Samstag, 30. Dezember 2017

Freiheit



Am vorletzten Tag  des Jahres möchte ich über den Buch-Kalender 2018 Freiheit von Paulo Coelho erschienen im Diogenes Verlag erzählen.

Der Buch-Kalender von Paulo Coelho im Jahr 2018 hat sich als Thema die Freiheit ausgewählt.

Wie üblich hat die kolumbianische Künstlerin Catalina Estrada die Zeichnungen für den Kalender angefertigt.

Eingeleitet wird der Kalender mit einem Zitat aus „Die Spionin“.
Aufrichtigkeit nimmt der Lüge den Wind aus den Segeln.

Danach sind auf zwei Seiten die Jahresüberblicke für 2018 und 2019 zu sehen.



Gefolgt auf weiteren Seiten hat man dann einen Jahresüberblick für das ganze Jahr 2018, welches sehr nützlich sein kann.



Und danach beginnt ein wunderschöner Kalender, ein persönliches Buch mit sehr schönen Zeichnungen jeweils zwischen den Übergängen der Monate. Jeder Monatsbeginn hat eine Seite für Gedanken frei gelassen, die mit Ideen, Inspirationen, Terminen direkt am Anfang einen Vorschau auf das kommende Monat geben.



Jede Kalenderwoche besitzt ein Zitat aus den bekannten Büchern von Coelho als Fußzeile.



Mit den gewählten bunten Farben der Zeichnungen bereitet dieser Kalender durch und durch eine Vorfreude um Termine und Gedanken niederzuschreiben.

Ich danke Diogenes für das Rezensionsexemplar.

Sonntag, 24. Dezember 2017

Am liebsten sind mir die Problemzonen, die ich noch gar nicht kenne



Jede Frau ist schön – sie soll es nur nicht wissen
Ob in der Stadt, in Zeitschriften oder auf Instagram: Überall begegnen uns Fotos von trügerisch perfekten Frauenkörpern, die für schöne Achseln, Diäten und weißere Zähne werben. Bilder, die uns Unsicherheiten einreden, um uns die Lösungen gleich mitzuverkaufen. Man kann daran verzweifeln – oder man kann sich vom Optimierungswahn befreien, am besten mit Humor! Corinne Luca erzählt in ihrem Buch ehrlich und mit einem Augenzwinkern, was es heutzutage heißt, eine Frau zu sein. Und kommt zu dem Schluss: Wir müssen uns nicht täglich eine neue Problemzone einreden lassen!

Die Autorin: Corinne Luca




Corinne Luca ist Bloggerin und schreibt für Edition F und bento. 2016 gewann sie für ihr Blogmagazin makellosmag den renommierten Grimme Online Award. Ihre Parodie auf Ronja von Rönne nannte Ijoma Mangold (Die ZEIT) „brillant“. Corinne Luca lebt mit Mann und zwei Töchtern in Berlin.


Inhalt:

Mit den Worten, jede Frau ist schön, sie soll es nur nicht wissen, nimmt Corinne Luca sämtliche Frauenzeitschriften, Instagram und co. auseinander.
Ihr witziges und zum Nachdenken bringendes Buch fängt sie damit an zu erklären, wie sie angefangen hat Zeitschriften zu lesen, und was ihr nach und nach klar geworden ist. Nämlich, dass heutzutage der Frau, ja nur der Frau vorgeschrieben wird, wie sie sich zu kleiden hat, welche Farbe zu ihren Lippen passt und mit welchem Shampoo ihre Haare mehr Glanz etc. bekommen.

Eine Werbebranche durch und durch, die der Meinung ist, dass sie das beste für dich als Frau zu wissen weiß. So ist es überhaupt kein Zufall, dass auf der einen Seite von einem neuen Lippenstift erzählt wird, die deine Lippen dicker zeigen sollen und siehe da, wie nett sie doch sind, du hast ein Pröbchen dazu bekommen. :)

Schöne Achseln, gewachst oder mit Behaarung, Diäten die dich in 2.4 Tagen 3 Kilo abnehmen lassen, Bilder die auf Instagram dir einreden, dass du zu dick bist - dies sind alles Themen dieses Buches.

Meine Gedanken:

Ich habe mir noch nie eine Frauenzeitschrift gekauft. Ich habe sie lediglich durchgeblättert, wenn ich beim Arzt im Wartezimmer saß. Mein Gedanke beim Lesen dieser Zeitschriften ist nämlich diese - "ja, ja, als wüsstest du, welche Probleme ich wirklich habe."

