Die Weiße Rose – Wie aus normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden

Klappentext:

Die Weiße Rose ist eine der bekanntesten Widerstandsgruppen in der deutschen Geschichte. Insbesondere die Geschwister Sophie und Hans Scholl werden immer wieder als leuchtende Vorbilder genannt. Warum hatten gerade sie den Mut, sich gegen das nationalsozialistische Unrechtssystem aufzulehnen? Miriam Gebhardt beleuchtet die Biografien der Aktivisten und macht deutlich, wie wichtig Familie, Freundschaften und Umfeld für die Mitglieder der Weißen Rose waren. Ihr Buch erzählt eine neue Geschichte der Gruppe und zeigt, wie viel die Botschaft der Widerstandsgruppe uns noch heute, 75 Jahre nach ihrem traurigen Ende, zu sagen hat.

Meine Gedanken:

Wenn man die Weiße Rose hört, denkt man automatisch an die Scholl-Geschwister. Ich zumindest dachte immer an sie. Doch in diesem Buch macht Miriam Gebhardt klar, dass hinter dieser Widerstandsgruppe noch weitere Kräfte standen. Alexander Schmorell, Kurt Huber, Christoph Probst und Willi Graf.
Bis auf Alexander Schmorell waren mir die anderen Namen nicht bekannt.

Das Buch ist in drei große Teile unterteilt. Wachstum. Auseinandersetzung. Bewährung.

Im Teil Wachstum, setzt sich Miriam Gebhardt mit den Familien der Charaktere auseinander. Gibt einen Einblick in ihre Familienverhältnisse und die die Erziehung und Bildung die sie alle genossen.
So wird schon im ersten Kapitel klar, dass diese Menschen ihre Kraft und den Mut zum Widerstand gewollt ungewollt von ihren Familien mit auf den Weg gelegt bekommen haben.

Im zweiten Teil geht es dann darum, wie die Gruppe zueinander gefunden hat und wie sie gemeinsam den Nationalsozialismus hinterfragen und ihre Aktionen starten. Sie bereiten die Flugblätter vor. Treffen sich heimlich zu Lesungen. Nehmen gefährliche Wege auf sich um die Flugblätter an ein weites Publikum heranzubringen. Immer mit der Angst erwischt zu werden.

Im dritten Teil werden die Geschwister Scholl bei ihrer Aktion dann erwischt. Wer kennt es nicht von uns? Das Bild vor den Augen von Sophie Scholl, wie sie die Flugblätter in der Universität in München in die Luft wirft.
Dann fangen die Prozesse an. Man wird Zeuge der Vernehmungen von den Geschwistern und nacheinander der anderen Hauptcharaktere. Diesen Teil habe ich, obwohl ich sehr viel über die Geschichte dieser Vernehmungen weiß, trotzdem mit Herzrasen gelesen.

Im Epilog lernt man noch einige Charaktere, die eher im Hintergrund waren, kennen. Und auch liest man darüber, wie sich die Familien, deren Kinder mit der Todesstrafe verurteilt worden sind, nach dem Tod ihrer Kinder versucht haben, einen Fuß in die Gesellschaft zu setzen. Sehr schwierig war es für sie.

Ich muss sagen, dass mir das Buch im Großen und Ganzen sehr gut gefallen hat. Doch in einem bin ich mir sehr unsicher. Ich weiß nicht, ob ich dieses Buch nur als ein Sachbuch betiteln kann. Es ist vielmehr als nur ein Sachbuch. Ich kann es nur empfehlen.
An dieser Stelle möchte ich mich für das Rezensionsexemplar bedanken.

Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?

