Flucht von Hakan Günday

Hakan Günday

Hakan Günday, geboren 1976, studierte Französisch in der Türkei und in Brüssel, anschließend Politikwissenschaften in Ankara. Diplomatensohn, Bestsellerautor, Drehbuchautor, Provokateur, Enfant terrible der jungen türkischen Literatur. Seine Romane sind gleichermaßen Bestseller wie Kultbücher. Seine vielen Fans feiern ihn für seine politischen Kolumnen, seine öffentlichen Debatten und dafür, dass alles, was er tut, aus dem Rahmen fällt.

„Wäre mein Vater kein Mörder gewesen, hätte ich nie das Licht der Welt erblickt.“ – Mit diesen erschütternden Worten fängt das Buch von Hakan Günday an. Der Protagonist Gâza ist erst neun Jahre alt, als er erfährt, dass sein Vater Ahad ein Schleuser ist und Menschen in einem Depot im Garten versteckt um sie danach mit dem LKW zu transportieren.

Das Buch besteht aus jeweils vier großen Kapiteln, die mit Maltechnicken der Renaissance eingeleitet werden und somit ein Hinweis auf Gâza, der sich in der Geschichte drastischen Änderungen unterziehen wird, geben. Als kleiner Junge ist er noch unwissend und versucht Antworten auf Fragen wie, „wollte meine Mutter mich direkt nach meiner Geburt umbringen?“ zu finden.

Im ersten Kapitel entwickelt sich Gâza zu einem Charakter, den man einfach nicht mögen kann. Er sieht die Menschen im Depot als Waren an und macht mit ihnen Versuche, die er in einer wissenschaftlichen Ausarbeitung versucht, festzuhalten. Er installiert Kameras im Depot und schaut den Menschen darin zu. Geilt sich an ihnen auf. Erkennt von Tag zu Tag seine Macht über ihnen. Es reicht schon aus, dass er das Licht an und ausschaltet.

Im weiteren Alter scheut er sich nicht davor, sich die schönen Mädchen auszusuchen und sie zu vergewaltigen. Im zweiten Kapitel passiert ein Unfall, der Gâzas Leben einen entscheidenden Wandel gibt. Als er mit seinem Vater die Menschen transportiert, fährt sein Vater den LKW, nachdem Gâza ihm Fragen über seine Mutter gestellt hat, in den Abgrund. Es ist mehr ein Selbstmord als ein Unfall. Gâza verbringt 300 Stunden inmitten der Leichen aus dem LKW und ist der einzige überlebende. Die Stunden die er dort verbringt sind dermaßen detailliert erklärt, dass Gâza ab diesem Moment für den Leser nur noch wie ein Raubtier erscheint. Ein krankhafter Charakter, der sich sogar an einer Leichenbrust aufgeilen kann. – Ich hatte mit dieser Stelle zu kämpfen. Danach musste ich das Buch beiseite legen und das Gelesene verarbeiten.

Nachdem Unfall ist Gâza nicht mehr zurechnungsfähig. Er wird zwar von einigen gefördert und darf sogar studieren, da er immer sehr gut in der Schule war, doch seine Haltung gegenüber Menschen führen ihn in eine Nervenklinik. Er wird dort behandelt und nachdem er entlassen wird, kann er nicht unter Menschen sein. Kann mit ihnen nicht reden, weder noch einem die Hand schütteln. Im weiteren Verlauf des Buches kehrt er zurück zum Depot. An dieser Stelle musste ich an das Sprichwort – ein Mörder kehrt immer zum Tatort zurück – denken.

Meine Meinung:

Dieses Buch von Hakan Günday habe ich vor Monaten in türkisch angefangen und es nicht weiter gelesen, weil es mir sehr extrem und hart vor kam. Die deutsche Sprache empfinde ich in einigen Zusammenhängen nicht so emotional und hart wie meine Muttersprache. Deshalb habe ich das Buch nochmal auf deutsch angefangen und ich muss sagen, dieses Buch ist nichts für Leute, die zart betucht sind. Es spielt mit den Nerven, mit den Gefühlen und provoziert durch und durch. Doch das ist die Art Gündays. Wer andere Bücher von ihm gelesen hat, weiß, dass er keinen Blatt vor den Mund nimmt. Er hat mit Gâza einen Charakter geschaffen, der einen kurz inne halten lässt und an die Geschehnisse an den Grenzen denken lässt. Menschen werden als Ware angesehen und von Schleusern, mit der Hoffnung nach Europa zu kommen, reingelegt. Es ist noch nicht lange her, dass die Leiche eines kleinen Jungen an die Ägäisküste der Türkei gestrandet ist.

