Unsichtbare Frauen

Unsere Welt ist von Männern für Männer gemacht und tendiert dazu, die Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren.

Criado-Perez schreibt in ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“ darüber, dass es in sämtlichen Unfallstatistiken zu wenig Daten erfasst werden, bei denen es um Frauen geht.

Das Beste Beispiel dafür ist, dass bei der Autoindustrie für Unfalltests immer männliche Dummys benutzt werden. Somit ist eine Frau, die hier nicht beachtet wird, im Falle eines Autounfalles gefährdeter als ein durchschnittlicher Mann.

Ein anderes Kapitel, in dem erklärt wird, dass im Winter die Schneeräumarbeiten als erstes auf der Straße stattfinden und später erst auf den Gehwegen, war auch sehr interessant.

Frauen sind zumeist die jenigen, die sich um die Kinder kümmern, zuhause sind, oder mal mit den Älteren spatzieren gehen, währen der Mann auf der Arbeit ist. Er hat die Straße mit seinem Auto überquert, auf der schon längst die Schneeräumarbeiten stattgefunden haben. Die Frau muss aber den Gehweg benutzen und hat somit Stürzgefahr. In Nordschweden hat man sich diese Situation angesehen und in einem Winter den Schneeraumplan geändert. Und siehe da, es gab in diesem Winter viel weniger Patienten (davon meist Frauen), die sich im Krankenhaus gemeldet haben, weil sie gestürzt sind.

Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt. Ich habe dieses Buch mit einem sehr komischem Gefühl im Bauch gelesen, denn als Frau bin ich genauso wie ein Mann davon betroffen, irgendwann einen Herzinfakt zu bekommen, doch die Datenlücke ist so groß, dass die Medikamente, die bei Männern helfen bei mir nicht helfen können.

Die Autoindustrie missachtet nicht Fraun, in dem sie in ihren Tests fast ausschließlich Männer-Dummys benutzen, sie missachtet auch kleine Menschen.

Ich als kleine Frau von 1.53 Metern habe den Anschnallgurt direkt am Hals sitzen. Somit kommt es vor, dass wenn ein wenig hart gebremst wird, dieser Gurt sich in mein Hals eindrückt. Auch über solche Themen liest man in diesem Buch.

Criado-Perez belegt ihr Buch mit über 1000 Quellangaben.

Mir hat dieses Buch sehr gefallen, auch wenn es schockt, sollte es gelesen werden.


Frau Einstein

Klappentext: Zürich 1896: Mileva Marić, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Serbien, ist eine der ersten Frauen, die am Polytechnikum studieren dürfen. Gegen alle Vorurteile und Widerstände gehört die ehrgeizige junge Frau bald zu den Besten ihres Faches. Ihr großes Talent für Mathematik bleibt auch einem ihrer Kommilitonen, dem charismatischen Physikstudenten Albert Einstein, nicht lange verborgen. Die beiden tauschen sich über ihre Arbeit aus, verlieben sich und werden ein Paar. Zusammen arbeiten sie an der Relativitätstheorie, zunächst weitgehend gleichberechtigt. Doch als Mileva schwanger wird und ihre gemeinsame Forschung die erste öffentliche Aufmerksamkeit erhält, wird sie immer unsichtbarer im Schatten ihres Mannes, der als strahlendes Genie bis heute weltberühmt ist.

, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Serbien, ist eine der ersten Frauen, die am Polytechnikum studieren dürfen. Gegen alle Vorurteile und Widerstände gehört die ehrgeizige junge Frau bald zu den Besten ihres Faches. Ihr großes Talent für Mathematik bleibt auch einem ihrer Kommilitonen, dem charismatischen Physikstudenten Albert Einstein, nicht lange verborgen. Die beiden tauschen sich über ihre Arbeit aus, verlieben sich und werden ein Paar. Zusammen arbeiten sie an der Relativitätstheorie, zunächst weitgehend gleichberechtigt. Doch als Mileva schwanger wird und ihre gemeinsame Forschung die erste öffentliche Aufmerksamkeit erhält, wird sie immer unsichtbarer im Schatten ihres Mannes, der als strahlendes Genie bis heute weltberühmt ist.