Lisa „geht Aldi“, Paul „muss Training“ und die Freunde „sind am Abend Kino“. Was die Soziolinguistin Diana Marossek „Kurzdeutsch“ nennt, zeichnet sich vor allem durch einen Hang zur Verknappung aus, dem nicht bloß Präpositionen zum Opfer fallen. Marossek zeigt ungeahnte Parallelen zwischen dem sogenannten „Türkendeutsch“ und älteren deutschen Sprachgewohnheiten auf, sie erklärt, was eine rituelle Beschimpfung ist und dass viele von uns „codeswitchen“, ohne es zu merken. Müssen wir uns deshalb Sorgen um die deutsche Sprache machen? Nein, sie ist quicklebendig, und die Beschäftigung mit ihr macht großen Spaß. Quelle: Randomhouse

Diana Marosseks Buch ‚Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?‘ ist ein Teil ihrer Doktorarbeit.
Dieses Buch hat mich durch ihren Untertitel ‚Warum wir so reden, wie wir neuerdings reden‘ angesprochen und deshalb habe ich es als Rezensionsexemplar angefragt.
Marossek schreibt in diesem kurzen Buch sehr viel über die Kontraktionsvermeidung und auch über die Artikelvermeidung. So gibt es in dem Buch sehr viele Stellen, die Gespräche von Berliner Schülern wiedergeben, in denen zu erkennen ist, dass es auch ohne Artikel geht und das ganze als Kurzdeutsch betitelt werden kann.
Persönlich als Türkin, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, fand ich natürlich das Kapitel ‚Türkisch‘ sehr interessant.
Türkisch ist eine Sprache, die ohne Verben auskommt. Auch benötigt es keine Präpositionen.
Marossek schreibt, dass die Gastarbeiter aus den 60er und 70er Jahren aus Italien, aber hauptsächlich aus der Türkei, das heutige Kurzdeutsch geprägt haben.

So ist es zu erkennen, dass nicht nur die Gastarbeiter, sondern auch mittlerweile die deutschen Muttersprachler sich dem kurzdeutschen bedienen.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass sich Kurzdeutsch für mich sehr schlimm anhört. Aber auch ich greife zu Kurzdeutsch, wenn ich in dem Moment mir über einen Artikel nicht sicher bin und ganz genau weiß, dass es auch ohne geht.

Ich fand das Buch zwar interessant zu lesen, jedoch habe ich mir durch den Untertitel mehr erhofft. Ich finde, dass die Frage ‚warum wir so reden, wie wir neuerdings reden‘, nicht geklärt wurde.

Ich danke für das Rezensionsexemplar.

Die Liebe im Ernstfall

Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. In diesem Buch geht es um die Geschichte von 5 Frauen.

Jede Frau bekommt ihr eigenes Kapitel und in diesen Kapiteln wird aus ihrer Perspektive erzählt.

Nachdem ersten Kapitel beim Übergang in den zweiten Kapitel wird klar, dass sich die 5 Geschichten dieser Frauen ergänzen wird. Sie sind durch ihre Schicksale verbunden und genau das macht dieses Buch aus meiner Sicht lesenswert.

Jede einzelne dieser Frauen versucht im Leben durchzukommen. Jede von ihnen hat ihre eigenen Probleme und jede von ihnen kommt auf ihre eigene Weise mit diesen Problemen klar, oder auch nicht.

Frauen, die betrogen werden, Frauen, die selbst betrügen, Frauen, die ihre Babys verlieren …

Dieses Buch ist kein Buch über die Liebe. Nein. Es ist ein Buch über die Liebe im Ernstfall. Absolut lesenswert.

Daniela Krien hat eine sehr angenehme und tolle Schreibweise. Ich war direkt nach den ersten paar Sätzen voll in der Geschichte. Das ist zwar mein erstes Buch von Daniela Krien gewesen, bleibt aber definitiv nicht das letzte Buch.

Ich danke Diogenes für das zur Verfügung gestellt Rezensionsexemplar.

Farbenblind

Klappentext: Trevor Noah wurde schon als Verbrechen geboren. Er kam 1984 im südafrikanischen Township Soweto als Sohn einer Xhosa und eines Schweizers zur Welt – ein Gesetzesbruch unter dem Apartheidregime. In Farbenblind erzählt Trevor Noah ebenso feinsinnig wie komisch in achtzehn Geschichten von seinem Aufwachsen in Südafrika, das den ganzen Aberwitz der Apartheid bündelt.

Das Wort Apartheid habe ich für mich persönlich aus meinem Wörterschatz entfernt. Denn das, was hinter diesem Wort steckt, ist für mich nie akzeptabel gewesen. Als ich das Buch von Trevor Noah angefragt habe, hat mich das Cover und der Titel angesprochen. Ich kannte Trevor Noah vorher nicht und wusste auch nicht, dass er ein Comedian ist. Dass er ein Comedian ist und das Zeug dazu hat, ist in seinem Buch klar ersichtlich. Zwar geht es in diesem Buch nicht um seine Karriere als Comedian, aber es gab Stellen in diesem Buch, an denen ich laut gelacht habe.

