Der Weg des Bogens von Paulo Coelho

Tsetsuya ist der beste Bogenschütze des Landes in einem abgelegenen Tal in Japan. Als ein ehrgeiziger anderer Bogenschütze ihn aufspürt und sich mit ihm messen will, stellt er sich der Herausforderung. Doch seine Lehren gibt er nicht an ihn weiter, sondern an einen unerfahrenen Jungen in seinem Dorf.

Wie oben beschrieben, beginnt Tsetsuya seine Lehren an den Jungen im Dorf zu geben und danach beginnt ein sehr schönes kleines Buch, mit wunderschönen Zeichnungen mit einzelnen Kapiteln über die Techniken des Bogenschießens.

Während das Buch uns das Bogenschießen näher bringt, gibt es uns eher Weisheiten mit auf den Weg, die wir in unseren Leben anwenden können.

Im allerersten Kapitel, in dem es um die Verbündeten beim Bogenschießen geht, geht es meiner Meinung nach, wie wir Menschen miteinander umgehen. So ist doch der Satz „Die Menschen beurteilen andere immer nach sich selbst – und manchmal ist ihre Meinung von Vorurteilen und Ängsten geprägt“, ein Volltreffer über uns Menschen.

Des weiteren schreibt Coelho sich das Ziel des Bogenschießens als Metapher nehmend folgenden Satz: „An einem Tag, an dem dir die Liebe zum Leben fehlt, wird dein Schuss ungeordnet und unnötig kompliziert sein.“

Ist das nicht wirklich so? Wer kennt sie nicht- die Momente in denen wir nach dem Sinn des Lebens fragen und sie erfragen. Machen wir uns in dieser Zeit, das Leben nicht unnötig schwer?

Ich hätte niemals gedacht, dass ein Thema, nämlich das Bogenschießen, was eigentlich nicht in meinem Interessengebiet liegt, mich so sehr bewegen und zum Nachdenken bringen würde.

Ich danke Diogenes für das Rezensionsexemplar. Ganz sicherlich werde ich ein Exemplar kaufen und an Weihnachten verschenken.

Kleine Schwester von Barbara Gowdy

Kleine Schwester erschien im Kunstmann Verlag im August 2017.

Das Buch erzählt die Geschichte von Rose. Rose lebt mit ihrer Mutter Fiona zusammen, die an Demenz leidet. Rose hat ihren Vater verloren und sein Kino übernommen.

Obwohl es Sommer ist ziehen ein Gewitter nach dem anderen über die Stadt und Rose verliert bedingt durch diese Gewitter ihr Bewusstsein und landet in einem interessanten Traum. Nach dem ersten mal ist es klar, dass es keine Träume sind, sondern dass sich Rose im Körper einer anderen Frau befindet und das Leben dieser Frau, die gerade in Schwierigkeiten zu stecken scheint, durch und durch lebt.

Rose versucht diese junge Frau ausfindig zu machen und ihr zu helfen. Doch es scheint schwierig zu sein, an die junge Frau heranzukommen. Als die demenzkranke Fiona dann auch noch über ein von Rose verdrängtes Thema, nämlich ihrer verstorbenen Schwester, zu reden beginnt, findet Rose eine Verbindung zwischen ihrer verstorbenen Schwester und der Frau, in der sie steckt.

Rose jagt dem Gewitter hinterher, damit sie ihr Bewusstsein verliert und die Episoden, wie sie es betitelt durchlebt. Sie kommt raus aus dem kleinen Kino und dem Kinoprogramm und begegnet ihren Ängsten und warum diese Ängste enstanden sind, wird am Ende des Buches klar.

Ich fand das Buch sehr interessant und es war sehr gut zu lesen. Die Episoden, die Rose durchlebt hat waren sehr aufregend und noch aufregender war es, darauf zu warten, ob sie endlich mit der Frau in der sie steckte, gegenüber stehen wird. Das war mein erstes Gowdy Buch und ich werde weitere Bücher von ihr lesen.

Ich danke für das Rezensionsexemplar.

 

The Hate u Give

 

Die Autorin Angie Thomas

Angie Thomas ist in Jackson, Mississippi, aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Als Teenager tat sie sich als Rapperin hervor; ihr ganzer Stolz war ein Artikel im Right-On! Magazine. Thomas hat einen Bachelor-Abschluss im Fach Kreatives Schreiben an der Belhaven Universität. Ihr Debüt The Hate U Give erntete ein überschwängliches Presse- und Leserecho und schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste.

