Donnerstag, 19. Juli 2018

Unorthodox

Info:

Am Tag seines Erscheinens führte »Unorthodox« schlagartig die Bestsellerliste der New York Times an und war sofort ausverkauft. Wenige Monate später durchbrach die Auflage die Millionengrenze. In der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, herrschen die strengsten Regeln einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe weltweit. Deborah Feldman führt uns bis an die Grenzen des Erträglichen, wenn sie von der strikten Unterwerfung unter die strengen Lebensgesetze erzählt, von Ausgrenzung, Armut, von der Unterdrückung der Frau, von ihrer Zwangsehe. Und von der alltäglichen Angst, bei Verbotenem entdeckt und bestraft zu werden. Sie erzählt, wie sie den beispiellosen Mut und die ungeheure Kraft zum Verlassen der Gemeinde findet – um ihrem Sohn ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Noch nie hat eine Autorin ihre Befreiung aus den Fesseln religiöser Extremisten so lebensnah, so ehrlich, so analytisch klug und dabei literarisch so anspruchsvoll erzählt. (Quelle: Randomhouse)

Deborah Feldman:

DEBORAH FELDMAN (geb. 1986, New York) wuchs in der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, auf. Ihre Muttersprache ist Jiddisch. Sie studierte am Sarah Lawrence College Literatur. Heute lebt die Autorin als Schriftstellerin mit ihrem Sohn in Berlin. (Quelle: Randomhouse)

 

Deborah lebt mit ihren Großeltern in Williamsburg, einem Stadtteil von Brooklyn, in der nur unorthodoxe chassidische Juden, die der Satmarer Glaubensgemeinschaft angehören, leben. Ihre Mutter hat von Anfang an alle Regeln gebrochen und die Gemeinde verlassen. Ihr Vater scheint geistig nicht imstande zu sein, eine Tochter groß zu ziehen.

Von Anfang an erzählt Deborah von Regeln und Anweisungen in der Gemeinde, an die sich Frauen strikt halten müssen. Sie bekommt zwar eine schulische (Religionsschule für Mädchen) Bildung, doch nur das Notwendigste. Denn Frauen sind dafür da, dass sie sich auf ihre Heirat, die arrangiert wird, konzentrieren und ihrem Mann dienen. Ihre Schönheit dürfen sie nicht präsentieren.

Doch das Schlimmste für Deborah ist, dass Bücher verboten sind. Bücher würden ihre Fantasie verstärken, sie könnte wissen, dass es auch ein anderes lebenswertes Leben da draußen gibt. Doch sie traut sich in eine Bibliothek und lässt sich einen Ausweis ausstellen. Sie leiht die Bücher aus und liest sie heimlich. Versteckt sie nachts beim Schlafen unter der Matratze ihres Bettes.

Die Satmarer Chassiden sehen den Holocaust als Strafe Gottes dafür an, dass sie nicht fromm genug waren. Somit leben sie nach strengen Regeln, um einem zweiten Holocaust zu entgehen. Diese Stelle im Buch hat mich sehr entsetzt. Wie kann man an so etwas glauben?!
„Wir lernen in der Schule, Gott habe Hitler gesandt, um die Juden dafür zu bestrafen, sich selbst erleuchtet zu haben. Er kam, um uns zu reinigen, um alle assimilierten Juden zu vernichten, alle frejen Jidden, die dachten, sie könnten sich selbst vom Joch, die Auserwählten zu sein, befreien“

 

Deborah fängt schon in jungen Jahren an, die Regeln ihrer Gemeinde zu hinterfragen. So geht sie heimlich mit ihrer Freundin ins Kino und sie hören gemeinsam Musik.

Nach ihrem Abschluss in der religiösen Mädchenschule arbeitet sie dort als Lehrerin, obwohl sie keine wirkliche Ausbildung dafür hat.

Mit 17 Jahren geht sie eine arrangierte Ehe mit dem 6 Jahre älteren chassidischen Juden Eli ein. Ich glaube, sie erhofft sich durch die Ehe ein wenig mehr Freiheit, doch dem ist nicht so. Da Deborah sexuell nicht aufgeklärt ist, weiß sie nicht, was auf sie in der Hochzeitsnacht zukommt. Der Geschlechtsverkehr kann nicht vollzogen werden, da Deborah eine ausgeprägte Form des Vaginismus hat. Sie holt sich professionelle Hilfe.