Die Apartheid liegt nicht allzu lange her. Sie wurde 1994 abgeschafft. Bis dahin war eine strikte Rassentrennung vorgeschrieben. Weiße durften nichts mit Schwarzen zu tun haben und verkehrt herum. Doch Trevors Mutter Patricia ist durch und durch eine Rebellin und lässt sich von niemanden etwas vorschreiben, außer von Gott. Somit geht sie eine außereheliche Beziehung mit Trevors Vater, der Schweizer ist, ein. Von einer all zu lange dauernden Beziehung kann man nicht sprechen. Sie möchte ein Kind von ihm und ist bereit, alle damit verbundenen Probleme auf sich zu nehmen. Somit entsteht aus dieser Beziehung Trevor. Ein Junge, der weder schwarz noch weiß ist. In seinem Buch erzählt Trevor über die Apartheid. Darüber was es bedeutet, weder weiß noch schwarz zu sein.

Zwar fühlt er sich als schwarzer aber seine helle Hautfarbe lässt es nicht zu, dass er von den Schwarzen akzeptiert wird. Er ist ein schwarzes Kind unter den weißen ein weißes Kind unter den schwarzen Kindern.

Seine Kindheit ist von den Kirchgängen seiner Mutter geprägt, die sehr gläubig ist und Trevor immer mit in die Kirche nimmt. Sie kümmert sich sehr um ihn. Aber Trevors Kindheit ist keine Leichte und ist von einer Mutter geprägt, die immer skeptisch gegenüber ihrem Kind ist. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit und definitiv der Grund dafür, warum Trevor auch zu einer starken Persönlichkeit herangewaschen ist. Man erkennt seine Liebe zu seiner Mutter durch das ganze Buch hindurch.

Während man an manchen Stellen des Buches laut auflacht, hält man an einigen Stellen inne und muss das Gelesene verkraften.

Das Kapitel Farbenblind, welches diesem Buch seinen Namen gegeben hat, war für mich eins der Kapitel, wo ich mir selbst sagte, „das kann doch nicht sein“.

Ich kann dieses Buch einfach nur empfehlen. Man lernt viel über Südafrika. Ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar.

Istanbul Istanbul

Klappentext:
Der Nebel, der sich auf Istanbuls Zeit legte, war wunderschön.

Unter den uralten Straßen Istanbuls sitzen vier Gefangene in einer Zelle. Um sich abzulenken, erzählen sie sich Geschichten aus ihrer Stadt.
Geschichten voller Liebe und Humor.
Geschichten, die ihnen helfen sollen, die Begrenzungen von Raum und Zeit aufzuheben, das Leid erträglicher zu machen und die Hoffnung stärker.

Der Autor Burhan Sönmez:
Burhan Sönmez wurde 1965 in Zentralanatolien geboren und wuchs sowohl mit der kurdischen als auch der türkischen Sprache auf. Er studierte Jura in Istanbul. Sönmez war Mitglied des türkischen Menschenrechtsvereins IHD und Gründungsmitglied der demokratischen StiftungTAKSAV. Bei einem Übergriff durch die Polizei wurde er 1996 in der Türkei schwer verletzt und anschließend dank der Freedom-from-Torture-Stiftung in England medizinisch versorgt. Er unterrichtet an der Middle East Technical University in Ankara, schreint für verschiedene unabhängige Medien und ist aktives Mitglied des türkischen und englischen PEN. Burhan Sönmez lebt mit seiner Familie in Istanbul und Cambridge. Seine preisgekrönten Romane erscheinen inzwischen in über zwanzig Ländern. (Quelle:Randomhouse.de)