 

Das Buch

Die Protagonistin Starr ist 16 Jahre alt und wächst in Garden Heights auf, dass durch und durch ein Armenviertel ist, an der Drogen, Gewalt, Eskalationen, Gangs zum Alltag gehören.

Nebenbei besucht sie eine Privatschule, in der sie fast die einzige Schwarze ist und mit einem weißen Jungen Namens Chris ausgeht.

Das Buch beginnt mit einer Party an, auf der Starr ihren besten Freund Khalil sieht. Es kommt zu einer Schießerei auf der Party und Starr verlässt gemeinsam mit Khalil die Party um nach Hause zu fahren.

Khalil wird von einem Polizisten angehalten und nach ein paar Minuten in denen Missverständnisse vorkommen, erschießt der Polizist Khalil. Khalil stirbt am Tatort vor Starrs Ausgen.

Ab sofort beginnt für Starr eine schwierige Zeit. Sie ist die einzige Zeugin und versucht sich geheim zu halten. Der Tod von Khalil wird in den Medien verharmlost. Die Lage wird so dargestellt, dass er ein gefährlicher Drogendealer war, der es – kaum zu glauben – fast schon verdient hat, zu sterben.

Während die Schwarzen für Khalil auf die Straßen gehen versucht Starr das Geschehen zu verarbeiten. Sie kämpft mit sich selbst. Einerseits versucht sie sich geheim zu halten und andererseits ist sie die einzige, die etwas zu der Sache sagen kann. Durch ihren Onkel, der ein Polizist ist und für Starr die Vaterrolle übernommen hat, als Starrs wirklicher Vater im Gefängnis war, entschließt sie sich unter Geheimhaltung ihrer Person bei der Polizei auszusagen.

Meine Eltern legen großen Wert darauf. Meine Brüder oder ich sollen immer unserem Gegenüber in die Augen schauen, wenn wir mit ihm reden. Sie behaupten, die Augen würden mehr verraten als der Mund – und dass es in beide Richtungen funktioniert.

Die Entscheidung der Grand Jury – ob sie den Polizisten für schuldig aussprechen bleibt bis zum Ende des Buches offen.

Und währenddessen lesen wir über den alltäglichen Wahnsinn in Garden Heights. Über die Kämpfe zwischen den beiden großen Gangs. Erfahren die Geschichte für Khalils Entwicklung und sein Motiv, warum er so war, wie er war.

Das Thema Rassismus – in diesem Falle an Schwarzen – wird in Buch sehr gut beschrieben. Angie Thomas lässt durch Starr eine starke Persönlichkeit in den Vordergrund treten, die nicht weiter die Augen vor schlechten Taten schließen wird.

Starr redet zuhause mit ihren Eltern, ihren Geschwistern und Freunden von Garden Heights in einem Slang, der meiner Meinung nach sehr gut übersetzt wurde. Und an der Privatschule ist sie eine ganz andere. Dies führt vor Augen, dass sie zwei verschiedene Welten hat. Die Welt der Schwarzen und der Weißen.

Mit hat das Buch sehr gefallen. Das Buch ist unter dem Genre Jugendbuch aufgeführt und ist ab 14 Jahren freigegeben. Doch es kann durch die Thematik sicherlich auch von Erwachsenen gelesen werden.

 

 

One-Night-Stand, Knips, Fingernagel und dann ist sie weg – Lola

Julie Estève

Julie Estève wurde 1979 in Paris geboren, wo sie auch lebt. Sie studierte Jura und Kunstgeschichte, spezialisierte sich auf moderne Kunst und arbeitet für verschiedene Museen und Magazine. „Lola“ ist ihr erster Roman. (Quelle: Rowohlt)

Sie stellt sich die jungen Leute vor, die schüchtern zum ersten Mal “Ich liebe dich” sagen, mit schamgeröteten Gesicht. Die jugendliche Liebe ist die reinste, die gewaltigste.

Lola hat offensichtlich einen großen Liebesschmerz erlitten. So lebt und läuft sie durch die Straßen von Paris und wie sie sich kleidet und mit Männern umgeht, ist ihre eigene Art mit diesem Schmerz klar zu kommen und ihren Wut auszulassen.

Mit knapp bemessenen Röcken, Netzstrümpfen und rotem Lippenstift hurt sie durch die Stadt. Kein Mann ist vor ihr sicher und sie besorgt es jedem.

Alles ist nur noch Sex. Alles. Sie treibt dahin. So wie andere Leute sich mit der Rasierklinge ritzen, spreizt Lola die Beine.