Als eine 35-jährige Frau mit Lipödem im Stadium zwei weiß ich sehr gut, was die Gesellschaft so denkt, wenn sie mich sieht. "Boah ist die fett."

Nein ich bin nicht fett, ich bin nur krank und mache genug um dieser Krankheit entgegen zu wirken. Da brauche ich keine Zeitschriften, die mir weitere Probleme zureden.


Ich empfand das Buch als lesenswert. Danke an Heyne für das Rezensionsexemplar.


 


Samstag, 2. Dezember 2017

Der Weg des Bogens von Paulo Coelho



Tsetsuya ist der beste Bogenschütze des Landes in einem abgelegenen Tal in Japan. Als ein ehrgeiziger anderer Bogenschütze ihn aufspürt und sich mit ihm messen will, stellt er sich der Herausforderung. Doch seine Lehren gibt er nicht an ihn weiter, sondern an einen unerfahrenen Jungen in seinem Dorf.

Wie oben beschrieben, beginnt Tsetsuya seine Lehren an den Jungen im Dorf zu geben und danach beginnt ein sehr schönes kleines Buch, mit wunderschönen Zeichnungen mit einzelnen Kapiteln über die Techniken des Bogenschießens.

Während das Buch uns das Bogenschießen näher bringt, gibt es uns eher Weisheiten mit auf den Weg, die wir in unseren Leben anwenden können.

Im allerersten Kapitel, in dem es um die Verbündeten beim Bogenschießen geht, geht es meiner Meinung nach, wie wir Menschen miteinander umgehen. So ist doch der Satz „Die Menschen beurteilen andere immer nach sich selbst - und manchmal ist ihre Meinung von Vorurteilen und Ängsten geprägt“, ein Volltreffer über uns Menschen.

Des weiteren schreibt Coelho sich das Ziel des Bogenschießens als Metapher nehmend folgenden Satz: „An einem Tag, an dem dir die Liebe zum Leben fehlt, wird dein Schuss ungeordnet und unnötig kompliziert sein.“

Ist das nicht wirklich so? Wer kennt sie nicht- die Momente in denen wir nach dem Sinn des Lebens fragen und sie erfragen. Machen wir uns in dieser Zeit, das Leben nicht unnötig schwer?

Ich hätte niemals gedacht, dass ein Thema, nämlich das Bogenschießen, was eigentlich nicht in meinem Interessengebiet liegt, mich so sehr bewegen und zum Nachdenken bringen würde.

Ich danke Diogenes für das Rezensionsexemplar. Ganz sicherlich werde ich ein Exemplar kaufen und an Weihnachten verschenken.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Kleine Schwester von Barbara Gowdy



Kleine Schwester erschien im Kunstmann Verlag im August 2017.

Das Buch erzählt die Geschichte von Rose. Rose lebt mit ihrer Mutter Fiona zusammen, die an Demenz leidet. Rose hat ihren Vater verloren und sein Kino übernommen.

Obwohl es Sommer ist ziehen ein Gewitter nach dem anderen über die Stadt und Rose verliert bedingt durch diese Gewitter ihr Bewusstsein und landet in einem interessanten Traum. Nach dem ersten mal ist es klar, dass es keine Träume sind, sondern dass sich Rose im Körper einer anderen Frau befindet und das Leben dieser Frau, die gerade in Schwierigkeiten zu stecken scheint, durch und durch lebt.

Rose versucht diese junge Frau ausfindig zu machen und ihr zu helfen. Doch es scheint schwierig zu sein, an die junge Frau heranzukommen. Als die demenzkranke Fiona dann auch noch über ein von Rose verdrängtes Thema, nämlich ihrer verstorbenen Schwester, zu reden beginnt, findet Rose eine Verbindung zwischen ihrer verstorbenen Schwester und der Frau, in der sie steckt.

Rose jagt dem Gewitter hinterher, damit sie ihr Bewusstsein verliert und die Episoden, wie sie es betitelt durchlebt. Sie kommt raus aus dem kleinen Kino und dem Kinoprogramm und begegnet ihren Ängsten und warum diese Ängste enstanden sind, wird am Ende des Buches klar.