Notizen:

Wie oft beichtet man ein und dieselbe Sünde ein und demselben Menschen? (Seite 13)

Kaum hielt ich in jenem Sommer men Schulzeugnis in der Hand, wurde ich zum Menschenhändler. (Seite 15)

Alles war Mathematik. Eine bloße Subtraktionsaufgabe. Wüsste ich, was übrig blieb, wenn ich meinen Hass von der Welt subtrahierte, wäre die ganze Geschichte zu Ende. (Seite 100)

Es gibt so Nächte … Nächte wie Sägemehl … Nächte, die jede Schuld aufsaugen und jeden Schuldigen unschuldig in den Morgen entlassen … (Seite 220)

 

 

 

Unsere Seelen bei Nacht – Kent Haruf

Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf ist im März 2017 im Diogenes Verlag erschienen.

Klappentext:

Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.

 

Inhalt:

Der Klappentext sagt schon vieles von diesem Buch voraus. Addie ist verwitwet und klingelt eines Abends bei ihrem Nachbarn Louis und fragt ihn, ob er nicht bei ihr schlafen möchte. Louis ist ihr seit Jahren bekannt und auch er ist einsam.

Sie will ihre Einsamkeit teilen. Abends im Bett liegen und neben sich einen Menschen haben, den sie kennt und dem sie nach und nach vertrauen kann.

Auch wenn es Louis als erstes komisch vorkommt, willigt er ein und geht Abends, wenn ihn keiner sehen kann zu Addie. Die ersten paar Male ist es für beide komisch, doch mit der Zeit gewöhnen sie sich aneinander. Sie reden von ihren Partnern, ihren Kindern, ihren Schicksalen.

Wer sie sind, wer sie einmal waren und was sie zu dem gemacht hat, was sie heute sind.

Es geht in diesem Buch nicht um Sex. Es geht durch und durch um die Einsamkeit.

In einem kleinen Ort wie Colorado spricht sich so etwas schnell herum. Die Menschen schauen sie komisch an und es ist klar, dass sich schnell Gerüchte herumsprechen werden.

So kommt es auch, dass Louis‘ Tochter und Addies Sohn davon erfahren und versuchen ihre Elternteile zurechtzuweisen. Sie wollen nicht, dass sie sich treffen, gar beieinander übernachten.

Addie ist es von Anfang an egal, was die Menschen denken werden. Sie ist einfach zu Erwachsen und alt um sich Gedanken darüber zu machen, was andere Menschen reden werden und sie erlaubt es keinem, sich in ihr Leben einzumischen.

 

Meine Meinung:

Das Buch ist sehr tiefgründig. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie schlimm es sein kann, wenn man einen Menschen verliert, den man über Jahre hinweg an seiner Seite wusste.

Man ist daran gewöhnt nach Hause zu kommen, diese Person um sich zu haben, für diesen Menschen zu sorgen, zu lieben und geliebt zu werden. Und eines Tages ist einer der Parteien verstorben und der andere steht da und ist alleine.

Einsam sein möchte niemand. Und das ist Addies einziger Wunsch. Nicht einsam zu sein. Sie beweisst Stärke und traut sich Louis zu fragen. Könntest du es? Wärest du dazu bereit deine Einsamkeit gegen Zweisamkeit zu tauschen, wenn du wüsstest, dass du zum Redestoff der ganzen Stadt wirst?

 

Arda und der Spuk von Tegel

Ein Tegeler Abenteuerroman

 

Nesrin Kismar, geboren 1973 in Izmit in der Türkei, studierte an der Teknik Üniversitesi in Istanbul Physik, lebt seit 1994 mit ihrem Mann und inzwischen 4 Söhnen in Berlin. Sie schreibt Kinderbücher und Romane.

 

Klappentext:
Arda war ein fröhlicher und neugieriger Junge im Alter von 11 Jahren. Er lebte mit seinen Eltern in Nordberlin im grünen Tegel. Sein Vater Ahmet hatte einen Dönerladen, der durchgehend geöffnet war, das bedeutete 7 Tage in der Woche und fast 20 Stunden am Tag. Während Ahmet viel arbeitete, kümmerte seine Frau Reyhan sich um Haus und Kind. Reyhan stand immer früh auf und verbrachte ihr halbes Leben in der Küche. Lennard war der beste Freund von Arda. Und ihre Mütter waren auch gute Freundinnen. Als Arda mit seinem Freund in den Sommerferien zusammen durch die Gegend radelte, lernte er die Geschichten und Geheimnisse des grünen Tegel kennen, aber auch seine eigene Familiengeschichte, die mit Tegel eng verbunden war.

Inhalt:
Wie der Klappentext schon voraussagt, dreht es sich in dieser Geschichte um die zwei Freunde Arda und Lennard. Sie sind eng miteinander befreundet und lieben es mit ihrem Fahrrad in Tegel Touren zu unternehmen.
Als sie eines Tages im Wald ein kaputtes Nummernschild finden und dies der Polizei melden, fängt der ganze Spuk an.
Als erstes müssen sie sich gegenüber ihren Eltern verteidigen, da sie diese Aktion bei Nacht und Nebel vorgenommen haben und sich dafür aus dem Haus geschlichen haben.
Sie hören, dass es Spukgeschichten über Tegel gibt und versuchen diesen Geschichten nachzugehen und herauszufinden, um was es sich bei dem Spuk handelt.
Während Arda mit Lennard diese Aktion ausübt, befindet sich sein Vater in der Türkei. Ardas Großvater ist erkrankt. Als Ahmet wieder zurück in Deutschland ist und von Ardas Aktionen erfährt, ist er als erstes mal sauer. Als zwei Polizisten an der Tür erscheinen und erklären, dass die beiden Jungs durch die Meldung des Nummernschildes ein großes Beweismittel für ein Verfahren geliefert haben, ist Ahmet stolz auf die beiden Jungs.