Mal ist es ein Klempner, dann ein verheirateter Mann. Die Gedanken werden ausgeschaltet und es geht los mit dem Sex. Danach knipst sie den Männern einen Fingernagel ab und läuft nach Hause, wo sie die gesammelten Fingernägel in einem Glas sammelt.

An ihre verstorbene Mutter möchte sie nicht denken und an ihren Vater, der Alkoholiker ist hat sie seit langem keinen Kontakt, obwohl der sich bei ihr meldet und sich ein Wiedersehen erwünscht.

Ihr Nachbar Dove – der absolut das Gegenteil von Lola ist – häuslich, fokussiert auf die Zukunft – mag Lola und bringt ihr Schokolade von einer Reise mit.

Lola geht auf Dove ein und reist mit ihm nach Griechenland, obwohl sie Angst vor dem Fliegen hat.

Ein Neuanfang scheint in Sicht zu sein. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Lola ihre krankhafte Einstellung zu Männern und ihren Wut, den sie an sich selbst ausübt – in dem sie sich als Frau so sehr erniedrigt – losbekommen wird, wenn das Glas mit den Fingernägeln voll ist. Durch Dove schien es so, dass das nicht mehr von Nöten war.

Lola könnte zurück in den Supermarkt gehen, sich ein paar Rasierklingen kaufen und sich unter der heißen Dusche die Pulsadern öffnen. Verrecken ist billig. Bloß drei Euro. Drei Euro, und schon ist das ganze Gezeter, sind all die Minuten, Tage, Monate und Jahre vorbei. Die Fesseln sprengen, der Einsamkeit entfliehen und eintauchen in ewiges Vergessen. Für drei Euro. Wie kann ein Mensch nur so allein sein?

Das Buch wird unter dem Genre Erotik aufgeführt, doch es ist viel mehr als dies. Zwar sind die beschriebenen Sexszenen detailliert und erotisch, aber mich hat eher die Geschichte der jungen Frau interessiert. Ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie allein sich eine Frau fühlen kann und was einem zustößen müsste, dass man sich selbst nur noch als Sexobjekt ansieht. Das Buch ist lesenswert.

Ich danke Rowohlt für das Rezensionsexemplar.

Flucht von Hakan Günday

Hakan Günday

Hakan Günday, geboren 1976, studierte Französisch in der Türkei und in Brüssel, anschließend Politikwissenschaften in Ankara. Diplomatensohn, Bestsellerautor, Drehbuchautor, Provokateur, Enfant terrible der jungen türkischen Literatur. Seine Romane sind gleichermaßen Bestseller wie Kultbücher. Seine vielen Fans feiern ihn für seine politischen Kolumnen, seine öffentlichen Debatten und dafür, dass alles, was er tut, aus dem Rahmen fällt.

“Wäre mein Vater kein Mörder gewesen, hätte ich nie das Licht der Welt erblickt.” – Mit diesen erschütternden Worten fängt das Buch von Hakan Günday an. Der Protagonist Gâza ist erst neun Jahre alt, als er erfährt, dass sein Vater Ahad ein Schleuser ist und Menschen in einem Depot im Garten versteckt um sie danach mit dem LKW zu transportieren.

Das Buch besteht aus jeweils vier großen Kapiteln, die mit Maltechnicken der Renaissance eingeleitet werden und somit ein Hinweis auf Gâza, der sich in der Geschichte drastischen Änderungen unterziehen wird, geben. Als kleiner Junge ist er noch unwissend und versucht Antworten auf Fragen wie, “wollte meine Mutter mich direkt nach meiner Geburt umbringen?” zu finden.

Im ersten Kapitel entwickelt sich Gâza zu einem Charakter, den man einfach nicht mögen kann. Er sieht die Menschen im Depot als Waren an und macht mit ihnen Versuche, die er in einer wissenschaftlichen Ausarbeitung versucht, festzuhalten. Er installiert Kameras im Depot und schaut den Menschen darin zu. Geilt sich an ihnen auf. Erkennt von Tag zu Tag seine Macht über ihnen. Es reicht schon aus, dass er das Licht an und ausschaltet.