Meine Meinung:

Marie Benedict verknüpft die Geschichte von Mileva Marić mit ihren Recherchen und Fiktion so gut miteinander, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte.

Mileva war, wie wahrscheinlich für viele anderen Leser dieses Buches, für mich unbekannt. Als die erste Frau Einstein, habe ich ihre Geschichte sehr gerne gelesen. Ich muss sagen, dass aus ihr eine hervorragende Physikerin geworden wäre, wenn sie sich nicht auf Albert Einstein eingelassen hätte. Zusammen setzten sie die ersten Schritte für die Releativitätstheorie und die ganzen mathematischen Berechnungen, sind Mileva gut zu schreiben. Als sie unehelich schwanger wird, bekommt es Albert Einstein nicht hin, sich um sie und um das geborene Kind zu kümmern. Er lernt sein erstes Kind Lieserl noch nicht einmal kennen. Lieserl verstimmt mit ungefähr 1,5 Jahren. Ihre Todesursache ist unbekannt, doch auch hier strickt die Schriftstellerein eine gute Geschichte, die für die damaligen Zeiten absolut möglich sein kann.

Eins muss ich sagen, je weiter ich im Buch gelesen habe, desto mehr habe ich Wut auf Albert Einstein gespürt und die damalige Männerwelt. Genauso hat es mich sehr wütend gemacht, wie die Frau damals in der Gesellschaft platziert war.

Das Buch war für mich absolut lesenswert.

Der Weg zu Dir – Defne Seidel

Die Türkin Emily kommt ursprünglich aus Bremen. Sie ist dort geboren und aufgewachsen. Als sie mit 17 Jahren bemerkt dass sie schwanger ist, ist ihr damaliger Freund Burak auf dem Weg mit seiner Familie nach München zu ziehen. Somit entscheidet sich Emily dafür, Burak nichts von dem Baby zu sagen und entscheidet sich dazu, Bremen zu verlassen. Sie zieht nach Berlin, wo auch ihr Onkel Ali mütterlicherseits wohnt. Er hat ein Café in dem die Emily arbeitet und ihre mittlerweile 4 jährige Tochter Peri aufzieht. Für sie ist Burak, Bremen, ihre Familie in Bremen und die Liebe einfach Geschichte. Sie ist nur darauf fokussiert, dass Peri glücklich ist und keine Vaterrolle in ihrem Leben vermisst.
Als Marc, der für das Studium in Heidelberg war wieder nach Berlin zurückkehrt und Emily’s Nachbar wird und sich sehr gut mit Peri versteht, beginnt für Emily ein Kampf zwischen ihrem Verstand und ihrem Herzen.
Defne Seidel vereint in ihrem Buch „Der Weg zu Dir“ die deutsche und die türkische Kultur. Auch lernt man viel über das Alevitentum, da Emily mütterlicherseits alevitischem Glauben angehört. Mit Marcs Mutter liest man über die Wichtigkeit der schönen Weihnachtszeit. Ich bedanke mich bei Shaker Media für das Rezensionsexemplar und meiner Freundin Defne danke ich für dieses schöne Buch. Ich kann es garnicht erwarten, etwas neues von ihr zu lesen. 

Die goldene Legende – Nadeem Aslam

Wie im Christentum gibt es auch im Islam eine Verkündigung. Erzengel Gabriel erscheint Mohammed – ebenso wie er Maria erschien – und überbringt eine Botschaft Gottes. Zu Maria hat er gesagt, dass Gott durch sie Fleisch werde. Zu Mohammed sagte er, dass dieser eine Reihe von Suren empfangen werde, die Gott gemachte Worte seien. Es ist ein Fehler, weollte man behaupten, der Koran sei die Bibel der Muslime. Falls es im Christentum etwas dem Koran vergleichbares gibt, dann ist es Jesus selbst. Jesus ist der Gleisch gewordene Gott, der Koran der Wort gewordene Gott.