Meine Meinung:
Nesrin Kismar hat ein spannendes Kinderbuch geschaffen. Sie vereint die beiden Nationen in ihrem Buch und erzählt aus der Sicht einer Familie, die mittlerweile in der dritten Generation in Deutschland ist, wie sehr die Integration funktioniert hat. Sie schildert durch ihre Worte die Gefühle von Millionen von Türken. Auf der einen Seite ist man hier zuhause, doch die Sehnsucht nach der fernen Heimat ist groß.
An vielen Stellen im Buch habe ich meine eigene Kindheit herausgelesen. Wie ich mit meinen deutschen Freunden gespielt habe ohne darüber nachzudenken, dass man doch verschieden ist, aber doch gleich. Kinder eben.

Das Buch ist empfehlenswert.

Stellen, die mich bewegt haben:

Seine Mutter sprach mit ihm zuhause nur Türkisch. Sie sagte immer, dass die Muttersprache sehr wichtig sei, und wenn man seine Muttersprache richtig beherrsche, könne man auch eine zweite Sprache gut lernen. (Seite 12)

Er legte sich ins Bett und dachte darüber nach, was seine Mutter ihm erzählt hatte. Er war eine Tegeler Pflanze miz Wurzeln, die sich bis in die Türkei erstreckten. (Seite 23)

„Ich habe irgendwo gelesen, dass die Türken mit dem Koffer in der Hand leben. Wenn sie nicht ins Ausland wandern, ziehen sie nach Istanbul um!“ (Seite 72)

 

 

Wer falsch liegt, hat immer recht – Logikrätsel und philosophische Knobeleien

Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Und ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Philosophieprofessor Roy Sorensen präsentiert kurzweilig und amüsant ein Sammelsurium an Gedankenverdrehern, Seltsamkeiten und Dilemmata, die unser logisches Denken herausfordern und uns in die Welt von Platos Höhle, Wittgensteins Untersuchungen und Schopenhauers Intelligenztest entführen. Bei der Lektüre kommt der Leser nicht nur gehörig ins Grübeln, sondern erfährt auf charmante Art und Weise, wie Descartes einmal in einer Kneipe verschwand, was es mit der Hummer-Logik auf sich hat und wie man sich den Abwasch fair mit dem Partner teilt.
Ein philosophisches Kuriositätenkabinett, das seine Leser überrascht, erleuchtet und verblüfft – vor allem aber hervorragend unterhält.

Roy Sorensen ist Professor für Philosophie an der Washington University in St. Louis. Er hat bereits mehrere populär-wissenschaftliche Bücher veröffentlicht.

Das Buch beginnt mit einer Widmung Sorensen an seinen gebrochenen Arm und dann erklärt er, dass einiges nur ein Phantom sein kann, wie ein Phantomarm. Er gibt am Anfang des Buches an, dass die Rätsel und Fragestellungen, die gestellt werden und im Buch aufgedeckt werden, mit einer kleinen Glühbirne gekennzeichnet sind.

Danach beginnt ein sehr interessantes Sachbuch. Von Alles ist möglich? bis hin zu dem Ei der vom Huhn kam oder doch von der Ellipse entstand. Von den Gebrüder Grimm,  bis hin zu Chomsky und der Schriftstellerin Carroll Lewis (Alice im Wunderland) ist alles vertreten.

Sehr interessant war für mich Schopenhauers Intelligenztest. Zu Beginn wurde man mit der Frage:

Was kommt mit einem Wagen, geht mit dem Wagen, hat keinen Zweck für den Wagen, und doch kann der Wagen sich nicht ohne es bewegen?

konfrontiert. Und dann gerät man ins Grübeln und während dem Weiterlesen hofft man auf die Antwort und im Gehirn versucht man weiter zu raten.

Das Buch ist sehr gut gestaltet. Eine wirkliche Einteilung in Kapitel gibt es nicht. Die einzelnen Rätsel werden mit einer etwas größer gedruckten Überschrift eingeleitet.

Die Glühbirne zeigt, dass nun etwas kommt, was einen zwar ins Grübeln versetzt aber aufgedeckt wird.

 

Meine Meinung:

Ich selbst lese eigentlich kaum Sachbücher, außer für meine Arbeit. Doch als ich den interessanten Titel gelesen habe dachte ich mir, dass ich dieses Buch lesen muss. Ich muss sagen, dass ich es nicht bereut habe. Das Sachbuch hat mich morgens auf dem Weg zur Arbeit begleitet und mich durch seinen Inhalt am frühen Morgen geweckt. 🙂

Ich danke Rowohlt für das Rezensionsexemplar.