Im weiteren Alter scheut er sich nicht davor, sich die schönen Mädchen auszusuchen und sie zu vergewaltigen. Im zweiten Kapitel passiert ein Unfall, der Gâzas Leben einen entscheidenden Wandel gibt. Als er mit seinem Vater die Menschen transportiert, fährt sein Vater den LKW, nachdem Gâza ihm Fragen über seine Mutter gestellt hat, in den Abgrund. Es ist mehr ein Selbstmord als ein Unfall. Gâza verbringt 300 Stunden inmitten der Leichen aus dem LKW und ist der einzige überlebende. Die Stunden die er dort verbringt sind dermaßen detailliert erklärt, dass Gâza ab diesem Moment für den Leser nur noch wie ein Raubtier erscheint. Ein krankhafter Charakter, der sich sogar an einer Leichenbrust aufgeilen kann. – Ich hatte mit dieser Stelle zu kämpfen. Danach musste ich das Buch beiseite legen und das Gelesene verarbeiten.

Nachdem Unfall ist Gâza nicht mehr zurechnungsfähig. Er wird zwar von einigen gefördert und darf sogar studieren, da er immer sehr gut in der Schule war, doch seine Haltung gegenüber Menschen führen ihn in eine Nervenklinik. Er wird dort behandelt und nachdem er entlassen wird, kann er nicht unter Menschen sein. Kann mit ihnen nicht reden, weder noch einem die Hand schütteln. Im weiteren Verlauf des Buches kehrt er zurück zum Depot. An dieser Stelle musste ich an das Sprichwort – ein Mörder kehrt immer zum Tatort zurück – denken.

Meine Meinung:

Dieses Buch von Hakan Günday habe ich vor Monaten in türkisch angefangen und es nicht weiter gelesen, weil es mir sehr extrem und hart vor kam. Die deutsche Sprache empfinde ich in einigen Zusammenhängen nicht so emotional und hart wie meine Muttersprache. Deshalb habe ich das Buch nochmal auf deutsch angefangen und ich muss sagen, dieses Buch ist nichts für Leute, die zart betucht sind. Es spielt mit den Nerven, mit den Gefühlen und provoziert durch und durch. Doch das ist die Art Gündays. Wer andere Bücher von ihm gelesen hat, weiß, dass er keinen Blatt vor den Mund nimmt. Er hat mit Gâza einen Charakter geschaffen, der einen kurz inne halten lässt und an die Geschehnisse an den Grenzen denken lässt. Menschen werden als Ware angesehen und von Schleusern, mit der Hoffnung nach Europa zu kommen, reingelegt. Es ist noch nicht lange her, dass die Leiche eines kleinen Jungen an die Ägäisküste der Türkei gestrandet ist.

Notizen:

Wie oft beichtet man ein und dieselbe Sünde ein und demselben Menschen? (Seite 13)

Kaum hielt ich in jenem Sommer men Schulzeugnis in der Hand, wurde ich zum Menschenhändler. (Seite 15)

Alles war Mathematik. Eine bloße Subtraktionsaufgabe. Wüsste ich, was übrig blieb, wenn ich meinen Hass von der Welt subtrahierte, wäre die ganze Geschichte zu Ende. (Seite 100)

Es gibt so Nächte … Nächte wie Sägemehl … Nächte, die jede Schuld aufsaugen und jeden Schuldigen unschuldig in den Morgen entlassen … (Seite 220)

 

 

 

Unsere Seelen bei Nacht – Kent Haruf

Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf ist im März 2017 im Diogenes Verlag erschienen.

Klappentext:

Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.

 

Inhalt:

Der Klappentext sagt schon vieles von diesem Buch voraus. Addie ist verwitwet und klingelt eines Abends bei ihrem Nachbarn Louis und fragt ihn, ob er nicht bei ihr schlafen möchte. Louis ist ihr seit Jahren bekannt und auch er ist einsam.

Sie will ihre Einsamkeit teilen. Abends im Bett liegen und neben sich einen Menschen haben, den sie kennt und dem sie nach und nach vertrauen kann.

Auch wenn es Louis als erstes komisch vorkommt, willigt er ein und geht Abends, wenn ihn keiner sehen kann zu Addie. Die ersten paar Male ist es für beide komisch, doch mit der Zeit gewöhnen sie sich aneinander. Sie reden von ihren Partnern, ihren Kindern, ihren Schicksalen.

Wer sie sind, wer sie einmal waren und was sie zu dem gemacht hat, was sie heute sind.

Es geht in diesem Buch nicht um Sex. Es geht durch und durch um die Einsamkeit.

In einem kleinen Ort wie Colorado spricht sich so etwas schnell herum. Die Menschen schauen sie komisch an und es ist klar, dass sich schnell Gerüchte herumsprechen werden.

So kommt es auch, dass Louis’ Tochter und Addies Sohn davon erfahren und versuchen ihre Elternteile zurechtzuweisen. Sie wollen nicht, dass sie sich treffen, gar beieinander übernachten.