Pakistan. Ich denke im Jahre 2012. Immer wieder werden die damaligen Karikaturen in denen man sich über Mohammed lustig gemacht hat, erwähnt.

Dieses Buch hat sehr viele geballte Informationen. Nargis ist eine der Hauptcharaktere. Sie und ihr Mann sind Architekten und muslimischen Glaubens. Sie haben Christen zu Nachbarn. Lily der Rikschafahrer und seine Tochter Helen, die durch Nargis und ihren Mann eine gute Ausbildung genießt.
Nargis hat ein großes Geheimnis und hat Angst davor, dass dieses Geheimnis bald raus kommt. Denn jeden Abend predigt der Muezzin in der Mosche nach dem Gebet und gibt Sachen über die Bewohner preis.

Man erzählte sich, dem in der Wüste verirrten Musa, Moses also, sei von Gott befohlen worden, mit seinem Stab an einem Fels zu schlagen, woraufhin zwölf Quellen entsprangen, die jede in einem anderen Ton sprudelten. Und Gott hatte gesagt, Ya Musa, qiyy! O Moses, bewahre.
Mausiqi. Musik
EIne der Segnungen Gottes.


Am meisten hetzt er gegen die Christen auf und wirft ihnen Gotteslästerei vor.
Nargis möchte ihrem Mann Massud ihr Geheimnis verraten, bevor es über die Lautsprecher der Moschee der ganzen Stadt verkündet wird, doch gerät Massud auf der Grund Trunk Road ins Kreuzfeuer und stirbt.
Ab dann beginnt eine schwere Zeit für Nargis, Lily und auch Helen. Immer wieder tauchen Geheimdienstagenten bei Nargis auf und drohen ihr und sagen, dass sie bei der Gerichtsverhandlung öffentlich sagen wird, dass sie dem Mörder ihres Mannes verzeihe.
Imran ein Junger Mann der auch Moskau genannt wird, kommt aus Indien nach Pakistan um sich dort in einem Islamisten-Lager ausbilden zu lassen. Doch ziemlich schnell merkt er, dass alle dort für ihn zu fanatisch sind. Er verlässt das Lager und ist somit auf der Flucht und das Schicksal führt dazu, dass er Nargis und Helen kennenlernt. Er war an dem Tag, an dem Massud erschossen wurde auch auf der Grand Trunk Road.
Dank Imrans Charakter bindet der Schriftsteller das Kaschmir-Problem sehr gut in die Geschichte ein.
Nun ist es so, dass Helens Vater Lily eine Bindung mit der Tochter des Imams hat. Er schleicht sich nachts zu Aysha in ihr Schlafzimmer. Aysha hat ihren Mann verloren und hat einen Sohn namens Billu, der durch den Krieg seine Füße verloren hat, als er auf eine Miene getreten ist. Die Stellen im Buch mit diesem kleinen Jungen, der tapfer seine Protesen anbringt und in die Schule geht, hat mich zu tiefst berührt.
Ayshas Schwager (der Bruder ihres verstorbenen Mannes) lebt mit Aysha, Billu und Ayshas Vater dem alten Imam in einem Haus und versucht Aysha zu unterdrücken und Billu auch fanatisch zu machen.
Nun ist es so, dass eines Abends über die Lautsprecher der Mosche das Verhältnis von Lily und Aysha bekannt gegeben wird.
Ab dann beginnt im wahrsten Sinne des Wortes eine Verfolgungsjagd.
Lily muss sich verstecken. Nargis ebenfalls, denn sie möchte dem Mörder nicht verzeihen. Helen wurde durch ihren Vater ebenso zum Opfer der Fanatiker und wird als Attentäterin gesucht.
Imran ist sowieso auf der Flucht. Nargis, Helen und Imran setzten sich auf einer Insel ab, auf der Nargis und Massud ein Haus gebaut haben.