Was gehört Ihnen, wird aber von anderen mehr als von Ihnen selbst benutzt?

 

Der Duft von bitteren Orangen

Nadias Blick war mitfühlend, doch sie hatte im Leben gelernt, dass Anteilnahme weder den Magen füllte noch einen nachts warm hielt.

Das Buch „Der Duft von bitteren Orangen“ von Claire Hajaj erschien unter dem blanvalet Verlag am 19.12.2016.

Klappentext:

Kann Liebe wachsen, wo Hass gesät wird?

Jaffa, April 1948. Der siebenjährige Salim, Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters, darf endlich die ersten Früchte des Orangenbaums ernten, der zu seiner Geburt gepflanzt wurde. Doch der Krieg bricht aus und seine Familie muss fliehen. Von nun an hat er nur noch einen Traum: eines Tages zu seinem Baum zurückzukehren. Zur selben Zeit wächst Judith mit ihrer jüdischen Familie in England auf – und sehnt sich nach einem Leben jenseits der dunklen Schatten der Vergangenheit. Als Salim und Judith sich im London der Sechzigerjahre begegnen und ineinander verlieben, nimmt das Schicksal seinen Lauf und stellt ihre Liebe auf eine harte Probe …

„Ach, Salim, du weißt es doch besser. Zu Hause ist man nicht dort, wo man am längsten gelebt hat; es ist ein Gefühl da drin.“ Sie tippte ihm auf die Brust.

Die Autorin:

Claire Hajaj, 1973 in London geboren, hat ihr bisheriges Leben zwischen zwei Kulturen, der jüdischen und der palästinensischen, verbracht und versucht, sie zu vereinbaren. In ihrer Kindheit lebte sie sowohl im Nahen Osten als auch im ländlichen England. Sie bereiste alle vier Kontinente und arbeitete für die UN in Kriegsgebieten wie Burma oder Bagdad. Sie schrieb Beiträge für den BBC World Service, außerdem veröffentlichte sie Artikel in Time Out und Literary Review. Ihren Master in Klassischer und Englischer Literatur hat sie in Oxford gemacht. Zur Zeit lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Beirut.

Inhalt:

Das Buch beginnt im Jahre 1948 in Palästina. Unser Protagonist Salim ist zu diesem Zeitraum sieben Jahre alt und freut sich darauf, die Orangen von seinem Orangenbaum zu züchten, der zu seiner Geburt von seinem Vater Hasan Al-Ismaeli gepflanzt wurde. Doch der Krieg bricht aus, die Juden marschieren ein und Familie Al-Ismaeli flüchtet nach Nazareth, zur Salims älteren Schwester aus der ersten Ehe seines Vaters.

Seine Mutter verlässt kurz danach die Stadt und verlässt Salim und seinen Vater. Seinen kleinen Bruder Rafan nimmt sie mit.

Die Geschichte springt dann zur Judith über. Wir lernen das jüdische Mädchen Judith, welches von ihren Freunden den Spitznamen – Jude – bekommen hat kennen. Sie steht kurz vor ihrer Bat Mizwa, ihrer Glaubensmündigkeit.

Jahre vergehen und 1978 lernen sich Salim und Jude kennen. Wie das Schicksal es will, verlieben sie sich ineinander. Sie kämpfen mit den Vorurteilen ihrer Kulturen, die gegenseitig vorhanden sind und wissen, dass ihr Weg kein leichter wird. Trotz den ganzen Problemen heiraten sie miteinander.

Im Jahre 1982 wird Salim durch seine Arbeit nach Kuwait geschickt. Dort beginnt ein interessantes Leben für sie. Jude versucht Arabisch zu lernen und möchte an der Volkshochschule lehren. Sie haben zwei Kinder. Die Zwillinge Sophie und Marc.

Salim erleidet in Kuwait eine Niederlage nach der anderen. Er verliert seine Arbeit und wird dann reingelegt. Er denkt dass er sich als Geschäftsführer qualifizieren kann, doch seine Wurzeln führen immer wieder dazu, dass er nicht als Engländer, der dort gelebt und studiert hat, angesehen wird.

Als sein jüngerer Bruder Rafan, mit dem er sich vorher in Beirut getroffen hat, aufeinmal in Kuwait bei Salim und Jude auftaucht, erwarten die Familie harte Zeiten.

Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Jude und Salim. Salim ist härter geworden. Er ist sauer auf die Gesellschaft  und regt sich darübr auf, dass man ihn nicht anerkennt und diese Wut lässt er oft an Jude und den Kindern in verbaler Form raus.

Wird die Liebe zwischen Jude und Salim die Vergangenheit überstehen? Kann Salim in sein Land zurück und seine Orangenbäume sehen? Lest selbst.