Addie ist es von Anfang an egal, was die Menschen denken werden. Sie ist einfach zu Erwachsen und alt um sich Gedanken darüber zu machen, was andere Menschen reden werden und sie erlaubt es keinem, sich in ihr Leben einzumischen.

 

Meine Meinung:

Das Buch ist sehr tiefgründig. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie schlimm es sein kann, wenn man einen Menschen verliert, den man über Jahre hinweg an seiner Seite wusste.

Man ist daran gewöhnt nach Hause zu kommen, diese Person um sich zu haben, für diesen Menschen zu sorgen, zu lieben und geliebt zu werden. Und eines Tages ist einer der Parteien verstorben und der andere steht da und ist alleine.

Einsam sein möchte niemand. Und das ist Addies einziger Wunsch. Nicht einsam zu sein. Sie beweisst Stärke und traut sich Louis zu fragen. Könntest du es? Wärest du dazu bereit deine Einsamkeit gegen Zweisamkeit zu tauschen, wenn du wüsstest, dass du zum Redestoff der ganzen Stadt wirst?

 

Arda und der Spuk von Tegel

Ein Tegeler Abenteuerroman

 

Nesrin Kismar, geboren 1973 in Izmit in der Türkei, studierte an der Teknik Üniversitesi in Istanbul Physik, lebt seit 1994 mit ihrem Mann und inzwischen 4 Söhnen in Berlin. Sie schreibt Kinderbücher und Romane.

 

Klappentext:
Arda war ein fröhlicher und neugieriger Junge im Alter von 11 Jahren. Er lebte mit seinen Eltern in Nordberlin im grünen Tegel. Sein Vater Ahmet hatte einen Dönerladen, der durchgehend geöffnet war, das bedeutete 7 Tage in der Woche und fast 20 Stunden am Tag. Während Ahmet viel arbeitete, kümmerte seine Frau Reyhan sich um Haus und Kind. Reyhan stand immer früh auf und verbrachte ihr halbes Leben in der Küche. Lennard war der beste Freund von Arda. Und ihre Mütter waren auch gute Freundinnen. Als Arda mit seinem Freund in den Sommerferien zusammen durch die Gegend radelte, lernte er die Geschichten und Geheimnisse des grünen Tegel kennen, aber auch seine eigene Familiengeschichte, die mit Tegel eng verbunden war.

Inhalt:
Wie der Klappentext schon voraussagt, dreht es sich in dieser Geschichte um die zwei Freunde Arda und Lennard. Sie sind eng miteinander befreundet und lieben es mit ihrem Fahrrad in Tegel Touren zu unternehmen.
Als sie eines Tages im Wald ein kaputtes Nummernschild finden und dies der Polizei melden, fängt der ganze Spuk an.
Als erstes müssen sie sich gegenüber ihren Eltern verteidigen, da sie diese Aktion bei Nacht und Nebel vorgenommen haben und sich dafür aus dem Haus geschlichen haben.
Sie hören, dass es Spukgeschichten über Tegel gibt und versuchen diesen Geschichten nachzugehen und herauszufinden, um was es sich bei dem Spuk handelt.
Während Arda mit Lennard diese Aktion ausübt, befindet sich sein Vater in der Türkei. Ardas Großvater ist erkrankt. Als Ahmet wieder zurück in Deutschland ist und von Ardas Aktionen erfährt, ist er als erstes mal sauer. Als zwei Polizisten an der Tür erscheinen und erklären, dass die beiden Jungs durch die Meldung des Nummernschildes ein großes Beweismittel für ein Verfahren geliefert haben, ist Ahmet stolz auf die beiden Jungs.

Meine Meinung:
Nesrin Kismar hat ein spannendes Kinderbuch geschaffen. Sie vereint die beiden Nationen in ihrem Buch und erzählt aus der Sicht einer Familie, die mittlerweile in der dritten Generation in Deutschland ist, wie sehr die Integration funktioniert hat. Sie schildert durch ihre Worte die Gefühle von Millionen von Türken. Auf der einen Seite ist man hier zuhause, doch die Sehnsucht nach der fernen Heimat ist groß.
An vielen Stellen im Buch habe ich meine eigene Kindheit herausgelesen. Wie ich mit meinen deutschen Freunden gespielt habe ohne darüber nachzudenken, dass man doch verschieden ist, aber doch gleich. Kinder eben.

Das Buch ist empfehlenswert.