Ich muss sagen, dass ich einfach dieses Buch gebannt gelesen habe. Es ist sehr spannend und auch die Probleme die angesprochen werden gehen einem unter die Haut.
Man lernt sehr viel über die Situation in Pakistan und dann dem Kaschmir-Problem auch über die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan.
Die Korruption der Offiziere und Geheimdiensten bringen einen dazu, sich sehr aufzuregen. Und bis zum Ende sieht das ganze so aus, dass es absolut keine Hoffnung für die Menschen des Landes gibt.
Es hat mich zu sehr erschüttert.
Absolute Leseempfehlung.

Kazim, wie schaffen wir das?

Kazim, wie schaffen wir das? Von Sonja Hartwig


Sonja Hartwig, geboren 1985, ist Autorin und Reporterin. Ihre Texte erscheinen in Magazinen und Wochenzeitungen, vor allem in der Zeit, im Stern, im Spiegel und im SZ-Magazin. Sie besuchte die Henri-Nannen-Schule und studierte Kulturwissenschaften und Journalistik in Leipzig. Quelle: Randoumhouse

Herr Kazim Erdogan, kam mit fast 21 Jahren nach Deutschland. Illegal. Wurde beinahe abgeschoben, wenn er die Zulassung für die Hochschule für das kommende Semester nicht vorgezeigt hätte. Er studierte Soziologie und Psychologie.
Er gründete eine Männergruppe für türkeistämmige Männer. Sein Verein Aufbruch Neukölln, bei welchem er der Vorstand ist, hilft Männern, mit jeglichen Problemen.

Das Buch fängt natürlich mit Kazims Geschichte an. Wie er nach Deutschland kam und wir machen eine kleine Reise in seine Heimat in die Provinz Sivas in das Dorf Gökceharman.
Am Anfang jedes Kapitels gibt es ein Hauptthema, über die sich die Männer unterhalten.
Adem, Tarkan, Mehmet, Adem, Ismail, Alisan und Kazim unterhalten sich über Themen wie Ankommen in Deutschland, Ehre, Heimat und das Gefühl Zuhause. Drogenprobleme, erfahrene Gewalt und ausgeübte Gewalt sind noch andere Themen dieses Buches.
Und in jedem der Kapitel wird dann anhand des Themas die Geschichte von einem der Männer erzählt.
Was es bedeutet sich in Deutschland nicht aufgenommen zu fühlen. Warum man trotz dass man in Deutschland geboren ist, doch nie angekommen ist.
Warum man als Vater seinen Kindern keine Liebe zeigen kann, weil man es nie vom eigenen Vater erfahren hat.
Wie leicht man handgreiflich werden kann gegenüber seinen Kindern, weil man es von der eigenen Mutter so gelernt hat.

Kazim hilft all diesen Männern und auch anderen Menschen, die bei ihm im Verein vorbei kommen. Was macht ihn so besonders? Warum reden die Menschen, die Probleme haben, mit ihm?
Kazim hat keine Vorurteile. Er verurteilt nicht die Menschen und auch nicht ihre Geschichten. Er redet mit ihnen in Augenhöhe und zeigt Respekt gegenüber ihrer Situation und versucht zu helfen, egal wie.
Das macht ihn besonders. Dass er sich als Weltmensch fühlt, macht das Ganze noch interessanter.
Viele Themen im Buch haben mich sehr berührt. Ich erinnere mich an die Geschichten meines Vaters, wie er nach Deutschland kam und kein Wort Deutsch konnte und eingeschult wurde.
Der Gedanke, dass man irgendwann wieder nach Hause geht und nur ein paar Jahre in Deutschland arbeiten wird.
Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Wir sind hier und wir leben hier. Wir arbeiten hier und Deutschland ist unser Zuhause. Mein Zuhause sowieso von Geburt an. Die Türkei ist die ferne Heimat, die Wurzeln, die man mit sich trägt.
Das Wort „Ankommen“ hat mich sehr beschäftigt, nachdem ich dieses Buch gelesen habe. Wann kommt man an in Deutschland? Wann wird man wirklich akzeptiert? Fragen auf die ich noch einige Jahre wohl Antworten suchen werde.
Aber das ein Zusammenleben Miteinander und nicht Gegeneinander geht, das wird in diesem Buch klar.
Ich danke der Randomhouse Verlagsgruppe für dieses Rezensionsexemplar.