 

Meine Meinung:

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. Die Sprache die Claire Hajaj nutzt ist sehr verständlich. Sie benutzt sehr oft arabische und hebräische Wörter, die man in einem Glossar am Ende des Buches nachschlagen kann. Zwar kommt man kurz aus dem Redefluss dadurch heraus, aber wenn man sich dann die Wörter gemerkt hat, muss man nicht mehr nachschauen.

Die Geschichte von Salim und Jude hat mich sehr berührt. Durch beide Charaktere wird veranschaulicht, welche Probleme und Schicksale beide Kulturen durchgemacht haben und wie schwierig es sein kann, gegen Vorurteile zu kämpfen.

Du kannst ja weiter tun, als gebe es keinen Krieg, wenn dir das so lieber ist. Doch er tobt überall um uns herum. Und sie, was aus mir geworden ist, während ich die Augen davor geschlossen habe und meinen großen Träumen nachgejagt bin. Ich bin weder Engländer noch ein richtiger Araber.

 

 

 

Jane Austen – Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt

Warum Mr Darcy noch immer Herzen im Sturm erobert

Haben Sie schon einmal von Mr. Darcy geträumt? Wären Sie nicht auch gern die Auserwählte, der ein Gentleman wie Mr Knightley beim Contredanse sehnsüchtige Blicke zuwirft? Wie es im Herzen der Frauen aussieht, weiß keine Autorin so gut wie Jane Austen. Noch heute lieben und leiden viele Leserinnen mit den Schwestern Bennet und Dashwood, und die Welt der englischen Klassikerin fasziniert nicht weniger als vor 200 Jahren. Holly Ivins gewährt uns Blicke hinter die Fassaden der prunkvollen Herrenhäuser und beschreibt mit großer Lust am Detail, wie man sich als Dame schicklich kleidete und wie ein Gentleman seiner Angebeteten formvollendet den Hof machte. Sie erzählt davon, was Mann durfte, Frau aber nicht, für die es sich vor allem nicht ziemte, Romane zu schreiben. Lassen Sie sich entführen in den Alltag in der Regency-Zeit – Holly Ivins weiht Sie ein in die Geheimnisse von Jane Austen. (Quelle: randomhouse.de)

Holly Ivins (Autorin)

Holly Ivins studierte an der University of St Andrews englische Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt Romantik. Sie lebt in London, arbeitet im Verlagswesen und liest leidenschaftlich gern Jane Austen und andere Klassiker.


Das Buch ist zusammen mit der Einleitung insgesamt in 7 Kapiteln geschrieben.
In der Einleitung stellt Ivins Jane und Janes Familie vor und beschreibt detailliert zu jedem Familienmitglied alle bekannten Daten.
Insgesamt hatte Jane Austen 7 Geschwister. George Austen (1766 – 1838), der Bruder von Jane war der wohl taub und über ihn gibt es nicht so viele Daten.

Ansonsten ist über ihn nicht viel bekannt; er und Jane sind die einzigen Familienmitglieder, von denen kein offizielles Porträt angefertigt wurde. (Seite 15)

Das Haus Austen war von intellektuellen Diskussionen geprägt. Vater von Jane Austen hat sie im Schreiben immer unterstützt, obwohl dies zur damalige Zeit nicht angesehen war. Eine Frau durfte nicht schreiben und dies war der Grund warum Jane Austen am Anfang ihre Bücher nicht mit ihrem Namen veröffentlichte.
Im zweiten Kapitel geht die Autorin in die damalige Regency-Zeit ein und beschreibt wie diese Zeit Austens Werke geprägt hat.
So ist es sehr interessant gewesen, wie damals Briefe geschrieben worden sind.

Zum Schreiben verwendet man einen Federkiel, und das Blatt wurde so gefaltet, dass eine leere Seite für die Adresse blieb. Man versuchte, so viel Inhalt wie möglich auf einer Seite unterzubringen, da sowohl das Papier als auch Porto teuer waren. Um Platz zu sparen, schrieb man gern >>über Kreuz<<: wenn eine Seite voll war, drehte man das Blatt um hundertachtzig Grad und schrieb zwischen den bereits bestehenden Zeilen weiter. (Seite 54)

Jedes Kapitel fängt mit einem Zitat an. Im 5. Kapitel werden alle Werke von Jane Austen vorgestellt. Und die ganzen Charaktere die zu diesen Werken gehören werden in kurzen Absätzen erläutert.

Meine Meinung:
Ich habe bisher von Jane Austen „Mansfield Park“ und „Stolz & Vorurteil“ gelesen. Dank dieser Entdeckungsreise in Jane Austens Leben werde ich die anderen Bücher auch lesen. Dieses Buch ist durch und durch empfehlenswert, für Jane Austen Fans und für die, die es werden wollen. Was ich noch so toll fand, waren die kleinen Randbemerkungen, die mit Apropos eingeleitet wurden. Das Buch ist mit seinem Cover und diesen kleinen Randbemerkungen sehr schön gestaltet.

