Freud ist an allem schuld

 

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Italienischen von Franziska Kristen
Originaltitel: Tutta colpa di Freud
Originalverlag: Mondadori

Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71470-4
€ 9,99 [D] |
Verlag: btb
Erschienen: 13.03.2017

Der Autor Paolo Genovese wurde 1966 in Rom geboren und ist Drehbuchautor und Regisseur. Er hat Wirtschaft studiert und war jahrelang in der Werbebranche tätig.
Freud ist an allem schuld ist sein erster Roman, welchen er mit prominenter Besatzung für das italienische Kino verfilmt hat.

Klappentext:
»Die am weitesten verbreitete Krankheit der Welt ist die Liebe.« 
Sagt ein mann, der es wissen muss: Francesco, alleinerziehender Vater von drei Töchtern, ist Paartherapeut. Gefühlschaos ist also an der Tagesordnung. Sorgen bereittet ihm vor allem Tochter Emma – noch Schülerin, aber liiert mit einem 50-jährigen verheirateten Architekten. Francescos verzweifelter Plan: Die Ehe des Architekten wieder kitten. Doch leider durchkreuzt genau das seine eigenen Liebespläne …

Meine Meinung
Das Buch beginnt mit Saras Geschichte, die homosexuell ist und ihrer Freundin Jodie einen Heiratsantrag macht und daraufhin von Jodie verlassen wird, die für eine Heirat nicht bereit ist.
Sara verlässt somit New York und kehrt zu ihrer Familie nach Italien zurück um diese Phase mit ihrer Hilfe und Liebe zu überstehen. Sie entscheidet sich heterosexuell zu werden und trifft Freunde von ihrer Schwester Marta, die sich alle für Flops erweisen.

Marta ist Saras Schwester und hat einen Bücherladen, den sie gerade so einmal über die Runden hält. Sie verkauft nicht viele Bücher, denn sie ist sehr wählerisch was sie verkauft und wenn die Kunden mal daraufhin deuten, dass sie aktuelle Bücher verkaufen sollte, sagt sie zu ihnen „Wer ein kommerzielles Buch haben will, soll in den Supermarkt gehen, ich verkaufe an wahre Leser.“ (Seite 9) Mit diesen Worten hat Marta sich in mein Herz geschlichen.
Immer wieder werden Bücher aus Martas Laden geklaut. Sie entdeckt den Dieb, der ihr die geklauten Bücher zurück gibt. Ausgerechnet der Kunde, den Marta gerne kennenlernen möchte und dann bemerkt sie auch noch, dass er taubstumm ist.

Emma ist die jüngste im Bunde. Sie ist gerade mal 18 und muss eigentlich sich auf ihre Abschlussprüfungen konzentrieren. Emma ist mit einem 50-Jährigen Architekten namens Alessandro zusammen, der bei IKEA arbeitet und auch noch verheiratet ist. Wie jeder Mann in seinen fünfzigern, der sich eine junge Frau zur Freundin nimmt, ist Alessandro der Meinung, das seine Ehe zur seiner Frau Claudia schon vor Jahren beendet ist, sie aber getrennt in einem Haus leben.

Und mit diesen drei jungen Frauen schlägt sich ihr Vater Francesco rum. Francesco ist Paartherapeut und für einen italienischen Vater sehr offen, was die Beziehungen seiner Töchter angeht. Er hat sie allein aufgezogen und ist der Typ Vater der zugleich ein Freund für die drei Frauen ist.
Als er jedoch von Emma erfährt, dass sie mit einem 50-Jährigen Mann zusammen ist, möchte er da eingreifen und überredet Alessandro zu einer Therapie, von der Emma nichts wissen soll.
Sein Plan ist es, die Ehe von Alessandro wieder  zu kitten, doch dann begegnet er per Zufall Alessandro mit seiner Frau in einem Supermarkt, zu der er immer geht, um die schöne Frau mit dem Hund zu sehen. Ja genau, diese hübsche Frau, der Francesco schon Monate nachgeht ist Alessandros Frau.

Das Buch ist in kurzen Kapiteln geschrieben. Jedes Kapitel bezieht sich auf einen dieser Charaktere und als Überschrift steht jeweils der Name.
Das Buch hat mich sehr amüsiert. Es ist eine lustige Geschichte aus dem warmen Italien. Ein Buch für zwischendurch.

Ich bedanke mich bei btb Verlag für das Rezensionsexemplar.

-so many books, so little time.