Die Weiße Rose – Wie aus normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden

Klappentext:

Die Weiße Rose ist eine der bekanntesten Widerstandsgruppen in der deutschen Geschichte. Insbesondere die Geschwister Sophie und Hans Scholl werden immer wieder als leuchtende Vorbilder genannt. Warum hatten gerade sie den Mut, sich gegen das nationalsozialistische Unrechtssystem aufzulehnen? Miriam Gebhardt beleuchtet die Biografien der Aktivisten und macht deutlich, wie wichtig Familie, Freundschaften und Umfeld für die Mitglieder der Weißen Rose waren. Ihr Buch erzählt eine neue Geschichte der Gruppe und zeigt, wie viel die Botschaft der Widerstandsgruppe uns noch heute, 75 Jahre nach ihrem traurigen Ende, zu sagen hat.

Meine Gedanken:

Wenn man die Weiße Rose hört, denkt man automatisch an die Scholl-Geschwister. Ich zumindest dachte immer an sie. Doch in diesem Buch macht Miriam Gebhardt klar, dass hinter dieser Widerstandsgruppe noch weitere Kräfte standen. Alexander Schmorell, Kurt Huber, Christoph Probst und Willi Graf.
Bis auf Alexander Schmorell waren mir die anderen Namen nicht bekannt.

Das Buch ist in drei große Teile unterteilt. Wachstum. Auseinandersetzung. Bewährung.

Im Teil Wachstum, setzt sich Miriam Gebhardt mit den Familien der Charaktere auseinander. Gibt einen Einblick in ihre Familienverhältnisse und die die Erziehung und Bildung die sie alle genossen.
So wird schon im ersten Kapitel klar, dass diese Menschen ihre Kraft und den Mut zum Widerstand gewollt ungewollt von ihren Familien mit auf den Weg gelegt bekommen haben.

Im zweiten Teil geht es dann darum, wie die Gruppe zueinander gefunden hat und wie sie gemeinsam den Nationalsozialismus hinterfragen und ihre Aktionen starten. Sie bereiten die Flugblätter vor. Treffen sich heimlich zu Lesungen. Nehmen gefährliche Wege auf sich um die Flugblätter an ein weites Publikum heranzubringen. Immer mit der Angst erwischt zu werden.

Im dritten Teil werden die Geschwister Scholl bei ihrer Aktion dann erwischt. Wer kennt es nicht von uns? Das Bild vor den Augen von Sophie Scholl, wie sie die Flugblätter in der Universität in München in die Luft wirft.
Dann fangen die Prozesse an. Man wird Zeuge der Vernehmungen von den Geschwistern und nacheinander der anderen Hauptcharaktere. Diesen Teil habe ich, obwohl ich sehr viel über die Geschichte dieser Vernehmungen weiß, trotzdem mit Herzrasen gelesen.

Im Epilog lernt man noch einige Charaktere, die eher im Hintergrund waren, kennen. Und auch liest man darüber, wie sich die Familien, deren Kinder mit der Todesstrafe verurteilt worden sind, nach dem Tod ihrer Kinder versucht haben, einen Fuß in die Gesellschaft zu setzen. Sehr schwierig war es für sie.