Ich fand das Buch sehr interessant und es war sehr gut zu lesen. Die Episoden, die Rose durchlebt hat waren sehr aufregend und noch aufregender war es, darauf zu warten, ob sie endlich mit der Frau in der sie steckte, gegenüber stehen wird. Das war mein erstes Gowdy Buch und ich werde weitere Bücher von ihr lesen.

Ich danke für das Rezensionsexemplar.

 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

The Hate u Give






 

Die Autorin Angie Thomas

Angie Thomas ist in Jackson, Mississippi, aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Als Teenager tat sie sich als Rapperin hervor; ihr ganzer Stolz war ein Artikel im Right-On! Magazine. Thomas hat einen Bachelor-Abschluss im Fach Kreatives Schreiben an der Belhaven Universität. Ihr Debüt The Hate U Give erntete ein überschwängliches Presse- und Leserecho und schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste.

 

Das Buch

Die Protagonistin Starr ist 16 Jahre alt und wächst in Garden Heights auf, dass durch und durch ein Armenviertel ist, an der Drogen, Gewalt, Eskalationen, Gangs zum Alltag gehören.

Nebenbei besucht sie eine Privatschule, in der sie fast die einzige Schwarze ist und mit einem weißen Jungen Namens Chris ausgeht.

Das Buch beginnt mit einer Party an, auf der Starr ihren besten Freund Khalil sieht. Es kommt zu einer Schießerei auf der Party und Starr verlässt gemeinsam mit Khalil die Party um nach Hause zu fahren.

Khalil wird von einem Polizisten angehalten und nach ein paar Minuten in denen Missverständnisse vorkommen, erschießt der Polizist Khalil. Khalil stirbt am Tatort vor Starrs Ausgen.

Ab sofort beginnt für Starr eine schwierige Zeit. Sie ist die einzige Zeugin und versucht sich geheim zu halten. Der Tod von Khalil wird in den Medien verharmlost. Die Lage wird so dargestellt, dass er ein gefährlicher Drogendealer war, der es – kaum zu glauben – fast schon verdient hat, zu sterben.

Während die Schwarzen für Khalil auf die Straßen gehen versucht Starr das Geschehen zu verarbeiten. Sie kämpft mit sich selbst. Einerseits versucht sie sich geheim zu halten und andererseits ist sie die einzige, die etwas zu der Sache sagen kann. Durch ihren Onkel, der ein Polizist ist und für Starr die Vaterrolle übernommen hat, als Starrs wirklicher Vater im Gefängnis war, entschließt sie sich unter Geheimhaltung ihrer Person bei der Polizei auszusagen.

Meine Eltern legen großen Wert darauf. Meine Brüder oder ich sollen immer unserem Gegenüber in die Augen schauen, wenn wir mit ihm reden. Sie behaupten, die Augen würden mehr verraten als der Mund – und dass es in beide Richtungen funktioniert.

Die Entscheidung der Grand Jury – ob sie den Polizisten für schuldig aussprechen bleibt bis zum Ende des Buches offen.

Und währenddessen lesen wir über den alltäglichen Wahnsinn in Garden Heights. Über die Kämpfe zwischen den beiden großen Gangs. Erfahren die Geschichte für Khalils Entwicklung und sein Motiv, warum er so war, wie er war.

Das Thema Rassismus – in diesem Falle an Schwarzen – wird in Buch sehr gut beschrieben. Angie Thomas lässt durch Starr eine starke Persönlichkeit in den Vordergrund treten, die nicht weiter die Augen vor schlechten Taten schließen wird.

Starr redet zuhause mit ihren Eltern, ihren Geschwistern und Freunden von Garden Heights in einem Slang, der meiner Meinung nach sehr gut übersetzt wurde. Und an der Privatschule ist sie eine ganz andere. Dies führt vor Augen, dass sie zwei verschiedene Welten hat. Die Welt der Schwarzen und der Weißen.

Mit hat das Buch sehr gefallen. Das Buch ist unter dem Genre Jugendbuch aufgeführt und ist ab 14 Jahren freigegeben. Doch es kann durch die Thematik sicherlich auch von Erwachsenen gelesen werden.