Charlotte – Als würde mein ein Gedicht lesen

 

Der Autor

David Foenkinos, geboren am 28. Oktober 1974 ist ein französischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur.
Sein Buch Charlotte, erschienen 2014 in Frankfreich wurde mit Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet.
Seine Bücher werden in rund 40 Sprachen übersetzt und Charlotte verkaufte sich schon allein nur in Frankfreich rung eine halbe Million Mal.

Zur Charlotte Salomon 
Charlotte Salomon war eine jüdische Malerin, die in Auschwitz mit 26 Jahren umgebracht wurde.
Ihre Lebenswerk Leben? Oder Theater entstand binnen 18 Monaten. In diesen 18 Monaten zeichnete sie über 1000 Gouachen, von denen sie 769 Bilder aussuchte und an einen Freund gab, der es für sie aufbewahren sollte. Nach ihrem Tod und dem Krieg überreichte man ihr Werk ihren Eltern. Sie hatte ihr komplettes Leben wie ein Theaterstück aufgezeichnet. Ausgestellt wird dieses Werk im Joods Historisch Museum in Amsterdam.

Klappentext
Berlin in den 1930ern: Bei der großbürgerlichen Familie Salomon verkehren gefeierte Sänger, Literaten und berühmte Wissenschaftler. Bis die Nazis dem illustren Treiben ein Ende bereiten, und damit auch dem Traum der begabten Tochter Charlotte, als Künstlerin Karriere zu machen.
Verzweifelt flieht die junge Frau zu den Großeltern nach Südfrankreich, um zu leben und zu lieben – und wie im Rausch Hunderte von Bildern zu malen, die ihre eigene bewegte Geschichte erzählen.

Das Buch
David Foenkinos führt uns mit kurzen Sätzen, die auf dem ersten Blick einem Gedicht ähneln durch das Leben Charlottes.
Die Heirat ihrer Eltern, ihre Geburt. Wie sich die Mutter Franziska das Leben nimmt. Mit wirklich ziemlich knappen Sätzen, die einen doch erschüttern.
Charlottes Vater heiratet ein zweites mal die Opernsängerin Paula Lindberg. Paula Lindberg spielt eine große Rolle in Charlottes Leben. Sie mag sie sehr.
Der nächste wichtige Mensch für Charlotte ist Alfred Wolfsohn, der Gesangspädagoge von Paula Lindberg. Nachdem er mehrmals im Hause Salomons ist, verliebt sich Charlotte in ihn und sie treffen sich heimlich.
Als der Krieg unerträglich wird, zwingen die Eltern Charlotte wegzugehen. Somit emigriert sie zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Villefranche. Albert verabschiedet sie am Bahnsteig mit den Worten 

Mögest du nie vergessen, dass ich an dich glaube 

, an denen sie ihr ganzes Leben lang fest hält.
Nach der Emigration nach Frankreich erlebt Charlotte noch den Tod ihrer Großmutter. Sie wirft sich vor ihren Augen aus dem Fenster. Dort erfährt sie auch zum ersten Mal, dass ihre eigene Mutter nicht an einer Krankheit gestorben ist. Genauso wenig ihre Tante Charlotte, nach der sie benannt ist.
Charlotte Salomon macht nach dem Tod ihrer Großmutter viel mit ihrem Großvater durch. Es geht soweit, dass der Großvater bei einer Übernachtung in einer Pension möchte, dass sie sich zu ihm legt. In Tagen von Krieg wäre das ja nicht schlimm.
Charlotte geht weg und schließt sich für 18 Monate in einer Pension ein und zeichnet in dieser Phase wie eine Wahnsinnige über 1000 Gouachen und somit ensteht Leben? Oder Theater?
Nachdem sie die ausgesuchten Gouachen ihrem Arzt Dr. Moridis gibt, kehrt sie zurück, um auf ihren Großvater aufzupassen. Nach dem Tod des Großvaters heiratet sie Alexander Nagler. Als sie im fünften Monat schwanger ist, werden sie und ihr Mann verraten. Charlotte Salomon wird nach Auschwitz gebracht und nach 10 Tagen ihrer Ankunft dort vergast.

Meine Gedanken
Ich finde dass das Buch gut gelungen ist. Sonst hätte es auch nicht zwei Auszeichnungen bekommen. Sehr interessant fand ich die Stellen, an dem der Autor seien Recherchen erzählt. Mitten im Leben von Charlotte können wir dann solche Sätze lesen wie:

In Villefranche-sur-Mer erinnert man sich lebhaft an sie. 1968 wurde ihr großartiges Landhaus abgerissen. Um einer Luxusvilla Platz zu machen. Im Garten wurde ein riesiger Swimmingpool gebaut. […] Wie komme ich da hinein? Gar nicht. Das einst so gastliche Haus ist heute abgeriegelt.