Ich muss sagen, dass mir das Buch im Großen und Ganzen sehr gut gefallen hat. Doch in einem bin ich mir sehr unsicher. Ich weiß nicht, ob ich dieses Buch nur als ein Sachbuch betiteln kann. Es ist vielmehr als nur ein Sachbuch. Ich kann es nur empfehlen.
An dieser Stelle möchte ich mich für das Rezensionsexemplar bedanken.

Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?

Lisa „geht Aldi“, Paul „muss Training“ und die Freunde „sind am Abend Kino“. Was die Soziolinguistin Diana Marossek „Kurzdeutsch“ nennt, zeichnet sich vor allem durch einen Hang zur Verknappung aus, dem nicht bloß Präpositionen zum Opfer fallen. Marossek zeigt ungeahnte Parallelen zwischen dem sogenannten „Türkendeutsch“ und älteren deutschen Sprachgewohnheiten auf, sie erklärt, was eine rituelle Beschimpfung ist und dass viele von uns „codeswitchen“, ohne es zu merken. Müssen wir uns deshalb Sorgen um die deutsche Sprache machen? Nein, sie ist quicklebendig, und die Beschäftigung mit ihr macht großen Spaß. Quelle: Randomhouse

Diana Marosseks Buch ‚Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?‘ ist ein Teil ihrer Doktorarbeit.
Dieses Buch hat mich durch ihren Untertitel ‚Warum wir so reden, wie wir neuerdings reden‘ angesprochen und deshalb habe ich es als Rezensionsexemplar angefragt.
Marossek schreibt in diesem kurzen Buch sehr viel über die Kontraktionsvermeidung und auch über die Artikelvermeidung. So gibt es in dem Buch sehr viele Stellen, die Gespräche von Berliner Schülern wiedergeben, in denen zu erkennen ist, dass es auch ohne Artikel geht und das ganze als Kurzdeutsch betitelt werden kann.
Persönlich als Türkin, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, fand ich natürlich das Kapitel ‚Türkisch‘ sehr interessant.
Türkisch ist eine Sprache, die ohne Verben auskommt. Auch benötigt es keine Präpositionen.
Marossek schreibt, dass die Gastarbeiter aus den 60er und 70er Jahren aus Italien, aber hauptsächlich aus der Türkei, das heutige Kurzdeutsch geprägt haben.

So ist es zu erkennen, dass nicht nur die Gastarbeiter, sondern auch mittlerweile die deutschen Muttersprachler sich dem kurzdeutschen bedienen.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass sich Kurzdeutsch für mich sehr schlimm anhört. Aber auch ich greife zu Kurzdeutsch, wenn ich in dem Moment mir über einen Artikel nicht sicher bin und ganz genau weiß, dass es auch ohne geht.

Ich fand das Buch zwar interessant zu lesen, jedoch habe ich mir durch den Untertitel mehr erhofft. Ich finde, dass die Frage ‚warum wir so reden, wie wir neuerdings reden‘, nicht geklärt wurde.

Ich danke für das Rezensionsexemplar.

Die Liebe im Ernstfall

Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. In diesem Buch geht es um die Geschichte von 5 Frauen.

Jede Frau bekommt ihr eigenes Kapitel und in diesen Kapiteln wird aus ihrer Perspektive erzählt.

Nachdem ersten Kapitel beim Übergang in den zweiten Kapitel wird klar, dass sich die 5 Geschichten dieser Frauen ergänzen wird. Sie sind durch ihre Schicksale verbunden und genau das macht dieses Buch aus meiner Sicht lesenswert.

Jede einzelne dieser Frauen versucht im Leben durchzukommen. Jede von ihnen hat ihre eigenen Probleme und jede von ihnen kommt auf ihre eigene Weise mit diesen Problemen klar, oder auch nicht.

Frauen, die betrogen werden, Frauen, die selbst betrügen, Frauen, die ihre Babys verlieren …

Dieses Buch ist kein Buch über die Liebe. Nein. Es ist ein Buch über die Liebe im Ernstfall. Absolut lesenswert.