 

Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch – ein wenig ferne Heimat

Hardcover | 192 Seiten | Knaus Verlag

Asli Erdogan, geboren 1967 in Istanbul, studierte Informatik und Pyhsik und arbeitete einige Jahre als Physikerin am CERN bei Genf, ehe sie sich auf das Schreiben konzentrierte. 2010 wurde sie mit dem bedeutendsten Literaturpreis der Türkei ausgezeichnet. Als Kolumnistin schrieb sie zunächst für die Zeitung Radikal, ab 2011 für die kurdisch-türkische Zeitung Özgür Gündem. Im August 2016 wurde Asli Erdogan nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei zusammen mit 22 anderen Journalisten der Zeitung verhaftet und Ende Dezember 2016 für die Dauer des laufenden Prozesses unter Auflagen entlassen.

Inhalt:

Sie sagte, sie sei nicht einmal Kurdin. Genau das machte sie jedoch für die Politik des Präsidenten so gefährlich. Asli Erdogan ist eine „weiße Türkin“.  […], war sie von Kindertagen an auf Bildung fokussiert. (Seite 24)

Das Buch beginnt mit einem langen Vorwort von Cem Özdemir. Er beschreibt die Politische Entwicklung der Türkei. Ohne diese Schilderung, wäre es für außenstehende Leser wahrscheinlich schwierig geworden, die Texte von Asli Erdogan zu verstehen.

Danach beginnen die Essays von Asli Erdogan. Sie schreibt sehr gefühlsvoll und poetisch. Sie schreibt über die Samstagsfrauen der Türkei, über die Gezi-Proteste. Über den armenischen Schriftsteller Hrant Dink, der im Jahre 2007 vor seiner Zeitung erschossen wurde. Und darüber, dass sie nicht schweigen möchte.

Ich will nicht Mittäterin sein an der Ermordung von Menschen, und auch nicht an der Ermordung von Worte, an der Ermordung der Wahrheit. (Seite 62)

Sie schreibt über den Krieg an den Grenzen der Türkei. Sie setzt sich mit ihren Texten für die Kurden ein, was in Augen einiger ein Dorn ist.

Genau deshalb wurde sie meiner Meinung nach, nach dem von wegen verhinderten Militärputsch inhaftiert und ist nun auf freiem Fuß und darf die Türkei nicht verlassen.

Sie schreibt über die Gewalt an Frauen und erinnert in einem ihrer Texte an Özgecan Arslan, das junge Mädchen, welches von einem Busfahrer vergewaltigt und danach umgebracht worden ist.

Du denkst, das Leben ist ein unfähiger Schriftsteller, der mit Tragödien nicht zurechtkommt und sich deshalb auf billige Dramen verlegt. (Seite 97)

Meine Meinung:

Als Türkin habe ich dieses Buch mit einem weinenden Auge gelesen. Ich kenne die Ereignisse, die Asli Erdogan in ihren Essays schildert und bin durchaus davon überzeugt, dass dieser Wahnsinn, der sich zur Zeit in meiner fernen Heimat abspielt, nur dann enden kann, wenn die Menschen sich nicht beeinflussen lassen, alles erforschen und sich Fragen zu den Geschehnissen stellen. Wenn sie logisch darüber nachdenken, was sich in den letzten 13 Jahren entwickelt oder doch zurückentwickelt hat und dem ganzen ein Ende setzen, in dem sie das sagen, was sie denken, ohne Angst davor zu haben, Gewalt am eigenen Leibe zu erfahren.

 

Quarter Life Poetry | Samantha Jayne

Quarter Life Poetry | Taschenbuch | 176 Seiten | btb

Info:

Samantha Jayne weiß, dass das Leben nach der Uni alles andere als glamourös ist. Während alle anderen Kinder kriegen, den Traumjob ergattern und den Studienkredit abbezahlen, spricht ihre Poetry mit kongenialen Illustrationen für alle, die verstanden haben, dass das hier nicht »die besten Jahre deines Lebens« sind. Quarter Life Poetry zeigt die Struggles einer Generation zwischen Dating-Apps, ziemlich mittelmäßigem Sex und schlecht bezahlten Jobs. Einer Generation, die so witzig, cool und selbstironisch an sich zweifelt, wie es noch keine vor ihr getan hat.

Inhalt:

Ein sehr witziges Buch über das Leben nach dem Studium und die Generation „Andere bekommen Kinder. Bei mir überlebt nicht mal ein Kaktus.“
Samantha Jayne beschreibt in vier zeiligen Gedichten wie das Leben ab 25 sich entwickelt.

Sie schreibt von der Schwierigkeit den Studienkredit abzubezahlen, den richtigen Mann kennenzulernen, einen anständigen Job zu finden, den Bügeleisen zu bedienen und wie sich die Einladungen zu Hochzeiten von Freunden auf der Kühlschranktür häufen.

Jede Seite ist mit einer Karikatur bedruckt. Somit ist auch das Buchcover einer dieser Karikaturen. Das Buch ist untergliedert in Kapitel mit Themen wie, Alltag, Geld, Essen, Social Life, Sex, Liebe, Hochzeiten, Fashion, Arbeitslosigkeit und Job, welche sie Sturggles nennt.