„Eigentlich ist es eine lange Geschichte, aber ich mache es kurz.“ So fängt der Student Demirtay an, seine Geschichte zu erzählen. Er sitzt mit drei weiteren Insassen – einem Doktor, einem Barbier und Küheylan Dayi in einem Gefängnis, welches sich tief unter den Straßen von Istanbul befindet.
Sie sitzen gemeinsam in Zelle 40. Von dort aus können sie Zelle 31 sehen, in der ein Mädchen sitzt, die nur mit ihren Augen redet.
Reden tun die vier Männer auch, aber nicht über sich, auch nicht über den Grund, warum sie inhaftiert sind. Über sich selbst zu reden wäre zu gefährlich. Denn sie werden nacheinander von den Wächtern abgeholt, gefoltert und dann wieder in die Zelle zurückgeworfen. Man weiß nicht, ob einer der Mithaftierten beim nächsten Mal etwas preisgeben könnte. Also erzählen sie sich Geschichten. Geschichten über die Liebe, Geschichten über die Menschen.
Und viele Geschichten über Istanbul, die weit über ihren Köpfen ihren ganz normalen Alltag lebt.
Insgesamt werden an zehn Tagen Geschichten erzählt. Die einleitenden Titel, wer etwas erzählt ist manchmal irreführend. Schon allein im ersten Kapitel, in dem der Student Demirtay zu erzählen beginnt, übernimmt Küheylan Dayi mehr als die Hälfte des Kapitels das Wort.
Jedoch fühlt man sich durch die Ich-Perspektive den Erzählern befremdlich nah.

Jeder weiß, wie die aktuelle politische Lage in der Türkei ist und wieviele Anwälte, Schriftsteller, Politiker etc. in Haft sitzen. Burhan Sönmez hat das Buch in der Originalfassung 2015 schon veröffentlicht. Auch nach dem Putsch im Jahre 1980 in der Türkei, saßen viele bekannte Menschen in Haft. Wer zwischen den Zeilen liest, merkt, was er erzählen möchte, aber für mich war dieses Buch durch und durch eine Liebeserklärung an Istanbul.„Als ich mit Mahizer verlobt war, schenkte ich ihr Romane und Lyrikbände. Unser Literaturlehrer auf dem Gymnasium pflegte zu sagen, jeder Mensch hat seine eigene Sprache, den einen versteht man anhand von Blumen, den anderen durch Bücher …“ Seite 20

„Als ich mit Mahizer verlobt war, schenkte ich ihr Romane und Lyrikbände. Unser Literaturlehrer auf dem Gymnasium pflegte zu sagen, jeder Mensch hat seine eigene Sprache, den einen versteht man anhand von Blumen, den anderen durch Bücher …“ Seite 20

Unorthodox

Info:

Am Tag seines Erscheinens führte »Unorthodox« schlagartig die Bestsellerliste der New York Times an und war sofort ausverkauft. Wenige Monate später durchbrach die Auflage die Millionengrenze. In der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, herrschen die strengsten Regeln einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe weltweit. Deborah Feldman führt uns bis an die Grenzen des Erträglichen, wenn sie von der strikten Unterwerfung unter die strengen Lebensgesetze erzählt, von Ausgrenzung, Armut, von der Unterdrückung der Frau, von ihrer Zwangsehe. Und von der alltäglichen Angst, bei Verbotenem entdeckt und bestraft zu werden. Sie erzählt, wie sie den beispiellosen Mut und die ungeheure Kraft zum Verlassen der Gemeinde findet – um ihrem Sohn ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Noch nie hat eine Autorin ihre Befreiung aus den Fesseln religiöser Extremisten so lebensnah, so ehrlich, so analytisch klug und dabei literarisch so anspruchsvoll erzählt. (Quelle: Randomhouse)

Deborah Feldman:

DEBORAH FELDMAN (geb. 1986, New York) wuchs in der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, auf. Ihre Muttersprache ist Jiddisch. Sie studierte am Sarah Lawrence College Literatur. Heute lebt die Autorin als Schriftstellerin mit ihrem Sohn in Berlin. (Quelle: Randomhouse)

 

Deborah lebt mit ihren Großeltern in Williamsburg, einem Stadtteil von Brooklyn, in der nur unorthodoxe chassidische Juden, die der Satmarer Glaubensgemeinschaft angehören, leben. Ihre Mutter hat von Anfang an alle Regeln gebrochen und die Gemeinde verlassen. Ihr Vater scheint geistig nicht imstande zu sein, eine Tochter groß zu ziehen.