Daniela Krien hat eine sehr angenehme und tolle Schreibweise. Ich war direkt nach den ersten paar Sätzen voll in der Geschichte. Das ist zwar mein erstes Buch von Daniela Krien gewesen, bleibt aber definitiv nicht das letzte Buch.

Ich danke Diogenes für das zur Verfügung gestellt Rezensionsexemplar.

Farbenblind

Klappentext: Trevor Noah wurde schon als Verbrechen geboren. Er kam 1984 im südafrikanischen Township Soweto als Sohn einer Xhosa und eines Schweizers zur Welt – ein Gesetzesbruch unter dem Apartheidregime. In Farbenblind erzählt Trevor Noah ebenso feinsinnig wie komisch in achtzehn Geschichten von seinem Aufwachsen in Südafrika, das den ganzen Aberwitz der Apartheid bündelt.

Das Wort Apartheid habe ich für mich persönlich aus meinem Wörterschatz entfernt. Denn das, was hinter diesem Wort steckt, ist für mich nie akzeptabel gewesen. Als ich das Buch von Trevor Noah angefragt habe, hat mich das Cover und der Titel angesprochen. Ich kannte Trevor Noah vorher nicht und wusste auch nicht, dass er ein Comedian ist. Dass er ein Comedian ist und das Zeug dazu hat, ist in seinem Buch klar ersichtlich. Zwar geht es in diesem Buch nicht um seine Karriere als Comedian, aber es gab Stellen in diesem Buch, an denen ich laut gelacht habe.

Die Apartheid liegt nicht allzu lange her. Sie wurde 1994 abgeschafft. Bis dahin war eine strikte Rassentrennung vorgeschrieben. Weiße durften nichts mit Schwarzen zu tun haben und verkehrt herum. Doch Trevors Mutter Patricia ist durch und durch eine Rebellin und lässt sich von niemanden etwas vorschreiben, außer von Gott. Somit geht sie eine außereheliche Beziehung mit Trevors Vater, der Schweizer ist, ein. Von einer all zu lange dauernden Beziehung kann man nicht sprechen. Sie möchte ein Kind von ihm und ist bereit, alle damit verbundenen Probleme auf sich zu nehmen. Somit entsteht aus dieser Beziehung Trevor. Ein Junge, der weder schwarz noch weiß ist. In seinem Buch erzählt Trevor über die Apartheid. Darüber was es bedeutet, weder weiß noch schwarz zu sein.

Zwar fühlt er sich als schwarzer aber seine helle Hautfarbe lässt es nicht zu, dass er von den Schwarzen akzeptiert wird. Er ist ein schwarzes Kind unter den weißen ein weißes Kind unter den schwarzen Kindern.

Seine Kindheit ist von den Kirchgängen seiner Mutter geprägt, die sehr gläubig ist und Trevor immer mit in die Kirche nimmt. Sie kümmert sich sehr um ihn. Aber Trevors Kindheit ist keine Leichte und ist von einer Mutter geprägt, die immer skeptisch gegenüber ihrem Kind ist. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit und definitiv der Grund dafür, warum Trevor auch zu einer starken Persönlichkeit herangewaschen ist. Man erkennt seine Liebe zu seiner Mutter durch das ganze Buch hindurch.

Während man an manchen Stellen des Buches laut auflacht, hält man an einigen Stellen inne und muss das Gelesene verkraften.

Das Kapitel Farbenblind, welches diesem Buch seinen Namen gegeben hat, war für mich eins der Kapitel, wo ich mir selbst sagte, „das kann doch nicht sein“.

Ich kann dieses Buch einfach nur empfehlen. Man lernt viel über Südafrika. Ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar.

Istanbul Istanbul

Klappentext:
Der Nebel, der sich auf Istanbuls Zeit legte, war wunderschön.