Stellen, die mich bewegt haben:

Seine Mutter sprach mit ihm zuhause nur Türkisch. Sie sagte immer, dass die Muttersprache sehr wichtig sei, und wenn man seine Muttersprache richtig beherrsche, könne man auch eine zweite Sprache gut lernen. (Seite 12)

Er legte sich ins Bett und dachte darüber nach, was seine Mutter ihm erzählt hatte. Er war eine Tegeler Pflanze miz Wurzeln, die sich bis in die Türkei erstreckten. (Seite 23)

“Ich habe irgendwo gelesen, dass die Türken mit dem Koffer in der Hand leben. Wenn sie nicht ins Ausland wandern, ziehen sie nach Istanbul um!” (Seite 72)

 

 

Wer falsch liegt, hat immer recht – Logikrätsel und philosophische Knobeleien

Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Und ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Philosophieprofessor Roy Sorensen präsentiert kurzweilig und amüsant ein Sammelsurium an Gedankenverdrehern, Seltsamkeiten und Dilemmata, die unser logisches Denken herausfordern und uns in die Welt von Platos Höhle, Wittgensteins Untersuchungen und Schopenhauers Intelligenztest entführen. Bei der Lektüre kommt der Leser nicht nur gehörig ins Grübeln, sondern erfährt auf charmante Art und Weise, wie Descartes einmal in einer Kneipe verschwand, was es mit der Hummer-Logik auf sich hat und wie man sich den Abwasch fair mit dem Partner teilt.
Ein philosophisches Kuriositätenkabinett, das seine Leser überrascht, erleuchtet und verblüfft – vor allem aber hervorragend unterhält.

Roy Sorensen ist Professor für Philosophie an der Washington University in St. Louis. Er hat bereits mehrere populär-wissenschaftliche Bücher veröffentlicht.

Das Buch beginnt mit einer Widmung Sorensen an seinen gebrochenen Arm und dann erklärt er, dass einiges nur ein Phantom sein kann, wie ein Phantomarm. Er gibt am Anfang des Buches an, dass die Rätsel und Fragestellungen, die gestellt werden und im Buch aufgedeckt werden, mit einer kleinen Glühbirne gekennzeichnet sind.

Danach beginnt ein sehr interessantes Sachbuch. Von Alles ist möglich? bis hin zu dem Ei der vom Huhn kam oder doch von der Ellipse entstand. Von den Gebrüder Grimm,  bis hin zu Chomsky und der Schriftstellerin Carroll Lewis (Alice im Wunderland) ist alles vertreten.

Sehr interessant war für mich Schopenhauers Intelligenztest. Zu Beginn wurde man mit der Frage:

Was kommt mit einem Wagen, geht mit dem Wagen, hat keinen Zweck für den Wagen, und doch kann der Wagen sich nicht ohne es bewegen?

konfrontiert. Und dann gerät man ins Grübeln und während dem Weiterlesen hofft man auf die Antwort und im Gehirn versucht man weiter zu raten.

Das Buch ist sehr gut gestaltet. Eine wirkliche Einteilung in Kapitel gibt es nicht. Die einzelnen Rätsel werden mit einer etwas größer gedruckten Überschrift eingeleitet.

Die Glühbirne zeigt, dass nun etwas kommt, was einen zwar ins Grübeln versetzt aber aufgedeckt wird.

 

Meine Meinung:

Ich selbst lese eigentlich kaum Sachbücher, außer für meine Arbeit. Doch als ich den interessanten Titel gelesen habe dachte ich mir, dass ich dieses Buch lesen muss. Ich muss sagen, dass ich es nicht bereut habe. Das Sachbuch hat mich morgens auf dem Weg zur Arbeit begleitet und mich durch seinen Inhalt am frühen Morgen geweckt. 🙂

Ich danke Rowohlt für das Rezensionsexemplar.

Was gehört Ihnen, wird aber von anderen mehr als von Ihnen selbst benutzt?

 

Der Duft von bitteren Orangen

Nadias Blick war mitfühlend, doch sie hatte im Leben gelernt, dass Anteilnahme weder den Magen füllte noch einen nachts warm hielt.

Das Buch “Der Duft von bitteren Orangen” von Claire Hajaj erschien unter dem blanvalet Verlag am 19.12.2016.

Klappentext:

Kann Liebe wachsen, wo Hass gesät wird?