Von Anfang an erzählt Deborah von Regeln und Anweisungen in der Gemeinde, an die sich Frauen strikt halten müssen. Sie bekommt zwar eine schulische (Religionsschule für Mädchen) Bildung, doch nur das Notwendigste. Denn Frauen sind dafür da, dass sie sich auf ihre Heirat, die arrangiert wird, konzentrieren und ihrem Mann dienen. Ihre Schönheit dürfen sie nicht präsentieren.

Doch das Schlimmste für Deborah ist, dass Bücher verboten sind. Bücher würden ihre Fantasie verstärken, sie könnte wissen, dass es auch ein anderes lebenswertes Leben da draußen gibt. Doch sie traut sich in eine Bibliothek und lässt sich einen Ausweis ausstellen. Sie leiht die Bücher aus und liest sie heimlich. Versteckt sie nachts beim Schlafen unter der Matratze ihres Bettes.

Die Satmarer Chassiden sehen den Holocaust als Strafe Gottes dafür an, dass sie nicht fromm genug waren. Somit leben sie nach strengen Regeln, um einem zweiten Holocaust zu entgehen. Diese Stelle im Buch hat mich sehr entsetzt. Wie kann man an so etwas glauben?!

„Wir lernen in der Schule, Gott habe Hitler gesandt, um die Juden dafür zu bestrafen, sich selbst erleuchtet zu haben. Er kam, um uns zu reinigen, um alle assimilierten Juden zu vernichten, alle frejen Jidden, die dachten, sie könnten sich selbst vom Joch, die Auserwählten zu sein, befreien“

 

Deborah fängt schon in jungen Jahren an, die Regeln ihrer Gemeinde zu hinterfragen. So geht sie heimlich mit ihrer Freundin ins Kino und sie hören gemeinsam Musik.

Nach ihrem Abschluss in der religiösen Mädchenschule arbeitet sie dort als Lehrerin, obwohl sie keine wirkliche Ausbildung dafür hat.

Mit 17 Jahren geht sie eine arrangierte Ehe mit dem 6 Jahre älteren chassidischen Juden Eli ein. Ich glaube, sie erhofft sich durch die Ehe ein wenig mehr Freiheit, doch dem ist nicht so. Da Deborah sexuell nicht aufgeklärt ist, weiß sie nicht, was auf sie in der Hochzeitsnacht zukommt. Der Geschlechtsverkehr kann nicht vollzogen werden, da Deborah eine ausgeprägte Form des Vaginismus hat. Sie holt sich professionelle Hilfe.

Sie wird erst nach einem Jahr schwanger. Auch das schwanger werden ist nicht so einfach, denn sie muss sich an Rituale halten. Eine unorthodoxe Frau ist unrein während ihrer Menstruation und muss, um Sex haben zu können, mittels 14 weißen Tüchern 7 Tage nach der Menstruation nachweisen, dass sie morgens und abends an diesen 7 Tagen tatsächlich nicht geblutet hat. Zum Zeichen ihrer Reinheit muss sie in einem Mikwe (jüdisches Ritualbad) baden. Erst dann kann sie den Akt des Geschlechtsverkehrs vollziehen.

An diesen Stellen des Buches habe ich parallelen zu meiner eigenen Religion gefunden. Eine muslimische Frau darf während ihrer Menstruation das Tagesgebet nicht vollziehen, nicht aus dem Koran lesen, in der Fastenzeit Ramadan nicht fasten. Nach der Menstruation vollzieht sie ein Ritualbad in ihren eigenen vier Wänden. Deshalb habe ich mich als Frau, sehr angegriffen gefühlt, als ich mir vorgestellt habe, dass ich mit Tüchern nachweisen müsse, dass ich wieder rein bin und an einem öffentlichen Ritualbad teilnehmen muss. So etwas ist schier unvorstellbar und für eine 17-jährige, wie Deborah es zu diesem Zeitpunkt war wohl sehr beschämend.

Für Deborah steht nach der Geburt ihres Sohnes fest, dass sie die Glaubensgemeinschaft verlassen wird, bevor ihr Sohn drei Jahre alt ist und dann eine religiöse Schule besuchen muss. Deborah verlässt die Glaubensgemeinschaft zusammen mit ihrem Sohn und lebt seit dem in Berlin.