Unter den uralten Straßen Istanbuls sitzen vier Gefangene in einer Zelle. Um sich abzulenken, erzählen sie sich Geschichten aus ihrer Stadt.
Geschichten voller Liebe und Humor.
Geschichten, die ihnen helfen sollen, die Begrenzungen von Raum und Zeit aufzuheben, das Leid erträglicher zu machen und die Hoffnung stärker.

Der Autor Burhan Sönmez:
Burhan Sönmez wurde 1965 in Zentralanatolien geboren und wuchs sowohl mit der kurdischen als auch der türkischen Sprache auf. Er studierte Jura in Istanbul. Sönmez war Mitglied des türkischen Menschenrechtsvereins IHD und Gründungsmitglied der demokratischen StiftungTAKSAV. Bei einem Übergriff durch die Polizei wurde er 1996 in der Türkei schwer verletzt und anschließend dank der Freedom-from-Torture-Stiftung in England medizinisch versorgt. Er unterrichtet an der Middle East Technical University in Ankara, schreint für verschiedene unabhängige Medien und ist aktives Mitglied des türkischen und englischen PEN. Burhan Sönmez lebt mit seiner Familie in Istanbul und Cambridge. Seine preisgekrönten Romane erscheinen inzwischen in über zwanzig Ländern. (Quelle:Randomhouse.de)

„Eigentlich ist es eine lange Geschichte, aber ich mache es kurz.“ So fängt der Student Demirtay an, seine Geschichte zu erzählen. Er sitzt mit drei weiteren Insassen – einem Doktor, einem Barbier und Küheylan Dayi in einem Gefängnis, welches sich tief unter den Straßen von Istanbul befindet.
Sie sitzen gemeinsam in Zelle 40. Von dort aus können sie Zelle 31 sehen, in der ein Mädchen sitzt, die nur mit ihren Augen redet.
Reden tun die vier Männer auch, aber nicht über sich, auch nicht über den Grund, warum sie inhaftiert sind. Über sich selbst zu reden wäre zu gefährlich. Denn sie werden nacheinander von den Wächtern abgeholt, gefoltert und dann wieder in die Zelle zurückgeworfen. Man weiß nicht, ob einer der Mithaftierten beim nächsten Mal etwas preisgeben könnte. Also erzählen sie sich Geschichten. Geschichten über die Liebe, Geschichten über die Menschen.
Und viele Geschichten über Istanbul, die weit über ihren Köpfen ihren ganz normalen Alltag lebt.
Insgesamt werden an zehn Tagen Geschichten erzählt. Die einleitenden Titel, wer etwas erzählt ist manchmal irreführend. Schon allein im ersten Kapitel, in dem der Student Demirtay zu erzählen beginnt, übernimmt Küheylan Dayi mehr als die Hälfte des Kapitels das Wort.
Jedoch fühlt man sich durch die Ich-Perspektive den Erzählern befremdlich nah.

Jeder weiß, wie die aktuelle politische Lage in der Türkei ist und wieviele Anwälte, Schriftsteller, Politiker etc. in Haft sitzen. Burhan Sönmez hat das Buch in der Originalfassung 2015 schon veröffentlicht. Auch nach dem Putsch im Jahre 1980 in der Türkei, saßen viele bekannte Menschen in Haft. Wer zwischen den Zeilen liest, merkt, was er erzählen möchte, aber für mich war dieses Buch durch und durch eine Liebeserklärung an Istanbul.„Als ich mit Mahizer verlobt war, schenkte ich ihr Romane und Lyrikbände. Unser Literaturlehrer auf dem Gymnasium pflegte zu sagen, jeder Mensch hat seine eigene Sprache, den einen versteht man anhand von Blumen, den anderen durch Bücher …“ Seite 20

„Als ich mit Mahizer verlobt war, schenkte ich ihr Romane und Lyrikbände. Unser Literaturlehrer auf dem Gymnasium pflegte zu sagen, jeder Mensch hat seine eigene Sprache, den einen versteht man anhand von Blumen, den anderen durch Bücher …“ Seite 20