Wie schon am Anfang bemerkt liest man dieses Buch runter, wie als würde man ein Gedicht lesen. Der Autor zeigt mir, dass kurze knappe Sätze sehr wichtig sein können und dass es nicht immer langen Erklärungen braucht.

An dieser Stelle möchte ich mich beim Penguin Verlag bedanken, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

– so many books, so little time.

Charlotte Salomon „Es ist mein ganzes Leben“

Margret Greiner 
Charlotte Salomon. „Es ist mein ganzes Leben“
Biografie 
328 Seiten 
Mit zahlreichen Farbabbildungen aus Salomons Werk 
19,99 € 
KNAUS VERLAG, München 

Margret Greiner studierte Germanistik und Geschichte in Freiburg i.Br. und München. Viele Jahre arbeitete sie als Lehrerin und Journalistin. Sie hat sich immer wieder mit außergewöhnlichen Frauenleben beschäftigt, zuletzt erschienen die erzählten Biografien „Auf Freiheit zugeschnitten. Emilie Flöge: Modeschöpferin und Gefährtin Gustav Klimts“ und „Charlotte Berend-Corinth und Lovis Corinth: Ich will mir selbst gehören.“ Margret Greiner lebt in München.

Zum 100. Geburtstag von Charlotte Salomon – eine Biografie entlang ihres wichtigsten Werks

Wer ist die junge Frau, die sich ihr Leben durch das Malen mit so beeindruckender Kraft angeeignet und auf diese Weise dem Tod getrotzt hat?
Die Malerin Charlotte Salomon – als 26-Jährige in Auschwitz ermordet – hinterließ über tausend autobiografische Bilder.
Margret Greiner hat die historischen Tatsachen recherchiert und erzählt atmosphärisch und mit großer Nähe zu Salomons Werk vom kurzen tragischen Leben der Künstlerin.
Das Buch
 

Das Buch beginnt mit einem Prolog, in der Albert Salomon (Charlottes Vater) und Paula Lindberg (Charlottes Stiefmutter und Opernsängerin) nach Villefranche reisen um Charlottes Freundin Ottilie zu besuchen. Als sie das Haus Ottilies betreten, sehen sie einige Gemälde an der Wand, von denen klar ist, dass sie aus den Händen Charlottes entstanden sind.
Paula Lindberg traut sich danach zu fragen, ob sie die Bilder bekämen und wird von Ottilie mit den Worten

„Das schminken Sie sich mal ab … Die Bilder sind mein Eigentum, kein einziges davon gebe ich her“

, sehr hart angegangen.

Daraufhin holt sie aus dem Keller drei Kartons und überreicht es den Eltern. Und genau an dieser Stelle beginnt unsere Reise mit Charlotte. Denn was Ottilie zu diesem Zeitpunkt nicht wusste war, dass sich in diesen Kartons das Werk Leben? Oder Theater? befand, welches Charlotte in 18 Monaten gezeichnet hatte. Sie zeichnete 1385 Gouachen und davon bündelte sie 769 Blätter und gab diese zur Aufbewahrung an Dr. Moridis mit den Worten

„Es ist mein ganzes Leben.“


Nachdem Prolog führ Margret Greiner uns durch die einzelnen Stationen im Leben Charlottes.
Charlotte wurde am 16.04.1917 in Berlin geboren. Als sie 8 Jahre alt war begann ihre Mutter Franziska Salomon Selbstmord. Dass ihre Mutter sich umgebracht hat, blieb ihr jahrelang verborgen. Nach Franziskas Tod  war das Haus Salomons durch Dienstmädchen geprägt.

Im Kapitel Fenster zum Leben erklärt Greiner mit bildreichen Worten, wie Charlotte ihre Mutter zeichnet, die am Fenster steht und sich danach hinunterwerfen wird.

1930 heiratet Albert Salomon die Sängerin Paula Lindberg. Charlotte ist von Anfang an von Paula angetan. In ihren Zeichnung über diese Ehe und über Paulas Opern-Karriere gibt sie ihr den Namen Paulinka Bimbam.

Nachdem im Jahre 1933 Adolf Hitler als Reichskanzler ernannt wird, verlässt Charlotte ein Jahr vor ihrem Abitur freiwillig das Gymnasium um antisemitistischer Diskriminierungen aus dem Weg zu gehen.