Dieses Buch hat mich als Frau sehr bewegt. Ich habe keine Geschichte gelesen, die sich im 18. oder 19. Jahrhundert abgespielt hat. Nein, es ist eine Geschichte meines Zeitalters. Deborah ist gerade mal vier Jahre jünger als ich, und ich glaube, diese Tatsache, hat mich am meisten bewegt und entsetzt.

Ich danke an dieser Stelle der Randomhouse Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar.

 

Hast du schon mal ein Genie kennengelernt? – Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer

Hast du schon mal ein Genie kennengelernt?

Klappentext:
Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als „Wunderjunge von Harvard“ gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat seinen Sohn von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Dank der „Sidis-Methode“ könne jedes Kind zum Genie erzogen werden, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, weigert er sich, die Erwartungen zu erfüllen, die seine Eltern und die Gesellschaft in ihn gesetzt haben. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten – mit aller Konsequenz.

Inhalt:
Das Buch beginnt viele Jahre vor Williams Geburt. Wir lernen als erstes seinen Vater Boris Sidis kennen und die Geschichte beginnt, wie er seinen Fuß auf amerikanischem Boden setzt und seinen zwei Freunden, die er auf dem Schiff kennengelernt hat, die Freundschaft kündigt.
Boris Sidis wurde in eine jüdisch-russische Familie geboren und emigrierte 1887 nach Amerika.
Er wurde als 17-jähriger in damals Russland, heute Ukraine inhaftiert, da er sich für die Schulbildungen russischer Bauern einsetzte. Nach fünf Jahren gelang es ihm ein Philosophiestudium an der Harvard University aufzunehmen.
1894 Heiratete er Sarah Mandelbaum. Das was er für sie empfand, scheint keine Liebe zu sein. Denn Liebe war eines der Sachen, mit dem sich Boris nicht auskannte. Er sah in Sarah das Potential, eine geeignete Mutter für seine Kinder zu sein. Er unterstützte sie in der Lehre. Somit wird aus Sarah eine Akademikerin und sie studiert Medizin.

1898 wird William James Sidis als erstes Kind aus dieser Ehe geboren. Boris Sidis und seine Frau Sarah erziehen William vom ersten Tage an nach der Sidis-Methode und somit wird aus dem kleinen William ein Genie.
Mit 18 Monaten kann er lesen. Einige Spiele die für andere Kinder in ihrer Entwicklung wichtig sind, sind für ihn absurd und langweilig.
Er wird vorzeitig eingeschult und überspringt Klasse für Klasse. Mit 11 Jahren wird er an der Harvard University als Wunderkind angenommen und beginnt sein Studium und schließt ihn mit dem Bachelor ab.
Danach lehrt er an der Harvard University. Von seinen Schülern, die älter waren als er, wurde er nicht ernst genommen und bedroht. Nach dieser Bedrohung sicherten seine Eltern ihm eine seine Eltern einen Job als Assistent.
Ab diesem Moment begann ein Abbruch zu seinen Eltern. Er distanzierte sich von ihnen. Er meldete sich lediglich bei seiner Schwester, und das auch nur wenn er Geld benötigte. Er arbeitete als Schaffner und sammelte Straßenbahntickets. Er war definitiv ein Neurotiker.
Die Medien berichteten über ihn. Gegen den damaligen The New Yorker erstatte er Anzeige. Dabei ging es um einen Artikel, von dem William behauptete, dass er sich in seiner Privatsphäre gekränkt fühle und viele Qualen durch den Artikel erleiden musste.
Er gewann.
Im Jahre von 46 verstarb William James Sidis an einer Gehirnblutung.