Sie wird erst nach einem Jahr schwanger. Auch das schwanger werden ist nicht so einfach, denn sie muss sich an Rituale halten. Eine unorthodoxe Frau ist unrein während ihrer Menstruation und muss, um Sex haben zu können, mittels 14 weißen Tüchern 7 Tage nach der Menstruation nachweisen, dass sie morgens und abends an diesen 7 Tagen tatsächlich nicht geblutet hat. Zum Zeichen ihrer Reinheit muss sie in einem Mikwe (jüdisches Ritualbad) baden. Erst dann kann sie den Akt des Geschlechtsverkehrs vollziehen.

An diesen Stellen des Buches habe ich parallelen zu meiner eigenen Religion gefunden. Eine muslimische Frau darf während ihrer Menstruation das Tagesgebet nicht vollziehen, nicht aus dem Koran lesen, in der Fastenzeit Ramadan nicht fasten. Nach der Menstruation vollzieht sie ein Ritualbad in ihren eigenen vier Wänden. Deshalb habe ich mich als Frau, sehr angegriffen gefühlt, als ich mir vorgestellt habe, dass ich mit Tüchern nachweisen müsse, dass ich wieder rein bin und an einem öffentlichen Ritualbad teilnehmen muss. So etwas ist schier unvorstellbar und für eine 17-jährige, wie Deborah es zu diesem Zeitpunkt war wohl sehr beschämend.

Für Deborah steht nach der Geburt ihres Sohnes fest, dass sie die Glaubensgemeinschaft verlassen wird, bevor ihr Sohn drei Jahre alt ist und dann eine religiöse Schule besuchen muss. Deborah verlässt die Glaubensgemeinschaft zusammen mit ihrem Sohn und lebt seit dem in Berlin.

Dieses Buch hat mich als Frau sehr bewegt. Ich habe keine Geschichte gelesen, die sich im 18. oder 19. Jahrhundert abgespielt hat. Nein, es ist eine Geschichte meines Zeitalters. Deborah ist gerade mal vier Jahre jünger als ich, und ich glaube, diese Tatsache, hat mich am meisten bewegt und entsetzt.

Ich danke an dieser Stelle der Randomhouse Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar.

 

Sonntag, 14. Januar 2018

Hast du schon mal ein Genie kennengelernt? - Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer



Hast du schon mal ein Genie kennengelernt?

Klappentext:
Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als „Wunderjunge von Harvard“ gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat seinen Sohn von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Dank der „Sidis-Methode“ könne jedes Kind zum Genie erzogen werden, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, weigert er sich, die Erwartungen zu erfüllen, die seine Eltern und die Gesellschaft in ihn gesetzt haben. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten - mit aller Konsequenz.

Inhalt:
Das Buch beginnt viele Jahre vor Williams Geburt. Wir lernen als erstes seinen Vater Boris Sidis kennen und die Geschichte beginnt, wie er seinen Fuß auf amerikanischem Boden setzt und seinen zwei Freunden, die er auf dem Schiff kennengelernt hat, die Freundschaft kündigt.
Boris Sidis wurde in eine jüdisch-russische Familie geboren und emigrierte 1887 nach Amerika.
Er wurde als 17-jähriger in damals Russland, heute Ukraine inhaftiert, da er sich für die Schulbildungen russischer Bauern einsetzte. Nach fünf Jahren gelang es ihm ein Philosophiestudium an der Harvard University aufzunehmen.
1894 Heiratete er Sarah Mandelbaum. Das was er für sie empfand, scheint keine Liebe zu sein. Denn Liebe war eines der Sachen, mit dem sich Boris nicht auskannte. Er sah in Sarah das Potential, eine geeignete Mutter für seine Kinder zu sein. Er unterstützte sie in der Lehre. Somit wird aus Sarah eine Akademikerin und sie studiert Medizin.

1898 wird William James Sidis als erstes Kind aus dieser Ehe geboren. Boris Sidis und seine Frau Sarah erziehen William vom ersten Tage an nach der Sidis-Methode und somit wird aus dem kleinen William ein Genie.
Mit 18 Monaten kann er lesen. Einige Spiele die für andere Kinder in ihrer Entwicklung wichtig sind, sind für ihn absurd und langweilig.
Er wird vorzeitig eingeschult und überspringt Klasse für Klasse. Mit 11 Jahren wird er an der Harvard University als Wunderkind angenommen und beginnt sein Studium und schließt ihn mit dem Bachelor ab.
Danach lehrt er an der Harvard University. Von seinen Schülern, die älter waren als er, wurde er nicht ernst genommen und bedroht. Nach dieser Bedrohung sicherten seine Eltern ihm eine seine Eltern einen Job als Assistent.
Ab diesem Moment begann ein Abbruch zu seinen Eltern. Er distanzierte sich von ihnen. Er meldete sich lediglich bei seiner Schwester, und das auch nur wenn er Geld benötigte. Er arbeitete als Schaffner und sammelte Straßenbahntickets. Er war definitiv ein Neurotiker.
Die Medien berichteten über ihn. Gegen den damaligen The New Yorker erstatte er Anzeige. Dabei ging es um einen Artikel, von dem William behauptete, dass er sich in seiner Privatsphäre gekränkt fühle und viele Qualen durch den Artikel erleiden musste.
Er gewann.
Im Jahre von 46 verstarb William James Sidis an einer Gehirnblutung.