In der Einleitung beschreibt die Schriftstellerin, dass man ihr sagte, dass dies ein Buch werden soll, welches auf dem Klo gelesen wird. Sie ist zwar der Meinung, dass man es durchaus auch woanders lesen kann, aber sei es drum, dann lachen wir halt alle gemeinsam irgendwo auf unseren Klos …

Fazit:

Ein witziges und zu gleich poetisches Buch, welches wirklich im Badezimmer neben dem Klo griffbereit für die Gäste zur Verfügung gestellt werden kann.

Wenn ihre Gäste dann längere Zeit nicht mehr heraus kommen, wissen sie bescheid. 🙂

 

 

 

Mädchen aus Papier | Sina Flammang

Erscheinungstermin: 20. März 2017

Hardcover | 352 Seiten | cbt

Mari ist drei, als ihre Schwester in einem Kaufhaus spurlos verschwindet. Seit Mari sich erinnern kann, schwebt der Schatten der verlorenen Tochter über der Familie und lässt die Verschwundene beinahe realer scheinen als sie selbst. Als Annika nach zwölf Jahren wie aus dem Nichts wieder auftaucht, sind alle überfordert von diesem Geistermädchen, das verschlossen, unzugänglich und geheimnisvoll ist. Während die Eltern krampfhaft heile Welt spielen, fühlt Mari sich mehr und mehr verdrängt. Bis ihr irgendwann nichts anderes übrig bleibt, als selbst zu verschwinden. Zusammen mit ihren Freunden Clementine und Ole macht sie sich auf einen irrwitzigen Trip nach Italien – um am Ende doch zurückzufinden.


Inhalt:
Maris Schwester Annika ist mit fünf Jahren verschwunden. Mittlerweile sind 12 Jahre vergangen. Mari ist für ihre Eltern ein Vorzeige-Kind. Sie versuchen nach außen hin ihren Anschein von einer tollen Familie, die den Verlust von Annika verkraftet hat, zu bewahren.
Mari nimmt an einer Selbsthilfegruppe teil. In dieser Gruppe befinden sich weitere Kinder, deren Geschwister ebenfalls verschwunden sind. Mari lernt in dieser Gruppe Clementine und Ole kennen.
Clementine leidet offensichtlich an Magersucht und Oles Bruder ist während einem Urlaub in Italien verschwunden.
Ole ist der absoluten Überzeugung, dass er seinen Bruder finden wird und betreibt deshalb einen Blog.

Nach 12 Jahren stehen auf einmal zwei Polizisten an der Tür zur Maris Elternhaus und berichten, dass sie Annika gefunden haben. Ein DNA-Test wird durchgeführt und somit steht fest, dass Annika wirklich die verschwundene Tochter ist.
Mit einem Therapeuten wird Annika als erstes immer wieder zum Kuchen essen, zu Ausflügen mit der Familie eingeladen und zieht dann bei ihrer Familie ein.

Maris Mutter ist sichtlich überfordert und sie und ihr Vater tun alles Erdenkliche, damit sich Annika wohl fühlt. Doch Mari kommt es so vor, als würden sie sie vernachlässigen und sie erkennt ihre Schwester Annika einfach nicht mehr.
Annika behauptet zuhause gewesen zu sein, obwohl Clementine, Ole und Mari sie in der Stadt gesehen haben. Es ist sehr offensichtlich, dass Annika etwas verheimlicht. Aber was?

Fazit:

Ich weiß nicht wirklich was ich über dieses Buch denken soll. Ich habe es mir ausgesucht, weil der Klappentext sich so spannend angehört hat. Entführung von Kindern ist ein schwieriges Thema und kann meiner Meinung nach mehr ausgebaut werden. Dass Mari sich ein wenig vernachlässigt vorkommt konnte ich verstehen, doch habe ich mich über sie aufgeregt, da sie definitiv nicht versucht hat, ihre Schwester zu verstehen.

Die Italien-Reise, die im Klappentext für Neugier sorgt, kommt definitiv zu spät im Buch vor.

Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen.

Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge | Matteo Corradini

Ein Roman über die Kinder von Theresienstadt
Erscheinungstermin: 10. April 2017

Taschenbuch | 288 Seiten | cbj

Theresienstadt 1942: Die Nazis haben ein Lager für Juden errichtet, das zeitweise als Vorzeigelager dient. Doch es ist nur eine Station auf dem Weg in die Vernichtungslager. Inmitten dieser Hoffnungslosigkeit gründen Kinder eine Zeitschrift, um gegen das Grauen anzuschreiben. Sie treffen sich heimlich und verfassen Berichte über das Lager. Aber sie zeichnen auch Bilder, führen Interviews oder schreiben Gedichte.

Matteo Corradini bringt dem Leser auf berührende Weise das Schicksal dieser Kinder nahe.