Meine Meinung:
Ich hatte den Namen William James Sidis vorher noch nie gehört. Im Buchhandel schaute mich der Junge auf dem Buchcover an. Es war eine Trauer in seinen Augen zu sehen. Ich habe mich als erstes nicht an das Buch herangetraut, da es mit seinen 656 Seiten schon abschreckt.
Danach habe ich einige Instagram-Beiträge über das Genie gesehen und habe das Buch letztendlich bei Diogenes angefragt. Ich danke an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar.
Ich lese sehr gerne Autobiographien/Biographien. Doch ein Roman über ein Genie, war diesmal viel interessanter, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte.
Dass das Buch 656 Seiten hatte, hat mich am Ende dann überhaupt nicht mehr gestört, denn Zehrer hat diesen Roman so toll geschrieben, dass ich auch noch weiter gelesen hätte.
William James Sidis war ein Genie. Seine Eltern haben etwas sehr großes vergessen, als sie ihn zu einem Genie herangezogen haben. Sozialkompetenz und Liebe. Die letzten Seiten des Buches haben mich sehr traurig gestimmt.

Klaus Cäsar Zehrer habe ich auf der Frankfurter Buchmesse dann getroffen und mein Exemplar signieren lassen. Bis dahin hatte ich die ersten paar Seiten des Buches und einige Artikel über William James Sidis gelesen. Ich habe mich auf diesen Wunderling vorbereitet.

Er sah auch nicht ein, aus welchem Grund man ein Studium aufnehmen sollte. Sich jahrelang einen vorgekauten, vorverdauten Wissensbrei einzuverleiben, dachte er, ist gewiss nicht der geeignetste Weg, ein originell denkender Mensch zu werden. Der brauch in erster Linie eine gut ausgestattete Bibliothek. Außerdem viel Zeit und Muße zum Nachdenken. Das ist alles.

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Info: Eine traumhafte Liebesgeschichte und eine Reise durch das menschliche Gehirn als rasantes zamonisches Abenteuer

Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich.


Prinzessin Dylia leidet an einer sehr schlimmen Krankheit im ganzen Königreich. Sie kann tagelang, manchmal sogar wochenlang nicht schlafen. Somit hat sie sehr viel Zeit sich außerordentliche Sachen zusammenzudenken. Pfauenwörter die sie Tag für Tag abhakt, und immer wenn sie sie benutzt hat, kommt die riesige Spinne und nimmt die Pfauenwörter mit.

Sie besteigt die Turmtreppen, die mit wunderschönen Zeichnungen im Buch dargestellt sind.

Eines Tages erscheint aufeinmal der alptraumfarbene Nachtmahr Opal im Gemach der Prinzessin. Prinzessin Dylia denkt natürlich, dass das ein Hirngespinst ist, das sie übermüdet ist.

Doch Opal ist wahrhaftig wahr und kündet der Prinzessin an, dass er da ist um sie in den Wahnsinn zu treiben. Doch vorerst möchte er eine interessante Reise mit ihr vornehmen. In die dunkelsten Ecken ihres Gehirns. Ab sofort beginnt eine skurrile, absurde Reise im Gehirn von der Prinzessin.

 

Meine Meinung:

Ich habe vorher noch kein einziges Buch von Walter Moers gelesen und Freunde, die seine Bücher kennen, sagten mir, dass dies vielleicht das falsche Buch ist, um mit Moers zu beginnen und dass er auf seine Art eigenartig ist und dass man seine Bücher entweder mag oder nicht mag.

Ich muss sagen, ich habe das Buch gemocht. An einigen Stellen fand ich es zwar langatmig, aber die Phantasie, die Moers beim Schreiben benutzt, genauso wie die wundervollen Zeichnungen, die in dem Buch vorhanden sind, haben dazu gefüht, dass ich dem Buch 4 Sterne gegeben habe.

Es wird definitiv nicht mein letztes Moers Buch sein.

 

 

 

Freiheit

Am vorletzten Tag  des Jahres möchte ich über den Buch-Kalender 2018 Freiheit von Paulo Coelho erschienen im Diogenes Verlag erzählen.

Der Buch-Kalender von Paulo Coelho im Jahr 2018 hat sich als Thema die Freiheit ausgewählt.

Wie üblich hat die kolumbianische Künstlerin Catalina Estrada die Zeichnungen für den Kalender angefertigt.

Eingeleitet wird der Kalender mit einem Zitat aus „Die Spionin“.

Aufrichtigkeit nimmt der Lüge den Wind aus den Segeln.

Danach sind auf zwei Seiten die Jahresüberblicke für 2018 und 2019 zu sehen.