Meine Meinung:
Ich hatte den Namen William James Sidis vorher noch nie gehört. Im Buchhandel schaute mich der Junge auf dem Buchcover an. Es war eine Trauer in seinen Augen zu sehen. Ich habe mich als erstes nicht an das Buch herangetraut, da es mit seinen 656 Seiten schon abschreckt.
Danach habe ich einige Instagram-Beiträge über das Genie gesehen und habe das Buch letztendlich bei Diogenes angefragt. Ich danke an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar.
Ich lese sehr gerne Autobiographien/Biographien. Doch ein Roman über ein Genie, war diesmal viel interessanter, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte.
Dass das Buch 656 Seiten hatte, hat mich am Ende dann überhaupt nicht mehr gestört, denn Zehrer hat diesen Roman so toll geschrieben, dass ich auch noch weiter gelesen hätte.
William James Sidis war ein Genie. Seine Eltern haben etwas sehr großes vergessen, als sie ihn zu einem Genie herangezogen haben. Sozialkompetenz und Liebe. Die letzten Seiten des Buches haben mich sehr traurig gestimmt.

Klaus Cäsar Zehrer habe ich auf der Frankfurter Buchmesse dann getroffen und mein Exemplar signieren lassen. Bis dahin hatte ich die ersten paar Seiten des Buches und einige Artikel über William James Sidis gelesen. Ich habe mich auf diesen Wunderling vorbereitet.
Er sah auch nicht ein, aus welchem Grund man ein Studium aufnehmen sollte. Sich jahrelang einen vorgekauten, vorverdauten Wissensbrei einzuverleiben, dachte er, ist gewiss nicht der geeignetste Weg, ein originell denkender Mensch zu werden. Der brauch in erster Linie eine gut ausgestattete Bibliothek. Außerdem viel Zeit und Muße zum Nachdenken. Das ist alles.

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr


Info: Eine traumhafte Liebesgeschichte und eine Reise durch das menschliche Gehirn als rasantes zamonisches Abenteuer


Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich.






Prinzessin Dylia leidet an einer sehr schlimmen Krankheit im ganzen Königreich. Sie kann tagelang, manchmal sogar wochenlang nicht schlafen. Somit hat sie sehr viel Zeit sich außerordentliche Sachen zusammenzudenken. Pfauenwörter die sie Tag für Tag abhakt, und immer wenn sie sie benutzt hat, kommt die riesige Spinne und nimmt die Pfauenwörter mit.

Sie besteigt die Turmtreppen, die mit wunderschönen Zeichnungen im Buch dargestellt sind.

Eines Tages erscheint aufeinmal der alptraumfarbene Nachtmahr Opal im Gemach der Prinzessin. Prinzessin Dylia denkt natürlich, dass das ein Hirngespinst ist, das sie übermüdet ist.

Doch Opal ist wahrhaftig wahr und kündet der Prinzessin an, dass er da ist um sie in den Wahnsinn zu treiben. Doch vorerst möchte er eine interessante Reise mit ihr vornehmen. In die dunkelsten Ecken ihres Gehirns. Ab sofort beginnt eine skurrile, absurde Reise im Gehirn von der Prinzessin.

 

Meine Meinung:

Ich habe vorher noch kein einziges Buch von Walter Moers gelesen und Freunde, die seine Bücher kennen, sagten mir, dass dies vielleicht das falsche Buch ist, um mit Moers zu beginnen und dass er auf seine Art eigenartig ist und dass man seine Bücher entweder mag oder nicht mag.

Ich muss sagen, ich habe das Buch gemocht. An einigen Stellen fand ich es zwar langatmig, aber die Phantasie, die Moers beim Schreiben benutzt, genauso wie die wundervollen Zeichnungen, die in dem Buch vorhanden sind, haben dazu gefüht, dass ich dem Buch 4 Sterne gegeben habe.

Es wird definitiv nicht mein letztes Moers Buch sein.

 

 

 

Das Lied des Achill

  Das Lied des Achill handelt über die bekannte Geschichte des Gottes Achills, der vor Troja gekämpft hat um Helena zu retten.  Das Achill ...