Kazim, wie schaffen wir das?

Kazim, wie schaffen wir das? Von Sonja Hartwig


Sonja Hartwig, geboren 1985, ist Autorin und Reporterin. Ihre Texte erscheinen in Magazinen und Wochenzeitungen, vor allem in der Zeit, im Stern, im Spiegel und im SZ-Magazin. Sie besuchte die Henri-Nannen-Schule und studierte Kulturwissenschaften und Journalistik in Leipzig. Quelle: Randoumhouse

Herr Kazim Erdogan, kam mit fast 21 Jahren nach Deutschland. Illegal. Wurde beinahe abgeschoben, wenn er die Zulassung für die Hochschule für das kommende Semester nicht vorgezeigt hätte. Er studierte Soziologie und Psychologie.
Er gründete eine Männergruppe für türkeistämmige Männer. Sein Verein Aufbruch Neukölln, bei welchem er der Vorstand ist, hilft Männern, mit jeglichen Problemen.

Das Buch fängt natürlich mit Kazims Geschichte an. Wie er nach Deutschland kam und wir machen eine kleine Reise in seine Heimat in die Provinz Sivas in das Dorf Gökceharman.
Am Anfang jedes Kapitels gibt es ein Hauptthema, über die sich die Männer unterhalten.
Adem, Tarkan, Mehmet, Adem, Ismail, Alisan und Kazim unterhalten sich über Themen wie Ankommen in Deutschland, Ehre, Heimat und das Gefühl Zuhause. Drogenprobleme, erfahrene Gewalt und ausgeübte Gewalt sind noch andere Themen dieses Buches.
Und in jedem der Kapitel wird dann anhand des Themas die Geschichte von einem der Männer erzählt.
Was es bedeutet sich in Deutschland nicht aufgenommen zu fühlen. Warum man trotz dass man in Deutschland geboren ist, doch nie angekommen ist.
Warum man als Vater seinen Kindern keine Liebe zeigen kann, weil man es nie vom eigenen Vater erfahren hat.
Wie leicht man handgreiflich werden kann gegenüber seinen Kindern, weil man es von der eigenen Mutter so gelernt hat.

Kazim hilft all diesen Männern und auch anderen Menschen, die bei ihm im Verein vorbei kommen. Was macht ihn so besonders? Warum reden die Menschen, die Probleme haben, mit ihm?
Kazim hat keine Vorurteile. Er verurteilt nicht die Menschen und auch nicht ihre Geschichten. Er redet mit ihnen in Augenhöhe und zeigt Respekt gegenüber ihrer Situation und versucht zu helfen, egal wie.
Das macht ihn besonders. Dass er sich als Weltmensch fühlt, macht das Ganze noch interessanter.
Viele Themen im Buch haben mich sehr berührt. Ich erinnere mich an die Geschichten meines Vaters, wie er nach Deutschland kam und kein Wort Deutsch konnte und eingeschult wurde.
Der Gedanke, dass man irgendwann wieder nach Hause geht und nur ein paar Jahre in Deutschland arbeiten wird.
Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Wir sind hier und wir leben hier. Wir arbeiten hier und Deutschland ist unser Zuhause. Mein Zuhause sowieso von Geburt an. Die Türkei ist die ferne Heimat, die Wurzeln, die man mit sich trägt.
Das Wort „Ankommen“ hat mich sehr beschäftigt, nachdem ich dieses Buch gelesen habe. Wann kommt man an in Deutschland? Wann wird man wirklich akzeptiert? Fragen auf die ich noch einige Jahre wohl Antworten suchen werde.
Aber das ein Zusammenleben Miteinander und nicht Gegeneinander geht, das wird in diesem Buch klar.
Ich danke der Randomhouse Verlagsgruppe für dieses Rezensionsexemplar.

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