 

 

Dienstag, 17. Oktober 2017

One-Night-Stand, Knips, Fingernagel und dann ist sie weg - Lola



Julie Estève



Julie Estève wurde 1979 in Paris geboren, wo sie auch lebt. Sie studierte Jura und Kunstgeschichte, spezialisierte sich auf moderne Kunst und arbeitet für verschiedene Museen und Magazine. „Lola“ ist ihr erster Roman. (Quelle: Rowohlt)




Sie stellt sich die jungen Leute vor, die schüchtern zum ersten Mal "Ich liebe dich" sagen, mit schamgeröteten Gesicht. Die jugendliche Liebe ist die reinste, die gewaltigste.


Lola hat offensichtlich einen großen Liebesschmerz erlitten. So lebt und läuft sie durch die Straßen von Paris und wie sie sich kleidet und mit Männern umgeht, ist ihre eigene Art mit diesem Schmerz klar zu kommen und ihren Wut auszulassen.

Mit knapp bemessenen Röcken, Netzstrümpfen und rotem Lippenstift hurt sie durch die Stadt. Kein Mann ist vor ihr sicher und sie besorgt es jedem.
Alles ist nur noch Sex. Alles. Sie treibt dahin. So wie andere Leute sich mit der Rasierklinge ritzen, spreizt Lola die Beine.

Mal ist es ein Klempner, dann ein verheirateter Mann. Die Gedanken werden ausgeschaltet und es geht los mit dem Sex. Danach knipst sie den Männern einen Fingernagel ab und läuft nach Hause, wo sie die gesammelten Fingernägel in einem Glas sammelt.

An ihre verstorbene Mutter möchte sie nicht denken und an ihren Vater, der Alkoholiker ist hat sie seit langem keinen Kontakt, obwohl der sich bei ihr meldet und sich ein Wiedersehen erwünscht.

Ihr Nachbar Dove – der absolut das Gegenteil von Lola ist – häuslich, fokussiert auf die Zukunft – mag Lola und bringt ihr Schokolade von einer Reise mit.

Lola geht auf Dove ein und reist mit ihm nach Griechenland, obwohl sie Angst vor dem Fliegen hat.

Ein Neuanfang scheint in Sicht zu sein. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Lola ihre krankhafte Einstellung zu Männern und ihren Wut, den sie an sich selbst ausübt – in dem sie sich als Frau so sehr erniedrigt – losbekommen wird, wenn das Glas mit den Fingernägeln voll ist. Durch Dove schien es so, dass das nicht mehr von Nöten war.
Lola könnte zurück in den Supermarkt gehen, sich ein paar Rasierklingen kaufen und sich unter der heißen Dusche die Pulsadern öffnen. Verrecken ist billig. Bloß drei Euro. Drei Euro, und schon ist das ganze Gezeter, sind all die Minuten, Tage, Monate und Jahre vorbei. Die Fesseln sprengen, der Einsamkeit entfliehen und eintauchen in ewiges Vergessen. Für drei Euro. Wie kann ein Mensch nur so allein sein?

Das Buch wird unter dem Genre Erotik aufgeführt, doch es ist viel mehr als dies. Zwar sind die beschriebenen Sexszenen detailliert und erotisch, aber mich hat eher die Geschichte der jungen Frau interessiert. Ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie allein sich eine Frau fühlen kann und was einem zustößen müsste, dass man sich selbst nur noch als Sexobjekt ansieht. Das Buch ist lesenswert.

Ich danke Rowohlt für das Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 30. August 2017

Flucht von Hakan Günday



Hakan Günday

Hakan Günday, geboren 1976, studierte Französisch in der Türkei und in Brüssel, anschließend Politikwissenschaften in Ankara. Diplomatensohn, Bestsellerautor, Drehbuchautor, Provokateur, Enfant terrible der jungen türkischen Literatur. Seine Romane sind gleichermaßen Bestseller wie Kultbücher. Seine vielen Fans feiern ihn für seine politischen Kolumnen, seine öffentlichen Debatten und dafür, dass alles, was er tut, aus dem Rahmen fällt.

"Wäre mein Vater kein Mörder gewesen, hätte ich nie das Licht der Welt erblickt." - Mit diesen erschütternden Worten fängt das Buch von Hakan Günday an. Der Protagonist Gâza ist erst neun Jahre alt, als er erfährt, dass sein Vater Ahad ein Schleuser ist und Menschen in einem Depot im Garten versteckt um sie danach mit dem LKW zu transportieren.