Der Autor

Matteo Corradini, geboren 1975, ist Hebraist und Schriftsteller. Er beschäftigt sich mich Didaktik der Schoah und arbeitet an verschiedenen Kunstprojekten. Er forscht in den Niederlanden und in Theresienstadt, wo er Geschichten und Gegenstände, vor allem Musikinstrumente, wieder zum Leben erweckt. Matteo Corradini ist außerdem der Kurator der neuen italienischen Ausgabe von Anne Franks Tagebuch.

„Hab ich doch schon gesagt. Als der erste Wachmann das Blut gesehen hat, musste er sich übergeben.“

„Der muss neu sein.“ Seite 32

Inhalt:

Am Anfang im Vorwort erklärt der Autor, dass er im Jahre 2002 zum ersten mal in Theresienstadt gewesen ist. Er schreibt davon, dass in den Augen der Nazis Theresienstadt der ideale Ort war, an den sie die tschechischen Juden deportierten.

Die Nazis schafften nach Außen hin eine Idylle in Theresienstadt und wollten damit beweisen, dass den Juden gar nichts Schlimmes passierte.

Das Buch handelt von 8 Knaben, die in Theresienstadt im Heim Nr. 1 (L 471) untergebracht waren und heimlich eine Zeitung Namens Vedem herausbrachten.

Dazu schrieben sie Gedichte, erzählten von den Umständen und Geschehnissen im Lager.

Sie sammelten von den Kindern im Lager Zeichnungen, Gedichte und führten Interviews. Egal welche Neuigkeiten im Lager passierten, die sie manchmal nachts heimlich mitbekamen, kam in ihre Zeitschrift. Einmal in der Woche versammelte sich die Redaktion, so nannten sie sich, und sprach darüber, was in die nächste Ausgabe kommt.

Der Autor lässt immer den selben Jungen als Protagonisten reden und dieser Junge hat immer wieder Alpträume. Der Übergang zu den Alpträumen ist nicht erkennbar und führt beim Leser zur einer kurzen Orientierungslosigkeit. Somit musste ich ein paar mal zurückblättern um den Faden wieder zu erwischen.

Das Ende der Geschichte ist klar. Man muss es wohl nicht erwähnen, dass die Jungs alle zusammen nach Auschwitz gebracht worden sind.

Vedem 

Diese Zeitschrift war ausschließlich die Sache der Jungen. Ihre Lehrer schrieben nur hie und da Beiträge. Jeden Freitagabend setzten sie sich zusammen und jeder, der in dieser Woche etwas geschrieben hatte, stand auf und las seinen Beitrag vor.

Die Zeitschrift wurde jeweils nur in einem Exemplar aufgelegt und wanderte von einem Leser zum anderen. Die erste Nummer ist mit dem 18. Dezember 1942 datiert, die letzte erschien wahrscheinlich am 30. Juli 1944. Insgesamt – mit den Abbildungen – liegen 800 Seiten Text vor, von denen die ersten 190 in Maschinenschrift, die übrigen in Handschrift auf DIN-A-4-Blättern geschrieben sind. Es war jedes Exemplar also ein Original und ein Unikat, und selbstverständlich war es vor den deutschen Bewachern zu verstecken. Die meisten Exemplare der Zeitschrift VEDEM sind in einem guten Zustand erhalten geblieben und werden im Archiv der Gedenkstätte Theresienstadt aufbewahrt. (Quelle: Theresienstadt Lexikon)

Fazit:

Dadurch dass das Buch auf wahren Begebenheiten beruht und ich immer wieder gerne Literatur zu dieser Zeit und deren Schicksalen lese, habe ich mir dieses Buch ausgesucht und es keineswegs bereut. Die Geschichte von damals ist und bleibt eine Geschichte der Zeit, über die sich jeder Gedanken machen sollte und darüber lesen sollte.

Dadurch dass ich vorher noch nie von der Zeitschrift Vedem gehört hatte, war dieses Buch umso spannender und wichtig für mich. Es ist auf jeden Fall lesenswert. Ich kann es nur empfehlen. Das einzige was mir gefehlt hat, waren ein paar Seiten der Zeitschrift im Buch, welche ich mir dann mit einer kleinen Internetrecherche selbst herausgesucht habe.

Zum Schluss noch paar Stellen aus dem Buch, die mich bewegt haben:

In den meisten Fällen hat ein Krimineller das Recht, weiterzuleben. Ein Jude nicht. das ist der Unterschied. Seite 26

Ich war der Meinung, dass man für den Widerstand zumindest ein Gewehr braucht, aber wir schreiben seit zwanzig Wochen unsere Vedem und sind immer noch am Leben, außer Jiri natürlich, aber daran war nicht die Zeitung schuld, man hat ihn umgebracht, einfach so, wir alle waren dabei. Seite 63

Wir können die Wunden nicht heilen, aber wir können von ihnen berichten. Unsere Bleistifte sind wie Skalpelle und wie Nadeln, um die Wunden zu nähen. Seite 71

Danke an cbj für das Rezensionsexemplar.