Jaffa, April 1948. Der siebenjährige Salim, Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters, darf endlich die ersten Früchte des Orangenbaums ernten, der zu seiner Geburt gepflanzt wurde. Doch der Krieg bricht aus und seine Familie muss fliehen. Von nun an hat er nur noch einen Traum: eines Tages zu seinem Baum zurückzukehren. Zur selben Zeit wächst Judith mit ihrer jüdischen Familie in England auf – und sehnt sich nach einem Leben jenseits der dunklen Schatten der Vergangenheit. Als Salim und Judith sich im London der Sechzigerjahre begegnen und ineinander verlieben, nimmt das Schicksal seinen Lauf und stellt ihre Liebe auf eine harte Probe …

“Ach, Salim, du weißt es doch besser. Zu Hause ist man nicht dort, wo man am längsten gelebt hat; es ist ein Gefühl da drin.” Sie tippte ihm auf die Brust.

Die Autorin:

Claire Hajaj, 1973 in London geboren, hat ihr bisheriges Leben zwischen zwei Kulturen, der jüdischen und der palästinensischen, verbracht und versucht, sie zu vereinbaren. In ihrer Kindheit lebte sie sowohl im Nahen Osten als auch im ländlichen England. Sie bereiste alle vier Kontinente und arbeitete für die UN in Kriegsgebieten wie Burma oder Bagdad. Sie schrieb Beiträge für den BBC World Service, außerdem veröffentlichte sie Artikel in Time Out und Literary Review. Ihren Master in Klassischer und Englischer Literatur hat sie in Oxford gemacht. Zur Zeit lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Beirut.

Inhalt:

Das Buch beginnt im Jahre 1948 in Palästina. Unser Protagonist Salim ist zu diesem Zeitraum sieben Jahre alt und freut sich darauf, die Orangen von seinem Orangenbaum zu züchten, der zu seiner Geburt von seinem Vater Hasan Al-Ismaeli gepflanzt wurde. Doch der Krieg bricht aus, die Juden marschieren ein und Familie Al-Ismaeli flüchtet nach Nazareth, zur Salims älteren Schwester aus der ersten Ehe seines Vaters.

Seine Mutter verlässt kurz danach die Stadt und verlässt Salim und seinen Vater. Seinen kleinen Bruder Rafan nimmt sie mit.

Die Geschichte springt dann zur Judith über. Wir lernen das jüdische Mädchen Judith, welches von ihren Freunden den Spitznamen – Jude – bekommen hat kennen. Sie steht kurz vor ihrer Bat Mizwa, ihrer Glaubensmündigkeit.

Jahre vergehen und 1978 lernen sich Salim und Jude kennen. Wie das Schicksal es will, verlieben sie sich ineinander. Sie kämpfen mit den Vorurteilen ihrer Kulturen, die gegenseitig vorhanden sind und wissen, dass ihr Weg kein leichter wird. Trotz den ganzen Problemen heiraten sie miteinander.

Im Jahre 1982 wird Salim durch seine Arbeit nach Kuwait geschickt. Dort beginnt ein interessantes Leben für sie. Jude versucht Arabisch zu lernen und möchte an der Volkshochschule lehren. Sie haben zwei Kinder. Die Zwillinge Sophie und Marc.

Salim erleidet in Kuwait eine Niederlage nach der anderen. Er verliert seine Arbeit und wird dann reingelegt. Er denkt dass er sich als Geschäftsführer qualifizieren kann, doch seine Wurzeln führen immer wieder dazu, dass er nicht als Engländer, der dort gelebt und studiert hat, angesehen wird.

Als sein jüngerer Bruder Rafan, mit dem er sich vorher in Beirut getroffen hat, aufeinmal in Kuwait bei Salim und Jude auftaucht, erwarten die Familie harte Zeiten.

Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Jude und Salim. Salim ist härter geworden. Er ist sauer auf die Gesellschaft  und regt sich darübr auf, dass man ihn nicht anerkennt und diese Wut lässt er oft an Jude und den Kindern in verbaler Form raus.

Wird die Liebe zwischen Jude und Salim die Vergangenheit überstehen? Kann Salim in sein Land zurück und seine Orangenbäume sehen? Lest selbst.

 

Meine Meinung:

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. Die Sprache die Claire Hajaj nutzt ist sehr verständlich. Sie benutzt sehr oft arabische und hebräische Wörter, die man in einem Glossar am Ende des Buches nachschlagen kann. Zwar kommt man kurz aus dem Redefluss dadurch heraus, aber wenn man sich dann die Wörter gemerkt hat, muss man nicht mehr nachschauen.