1936 wird Charlotte an der Kunsthochschule in Berlin immatrikuliert und verlässt die Kunsthochschule ein Jahr später, da ihr ein Preis aberkannt wird, weil sie Jüdin ist. Dass auch noch ausgerechnet ihre damalige Freundin Barbara an ihrer Stelle den Preis bekommt, verkraftet Charlotte nicht und ist auch sehr traurig darüber, dass Barbara aus Angst ihren Mund nicht aufmacht.

Währenddessen kommt Alfred Wolfsohn als Gesangspädagoge ins Haus Salomon. Er gibt Paula Gesangsstunden. Dieser Mann ist in Charlottes Leben sehr wichtig. Sie verliebt sich in ihn. Hunderte von ihren Zeichnungen zeigen Alfred Wolfsohn.

Im Januar 1939 emigriert Charlotte Salomon zu ihren Großeltern nach Villefranche.
Ein Jahr später nimmt sich die Großmutter Marianne Grunwald vor Charlottes Augen ihr leben. Ab diesem Moment spürt Charlotte, dass der Selbstmord in ihren Genen liegt und betet zu Gott um nicht den Verstand zu verlieren.

Ab dem Jahre 1940 zieht sich Charlotte in eine Pension zurück und fängt dort mit ihrem Werk Leben? oder Theater? an. Sie zeichnet 18 Monate lang wie eine Irre ihr ganzes Leben. Wie am Anfang schon gesagt bündelt sie von diesen Zeichnungen 769 Blätter und überreicht sie Dr. Moridis, der immer Charlotte zum Malen verleitet hat.

„Ich habe Ihnen viel zu verdanken, Dr. Moridis. Nein, ich möchte nicht stören, nur etwas abgeben.“

Damit reichte sie dem Arzt die Pakete.

„Heben Sie das gut auf, Dr. Moridis, es ist mein ganzes Leben.“ (Seite 282)


Er hielt viel von ihrer Kunst.

1943 heiratet Charlotte Alexander Nagler, nachdem sie bemerkt, dass sie schwanger ist. Obwohl Charlotte mit dem Gedanken spielt, das Kind abzutreiben, kann sie sich nicht dazu überwinden.

„Das Risiko ist viel zu hoch. Und wenn ich erwischt würde, erwarten mich zwanzig Jahre Zwangsarbeit. Abtreibung ist fast noch schlimmer, als Jude zu sein.“ (Seite 289)


Kurz nach ihrer Hochzeit werden Alexander Nagler und Charlotte verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Nach zehn Tagen wird Charlotte, schwanger im 5. Monat, umgebracht. Alexander Nagler stirbt an den Folgen der Zwangsarbeit.
Jemand musste sie verraten haben.

Jemand musste sich die tausend Francs, die für eine Denunziation gezahlt wurden, oder andere Vorteile davon versprochen haben, Charlotte und Alexander Nagler an die Scherben Alois Brunners auszuliefern. (Seite 304)


Meine Gedanken:
Ich muss sagen, dass ich das Buch sehr spannend fand. Mich interessieren die Schicksale damaliger Zeit und Margret Greiner benutzt eine sehr verständliche Sprache. Sie schreibt das Buch wie einen Roman und man empfindet es so, wie als würde man sich einen Film über Charlottes Leben ansehen. An vielen Stellen wird dann mit kursiver Schrift darauf aufmerksam gemacht, um welches Bild es sich nun handelt und in Klammern steht die Zahl des Bildes, da Charlotte ihr komplettes Werk durchnummeriert hat.
Es sind insgesamt 24 Zeichnungen von Charlotte im Buch vorhanden. Das einzige was mich an diesem Buch gestört hat war, dass die Zeichnungen alle am Anfang zusammen sind. So musste ich immer wieder an der passenden Stelle an den Anfang blättern um mir die Zeichnung zu dem so eben beschriebenen Lebensabschnitt anzusehen.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich dieses Buch, welches zum 100. Geburtstag von Charlotte Salomon erschienen ist,, für sehr gut empfand. So gut, dass ich mich im Internet darüber informiert habe, wann denn eine Ausstellung der Zeichnungen in Deutschland stattfindet.

Die Zeichnungen von Charlotte Salomon befinden sich im Joods Historisch Museum in Amsterdam.
Außerdem gibt es eine Webseite http://www.charlotte-salomon.nl/collection/specials/charlotte-salomon/leben-oder-theater auf der man sich die Zeichnungen angucken kann.
Die Nummerierung der Zeichnungen im Buch entsprechen dieser auf der Webseite.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Knaus Verlag für dieses Rezensionsexemplar bedanken.

– so many books, so little time