken kann.
Die Nummerierung der Zeichnungen im Buch entsprechen dieser auf der Webseite.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Knaus Verlag für dieses Rezensionsexemplar bedanken.

– so many books, so little time