Die Geschichte von Salim und Jude hat mich sehr berührt. Durch beide Charaktere wird veranschaulicht, welche Probleme und Schicksale beide Kulturen durchgemacht haben und wie schwierig es sein kann, gegen Vorurteile zu kämpfen.

Du kannst ja weiter tun, als gebe es keinen Krieg, wenn dir das so lieber ist. Doch er tobt überall um uns herum. Und sie, was aus mir geworden ist, während ich die Augen davor geschlossen habe und meinen großen Träumen nachgejagt bin. Ich bin weder Engländer noch ein richtiger Araber.

 

 

 

Jane Austen – Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt

Warum Mr Darcy noch immer Herzen im Sturm erobert

Haben Sie schon einmal von Mr. Darcy geträumt? Wären Sie nicht auch gern die Auserwählte, der ein Gentleman wie Mr Knightley beim Contredanse sehnsüchtige Blicke zuwirft? Wie es im Herzen der Frauen aussieht, weiß keine Autorin so gut wie Jane Austen. Noch heute lieben und leiden viele Leserinnen mit den Schwestern Bennet und Dashwood, und die Welt der englischen Klassikerin fasziniert nicht weniger als vor 200 Jahren. Holly Ivins gewährt uns Blicke hinter die Fassaden der prunkvollen Herrenhäuser und beschreibt mit großer Lust am Detail, wie man sich als Dame schicklich kleidete und wie ein Gentleman seiner Angebeteten formvollendet den Hof machte. Sie erzählt davon, was Mann durfte, Frau aber nicht, für die es sich vor allem nicht ziemte, Romane zu schreiben. Lassen Sie sich entführen in den Alltag in der Regency-Zeit – Holly Ivins weiht Sie ein in die Geheimnisse von Jane Austen. (Quelle: randomhouse.de)

Holly Ivins (Autorin)

Holly Ivins studierte an der University of St Andrews englische Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt Romantik. Sie lebt in London, arbeitet im Verlagswesen und liest leidenschaftlich gern Jane Austen und andere Klassiker.


Das Buch ist zusammen mit der Einleitung insgesamt in 7 Kapiteln geschrieben.
In der Einleitung stellt Ivins Jane und Janes Familie vor und beschreibt detailliert zu jedem Familienmitglied alle bekannten Daten.
Insgesamt hatte Jane Austen 7 Geschwister. George Austen (1766 – 1838), der Bruder von Jane war der wohl taub und über ihn gibt es nicht so viele Daten.

Ansonsten ist über ihn nicht viel bekannt; er und Jane sind die einzigen Familienmitglieder, von denen kein offizielles Porträt angefertigt wurde. (Seite 15)

Das Haus Austen war von intellektuellen Diskussionen geprägt. Vater von Jane Austen hat sie im Schreiben immer unterstützt, obwohl dies zur damalige Zeit nicht angesehen war. Eine Frau durfte nicht schreiben und dies war der Grund warum Jane Austen am Anfang ihre Bücher nicht mit ihrem Namen veröffentlichte.
Im zweiten Kapitel geht die Autorin in die damalige Regency-Zeit ein und beschreibt wie diese Zeit Austens Werke geprägt hat.
So ist es sehr interessant gewesen, wie damals Briefe geschrieben worden sind.

Zum Schreiben verwendet man einen Federkiel, und das Blatt wurde so gefaltet, dass eine leere Seite für die Adresse blieb. Man versuchte, so viel Inhalt wie möglich auf einer Seite unterzubringen, da sowohl das Papier als auch Porto teuer waren. Um Platz zu sparen, schrieb man gern >>über Kreuz<<: wenn eine Seite voll war, drehte man das Blatt um hundertachtzig Grad und schrieb zwischen den bereits bestehenden Zeilen weiter. (Seite 54)

Jedes Kapitel fängt mit einem Zitat an. Im 5. Kapitel werden alle Werke von Jane Austen vorgestellt. Und die ganzen Charaktere die zu diesen Werken gehören werden in kurzen Absätzen erläutert.

Meine Meinung:
Ich habe bisher von Jane Austen “Mansfield Park” und “Stolz & Vorurteil” gelesen. Dank dieser Entdeckungsreise in Jane Austens Leben werde ich die anderen Bücher auch lesen. Dieses Buch ist durch und durch empfehlenswert, für Jane Austen Fans und für die, die es werden wollen. Was ich noch so toll fand, waren die kleinen Randbemerkungen, die mit Apropos eingeleitet wurden. Das Buch ist mit seinem Cover und diesen kleinen Randbemerkungen sehr schön gestaltet.