Gefolgt auf weiteren Seiten hat man dann einen Jahresüberblick für das ganze Jahr 2018, welches sehr nützlich sein kann.

Und danach beginnt ein wunderschöner Kalender, ein persönliches Buch mit sehr schönen Zeichnungen jeweils zwischen den Übergängen der Monate. Jeder Monatsbeginn hat eine Seite für Gedanken frei gelassen, die mit Ideen, Inspirationen, Terminen direkt am Anfang einen Vorschau auf das kommende Monat geben.

Jede Kalenderwoche besitzt ein Zitat aus den bekannten Büchern von Coelho als Fußzeile.

Mit den gewählten bunten Farben der Zeichnungen bereitet dieser Kalender durch und durch eine Vorfreude um Termine und Gedanken niederzuschreiben.

Ich danke Diogenes für das Rezensionsexemplar.

Am liebsten sind mir die Problemzonen, die ich noch gar nicht kenne

Jede Frau ist schön – sie soll es nur nicht wissen
Ob in der Stadt, in Zeitschriften oder auf Instagram: Überall begegnen uns Fotos von trügerisch perfekten Frauenkörpern, die für schöne Achseln, Diäten und weißere Zähne werben. Bilder, die uns Unsicherheiten einreden, um uns die Lösungen gleich mitzuverkaufen. Man kann daran verzweifeln – oder man kann sich vom Optimierungswahn befreien, am besten mit Humor! Corinne Luca erzählt in ihrem Buch ehrlich und mit einem Augenzwinkern, was es heutzutage heißt, eine Frau zu sein. Und kommt zu dem Schluss: Wir müssen uns nicht täglich eine neue Problemzone einreden lassen!

Die Autorin: Corinne Luca

Corinne Luca ist Bloggerin und schreibt für Edition F und bento. 2016 gewann sie für ihr Blogmagazin makellosmag den renommierten Grimme Online Award. Ihre Parodie auf Ronja von Rönne nannte Ijoma Mangold (Die ZEIT) „brillant“. Corinne Luca lebt mit Mann und zwei Töchtern in Berlin.

Inhalt:

Mit den Worten, jede Frau ist schön, sie soll es nur nicht wissen, nimmt Corinne Luca sämtliche Frauenzeitschriften, Instagram und co. auseinander.
Ihr witziges und zum Nachdenken bringendes Buch fängt sie damit an zu erklären, wie sie angefangen hat Zeitschriften zu lesen, und was ihr nach und nach klar geworden ist. Nämlich, dass heutzutage der Frau, ja nur der Frau vorgeschrieben wird, wie sie sich zu kleiden hat, welche Farbe zu ihren Lippen passt und mit welchem Shampoo ihre Haare mehr Glanz etc. bekommen.

Eine Werbebranche durch und durch, die der Meinung ist, dass sie das beste für dich als Frau zu wissen weiß. So ist es überhaupt kein Zufall, dass auf der einen Seite von einem neuen Lippenstift erzählt wird, die deine Lippen dicker zeigen sollen und siehe da, wie nett sie doch sind, du hast ein Pröbchen dazu bekommen. 🙂

Schöne Achseln, gewachst oder mit Behaarung, Diäten die dich in 2.4 Tagen 3 Kilo abnehmen lassen, Bilder die auf Instagram dir einreden, dass du zu dick bist – dies sind alles Themen dieses Buches.

Meine Gedanken:

Ich habe mir noch nie eine Frauenzeitschrift gekauft. Ich habe sie lediglich durchgeblättert, wenn ich beim Arzt im Wartezimmer saß. Mein Gedanke beim Lesen dieser Zeitschriften ist nämlich diese – „ja, ja, als wüsstest du, welche Probleme ich wirklich habe.“

Als eine 35-jährige Frau mit Lipödem im Stadium zwei weiß ich sehr gut, was die Gesellschaft so denkt, wenn sie mich sieht. „Boah ist die fett.“

Nein ich bin nicht fett, ich bin nur krank und mache genug um dieser Krankheit entgegen zu wirken. Da brauche ich keine Zeitschriften, die mir weitere Probleme zureden.

Ich empfand das Buch als lesenswert. Danke an Heyne für das Rezensionsexemplar.