Das Buch besteht aus jeweils vier großen Kapiteln, die mit Maltechnicken der Renaissance eingeleitet werden und somit ein Hinweis auf Gâza, der sich in der Geschichte drastischen Änderungen unterziehen wird, geben. Als kleiner Junge ist er noch unwissend und versucht Antworten auf Fragen wie, "wollte meine Mutter mich direkt nach meiner Geburt umbringen?" zu finden.

Im ersten Kapitel entwickelt sich Gâza zu einem Charakter, den man einfach nicht mögen kann. Er sieht die Menschen im Depot als Waren an und macht mit ihnen Versuche, die er in einer wissenschaftlichen Ausarbeitung versucht, festzuhalten. Er installiert Kameras im Depot und schaut den Menschen darin zu. Geilt sich an ihnen auf. Erkennt von Tag zu Tag seine Macht über ihnen. Es reicht schon aus, dass er das Licht an und ausschaltet.

Im weiteren Alter scheut er sich nicht davor, sich die schönen Mädchen auszusuchen und sie zu vergewaltigen. Im zweiten Kapitel passiert ein Unfall, der Gâzas Leben einen entscheidenden Wandel gibt. Als er mit seinem Vater die Menschen transportiert, fährt sein Vater den LKW, nachdem Gâza ihm Fragen über seine Mutter gestellt hat, in den Abgrund. Es ist mehr ein Selbstmord als ein Unfall. Gâza verbringt 300 Stunden inmitten der Leichen aus dem LKW und ist der einzige überlebende. Die Stunden die er dort verbringt sind dermaßen detailliert erklärt, dass Gâza ab diesem Moment für den Leser nur noch wie ein Raubtier erscheint. Ein krankhafter Charakter, der sich sogar an einer Leichenbrust aufgeilen kann. - Ich hatte mit dieser Stelle zu kämpfen. Danach musste ich das Buch beiseite legen und das Gelesene verarbeiten.

Nachdem Unfall ist Gâza nicht mehr zurechnungsfähig. Er wird zwar von einigen gefördert und darf sogar studieren, da er immer sehr gut in der Schule war, doch seine Haltung gegenüber Menschen führen ihn in eine Nervenklinik. Er wird dort behandelt und nachdem er entlassen wird, kann er nicht unter Menschen sein. Kann mit ihnen nicht reden, weder noch einem die Hand schütteln. Im weiteren Verlauf des Buches kehrt er zurück zum Depot. An dieser Stelle musste ich an das Sprichwort - ein Mörder kehrt immer zum Tatort zurück - denken.

Meine Meinung:

Dieses Buch von Hakan Günday habe ich vor Monaten in türkisch angefangen und es nicht weiter gelesen, weil es mir sehr extrem und hart vor kam. Die deutsche Sprache empfinde ich in einigen Zusammenhängen nicht so emotional und hart wie meine Muttersprache. Deshalb habe ich das Buch nochmal auf deutsch angefangen und ich muss sagen, dieses Buch ist nichts für Leute, die zart betucht sind. Es spielt mit den Nerven, mit den Gefühlen und provoziert durch und durch. Doch das ist die Art Gündays. Wer andere Bücher von ihm gelesen hat, weiß, dass er keinen Blatt vor den Mund nimmt. Er hat mit Gâza einen Charakter geschaffen, der einen kurz inne halten lässt und an die Geschehnisse an den Grenzen denken lässt. Menschen werden als Ware angesehen und von Schleusern, mit der Hoffnung nach Europa zu kommen, reingelegt. Es ist noch nicht lange her, dass die Leiche eines kleinen Jungen an die Ägäisküste der Türkei gestrandet ist.

Notizen:

Wie oft beichtet man ein und dieselbe Sünde ein und demselben Menschen? (Seite 13)

Kaum hielt ich in jenem Sommer men Schulzeugnis in der Hand, wurde ich zum Menschenhändler. (Seite 15)

Alles war Mathematik. Eine bloße Subtraktionsaufgabe. Wüsste ich, was übrig blieb, wenn ich meinen Hass von der Welt subtrahierte, wäre die ganze Geschichte zu Ende. (Seite 100)

Es gibt so Nächte ... Nächte wie Sägemehl ... Nächte, die jede Schuld aufsaugen und jeden Schuldigen unschuldig in den Morgen entlassen ... (Seite 220)

 

 

 

Das Lied des Achill

  Das Lied des Achill handelt über die bekannte Geschichte des Gottes Achills, der vor Troja gekämpft hat um Helena zu retten.  Das Achill ...